Union

»Wir stellen uns BDS entgegen«

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak Foto: imago/Emmanuele Contini

Herr Ziemiak, am Freitag hat der Bundestag beschlossen, die antiisraelische BDS-Bewegung als antisemitisch zu bezeichnen. Nun gibt es Kritik, auch aus den Reihen der Union. Wie bewerten Sie das?
Wir haben als Union 2018 zum 70. Jahrestag des Bestehens des jüdischen Staates einen sehr umfassenden Antrag zur Israel-Politik eingebracht. Der jetzige BDS-Antrag greift einen Teilaspekt heraus. Dass der nun heftig umstritten gewesen sein soll, wie von einigen Medien berichtet wird, kann ich aus der Fraktion nicht bestätigen. Es gab Diskussionen über einzelne Formulierungen. Doch haben wir mit großer Geschlossenheit deutlich gemacht, dass wir uns mit aller Entschiedenheit der BDS-Bewegung entgegenstellen.

Medien berichten, dass prominente CDU-Abgeordnete wie Norbert Röttgen, Roderich Kiesewetter und Andreas Nick Mängel am Beschlusstext kritisieren. Das klingt nicht nach großer Geschlossenheit, oder?
Wir haben gemeinsam als Fraktion dem Antrag zugestimmt. Es ist richtig, dass einige darauf verweisen, dass im Antrag die Zweistaatenlösung ausführlicher hätte erwähnt werden müssen.

Und es heißt, im Beschluss fehle die Feststellung, dass legitime Kritik an der israelischen Regierung nicht als antisemitisch diskreditiert werde. Wer hat denn ernsthaft behauptet, Kritik am Jerusalemer Regierungshandeln sei antisemitisch?
Ich kann nicht für die anderen Abgeordneten sprechen. Aber selbstverständlich ist Kritik an der israelischen Regierung erlaubt. Nur, dass man sich unter dem Deckmantel der legitimen Kritik antisemitisch verhält und antisemitische Organisationen unterstützt, das wollen wir als CDU nicht.

Wie wird der Beschluss praktisch umgesetzt?
Es wird sehr darauf ankommen, dass wir alle Unterstützungsmaßnahmen überprüfen. Das gilt auf Bundesebene, auch beispielsweise für Organisationen, die vom Auswärtigen Amt unterstützt werden, bis hin zur kommunalen Ebene. Wir als Union erwarten, nicht erst seit diesem Antrag, sondern seit jeher, dass die BDS-Bewegung in Deutschland keine Aktivitäten entfalten kann und schon gar nicht mit öffentlichen Geldern gefördert wird.

Auch Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) soll sich im Vorfeld bemüht haben, den Antragstext zu entschärfen. Was meinen Sie dazu?
Es ist meine tiefe Überzeugung, dass wir jedem, der staatliche Unterstützung der Bundesrepublik erhält, unsere Haltung deutlich machen müssen: Wir haben eine besondere historische Verantwortung, und die Sicherheit Israels gehört zur deutschen Staatsräson, so wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel 2008 in der Knesset gesagt hat. Alle Aktivitäten, die in ihrem Ursprung antisemitisch sind, werden immer auf den Widerstand Deutschlands stoßen.

Mit dem CDU-Generalsekretär sprach Detlef David Kauschke.

Ilse Aigner lacht und applaudiert in einer Menschenmenge

Bundespräsidentenwahl

Aigner wird zur Kandidatinnen-Kür in Berlin erwartet

Nach ihrer offiziellen Vorstellung in Berlin reist Ilse Aigner am Montag mit Merz und Söder nach München – zum Festakt für 20 Jahre Hauptsynagoge Ohel Jakob

 08.11.2026

Berlin

Mann ersetzt Deutschlandflagge vor dem Reichstag durch Palästina-Flagge

Ein 22-Jähriger kletterte den fast 30 Meter hohen Mast auf dem Platz der Republik hinauf. Der Staatsschutz ermittelt

 08.11.2026

Ideologie

Wer darf jüdische Geschichte deuten?

Wie das progressive Milieu jüdische Identität neu definiert und Juden zu Privilegierten und Unterdrückern erklärt

von Gunda Trepp  08.11.2026

Kirsten Fehrs

Regierungsbildung in Berlin

EKD-Ratsvorsitzende fordert klare Abgrenzung von Antisemiten

Der Umgang der Linken mit ihrer Abgeordneten Vanessa Emde sorgt seit Wochen für Diskussionen. Welche Maßstäbe legt die EKD bei Antisemitismus an Parteien an?

 08.11.2026

Antisemitismus

»WerteInitiative« startet Kampagne gegen Judenhass

Antisemitismus als Chamäleon: Der Verein WerteInitiative will mit einer neuen Medienkampagne auf blinde Flecken beim Kampf gegen Judenhass aufmerksam machen

 08.11.2026

Josef Schuster

EKD-Synode

Zentralratspräsident: 9. November mahnt zu Widerspruch

Antisemitische Witze, rassistische Sprüche – auch im Bekanntenkreis sollte das aus Sicht von Zentralratspräsident Schuster nicht unwidersprochen bleiben. Der Würzburger Bischof Jung sieht Kirchen in der Verantwortung

 08.11.2026

München

20 Jahre jüdisches Leben im Herzen Münchens: Synagoge Ohel Jakob

Das Judentum ist seit 20 Jahren wieder mitten in der bayerischen Hauptstadt verankert

von Christiane Ried  08.11.2026

Bankenviertel in Riad

Konflikt mit Saudi-Arabien

Huthi greifen Wolkenkratzer im Zentrum von Riad an

Die fast täglichen Angriffe der Huthi hinterlassen große Kratzer am Image Saudi-Arabiens als sicherer Ort für Geschäfte und Tourismus. Jetzt wird der Geschäftsbezirk von Riad getroffen

 08.11.2026

Vanessa Emde

Regierungsbildung in Berlin

Linke Emde weist Rückzugsforderung des Vorstands zurück

Die Berliner Linke-Abgeordnete Vanessa Emde soll ihr Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus zurückgeben, so fordert es der Landesvorstand. Jetzt äußert sich Emde dazu – mit einer klaren Antwort

 08.11.2026