Einspruch

Zeigen, wohin Hetze führen kann

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: Thomas Lohnes

Der Prozess am Landgericht Detmold gegen den früheren SS-Wachmann in Auschwitz Reinhold Hanning hat drei Tatsachen ins öffentliche Bewusstsein gerufen, deren Bedeutung wir gar nicht hoch genug einschätzen dürfen: Erstens leben noch immer Täter unter uns. Es sind Menschen im Greisenalter, die an grausamen Verbrechen beteiligt waren, aber ihr Leben lang unbehelligt blieben.

Zweitens sind nicht nur die Überlebenden der Konzentrationslager für ihr ganzes Leben gezeichnet und haben unter den einstigen Qualen gelitten oder leiden noch heute darunter, sondern oftmals sind auch ihre Kinder und Enkel mit diesem Erbe belastet. Und drittens sind noch einmal die schier unfassbaren Versäumnisse der deutschen Justiz – ein Spiegelbild der Gesellschaft – in den vergangenen Jahrzehnten deutlich geworden.

gerechtigkeit Diese letzten Prozesse gegen NS-Täter sind für die Opfer und ihre Familien extrem wichtig, weil sie ihnen zumindest ein Gefühl von Gerechtigkeit geben. Eine Zeugin in Detmold sagte, jetzt könne ihr ermordeter Vater endlich in Frieden ruhen.

Daneben können aber gerade die jüngeren Generationen aus diesen Prozessen sehr viel lernen. Sie können sehen, dass Beharrlichkeit sich lohnt. Ohne engagierte Staatsanwälte wäre es auch zu diesen jüngsten Prozessen nicht gekommen. Sie haben Schilderungen der Zeugen hören können, die den Atem stocken lassen. Sie konnten beobachten, wie diese Menschen jeden Tag ihres Lebens an Auschwitz denken müssen.

Unserer ganzen Gesellschaft hat der Prozess noch einmal vor Augen geführt, wozu Menschen fähig sind und wohin Hetze gegen Minderheiten im Extremfall führen kann. Deshalb darf kein Schlussstrich gezogen werden, wenn der letzte noch lebende NS-Täter verurteilt ist. Wir sind es den Opfern und ihren Nachkommen schuldig, die Erinnerung wachzuhalten. Und wir brauchen dieses Wissen um die Vergangenheit – damit wir den Schutz der Menschenwürde immer verteidigen werden.

Der Autor ist Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Meinung

Wo ist der Geist von Sarajevo?

Auch in Deutschland rufen Vertreter der bosnischen Diaspora zunehmend nach harten Sanktionen gegen Israel und scheuen den Dialog mit den jüdischen Gemeinden hier. Das war schon einmal anders

von Marc Simon  24.07.2026

NRW

Davidstern von Pride Parade verbannt

Der 28-jährige Student Sören Habet sagt, weder die Polizei noch die Veranstalter hätten ihn mit einer Davidstern-Regenbogen-Fahne teilnehmen lassen

 24.07.2026

Umfrage

AfD liegt in Berlin erstmals vorn

Nur acht Wochen vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus wird erneut ein Stimmungswechsel registriert

von Imanuel Marcus  24.07.2026

Washington D.C.

USA knüpfen Atomabkommen mit Saudi-Arabien an Annäherung an Israel

So reagiert Präsident Donald Trump auf Kritik, Washington habe mit dem Vertrag Druckmittel gegenüber Riad aufgegeben

 24.07.2026

Neue Angriffe

Trump kündigt »militärische Bestrafung« Teherans an

Nach Medienberichten bereiten die USA zugleich eine Ausweitung ihrer Militärpräsenz in der Region vor

 24.07.2026

Diplomatie

Nauru eröffnet Botschaft in Jerusalem

Damit ist der Inselstaat das zehnte Land, das seine diplomatische Vertretung in Israels Hauptstadt ansiedelt. Auch Kolumbien will eine Botschaft in Jerusalem eröffnen

 24.07.2026

New York

Zwei Männer in Manhattan niedergestochen – Ermittler prüfen antisemitisches Motiv

Eines der Opfer ist nach Angaben der Polizei ein 50 Jahre alter Mann, der eine Kippa trug und kurz zuvor eine Synagoge verlassen hatte

 24.07.2026

Diplomatie

Malaysias Premier verteidigt Drohung, Israelis abzuschieben

Mehrere US-Abgeordnete haben Außenminister Marco Rubio aufgefordert, Malaysia wegen der jüngsten Äußerungen von Regierungschef Anwar Ibrahim Fördermittel zu streichen

 23.07.2026

Naher Osten

Trump: Atom-Deal nur bei saudischer Anerkennung Israels

Washington und Riad stehen kurz vor einem Atomabkommen zur zivilen Nutzung der Kernenergie. Doch jetzt hat Donald Trump eine neue Bedingung gestellt

 23.07.2026