Geplanter neuer Straftatbestand

Zentralrat der Juden: »Beleidigung« gilt allen Opfern

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: Thomas Lohnes/ZR

Geplanter neuer Straftatbestand

Zentralrat der Juden: »Beleidigung« gilt allen Opfern

Antisemitismubeauftragter Felix Klein: »Die Vorschrift sollte nicht nur für jüdische Personen und Organisationen gelten«

 15.04.2021 08:32 Uhr

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, und der Zentralrat der Juden in Deutschland sprechen sich dafür aus, den geplanten neuen Straftatbestand der »verhetzenden Beleidigung« auch für andere Betroffene zu öffnen. »Die Vorschrift sollte nicht nur für jüdische Personen und Organisationen gelten«, sagte Klein der Zeitung »Welt« (Donnerstag). Es seien auch andere Gruppen und Einzelpersonen von Hass von Hetze betroffen.

Der Zentralrat der Juden wird deutlicher: »Es ist selbstredend, dass ein solcher Straftatbestand nicht eine bestimmte Gruppe, sondern alle Opfer schützen beziehungsweise ein konkretes Verhalten sanktionieren und bestenfalls verhindern soll«, sagte Zentralrats-Präsident Josef Schuster der »Welt«.

PARAFGRAF Die Ausgestaltung des neuen Paragrafen sorgt für Streit in den Koalitionsfraktionen. Die Unionsfraktion will mit dem neuen Straftatbestand lediglich Gruppen schützen, die im Nationalsozialismus verfolgt worden sind, also Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Menschen mit Behinderung sowie politisch Verfolgte, etwa Kommunisten.

»Der Tatbestand muss eingegrenzt werden, damit er nicht uferlos wird«, sagte Unsions-Fraktionsvize Thorsten Frei (CDU) der Zeitung. Es sei von vornherein nicht darum gegangen, die Beleidigung von Kollektiven insgesamt unter Strafe zu stellen. »Die Strafverfolgungsbehörden müssen das Anzeigeaufkommen meistern können.«

GRUPPEN Die SPD widerspricht: »Ich habe kein Verständnis dafür, dass Gruppen wie Muslime, die im Nationalsozialismus nicht verfolgt wurden, aber heute Attacken ausgesetzt sind, vom Straftatbestand ausgenommen werden sollen«, sagte der rechtspolitische Sprecher der Fraktion, Johannes Fechner, der »Welt«. »Wir können Rechtsschutz nicht nach Kassenlage gewähren und schutzbedürftige Gruppen ausnehmen, weil es bei den Strafverfolgungsbehörden zu wenig Personal gibt.«

Auch die Grünen sprechen sich gegen eine Beschränkung des Straftatbestands auf NS-Verfolgte aus. »Nicht alle betroffenen Gruppen abzudecken, würde an derzeitigen Problemlagen vorbeigehen«, sagte Fraktionsvize Konstantin von Notz. kna

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Madrid

Kritik an Zara wegen Halloween-Kostüm mit Ähnlichkeit zu KZ-Kleidung

Die Hintergründe

 02.10.2026

Sacramento

Kalifornien führt »jüdisch« als ethnische Kategorie ein

Gouverneur Gavin Newsom unterschrieb mehrere Gesetze, die für Juden in dem Bundesstaat relevant sind

 02.10.2026

Essay

Die Demokratie gegen ihre Abschaffung verteidigen

Warum die AfD als Partei verboten werden müsste – und weshalb das eben nicht undemokratisch ist

von Stephan Lehnstaedt  02.10.2026

Delft/Niederlande

Publikum beschimpft Angehörige eines Hamas-Opfers bei »NAZA«-Vorführung

Sabine Tassa, deren Ehemann und Sohn am 7. Oktober 2023 ermordet wurden, kritisiert die Doku. Das Publikum will nichts davon hören

 02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Genf

Sharabi fordert UN-Menschenrechtsrat zur Anerkennung von Geiselmisshandlungen als Folter auf

»Mein Name ist Eli Sharabi. Ich bin ein Überlebender von Folter«, so der ehemalige Verschleppte vor dem Gremium

 02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026