Liebe Freunde,
meine Damen und Herren,
heute, am dritten Jahrestag des Massakers der Hamas, rütteln wir Berlin auf. Wir gedenken der ermordeten Kinder, Frauen und Männer. Und wir zeigen den Überlebenden und den Angehörigen: Ihr seid nicht allein.
Gut für Berlin, dass heute so viele Menschen hier sind. Ich begrüße Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, die Präsidentin des Abgeordnetenhauses Cornelia Seibeld, Israels Botschafter Ron Prosor, die Parlamentarische Staatssekretärin Daniela Ludwig, Rabbiner Yehuda Teichtal, die Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Mitte Stefanie Remlinger und die wunderbare Iris Berben.
Und wir umarmen heute Noga Friedman. Ihr Mann Ido Rosenthal ist genau heute vor drei Jahren im Kampf gegen die Terroristen gefallen. Noga erinnert heute gemeinsam mit Daniel Salomon und ihrer Musik an Ido und an die anderen Opfer.
Herzlich willkommen auch Efrat Machikawa, die Nichte von Gadi Moses, Pädagogin und eine der stärksten Stimmen im Kampf für die Befreiung der deutsch-israelischen Geiseln.
Ich danke unseren Partnern und Unterstützern. Mein ganz besonderer Dank gilt der ICE und Hagar Napadow, ohne die diese Veranstaltung nicht zustande gekommen wäre. Ich danke dem Zentralrat der Juden in Deutschland, dem World Jewish Congress und Bella Zchwiraschwili, der ich ganz persönlich für ihre immense Hilfe danken möchte, der WerteInitiative, der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, die uns Ron Kohls und sein Sicherheitsteam zur Seite stellt, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und Chabad Berlin.
Und unser großer Dank gebührt der Bundespolizei, die heute dafür sorgt, dass wir hier frei und sicher des 7. Oktober gedenken können.
Danke, dass Ihr hier seid. Wenn ich heute auf diesen Platz schaue, kommen viele Bilder zurück. Schmerzhafte Bilder. Aber auch Bilder, die Hoffnung geben. Ich erinnere mich an Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger und Stadtrat Christoph Schriner, die trotz mancher Widerstände gegen den Aufbau des Platzes der Hamas-Geiseln auf dem Bebelplatz an unserer Seite standen und sagten: Die Frage ist nicht, ob dieser Platz aufgebaut wird. Die Frage ist, wie wir es möglich machen.
Ich erinnere mich an Julia Klöckner, Gitta Connemann, Dorothee Bär, Daniela Ludwig und viele andere, die im Regen vom Bundestag zum Bebelplatz marschierten – in Solidarität mit den Geiseln. Ich erinnere mich daran, mit wie viel Herz und Empathie Iris Berben der deutsch-israelischen Geisel Yarden Roman eine Stimme gab, als ihre eigene im Martyrium der Geiselhaft verstummt war.
Und ich erinnere mich an Euch, die Ihr nicht müde wurdet, immer und immer wieder auf diesem Platz zu stehen – mit den Gesichtern der Geiseln in den Händen – und zu rufen: Bring them home! Dafür danke ich Euch von Herzen.
Aber ich erinnere mich auch an die dunklen Bilder. Noch während die Terroristen ihr Massaker in Israel verübten, wurde auf der Berliner Sonnenallee Baklava verteilt, um den Blutrausch der Hamas zu feiern. Hier am Geiselplatz wurden Angehörige beschimpft. Bilder entführter Babys wurden abgerissen und mit Hamas-Symbolen beschmiert. Mitten in Berlin.
Und genau deshalb war es mir so wichtig, diesen Geiselplatz ausgerechnet hier zu errichten. Auf diesem Platz verbrannten die Nationalsozialisten 1933 Bücher jüdischer Autoren. Und hier stellten wir die verbrannten Bücher von Carmel Gat auf, geborgen aus dem zerstörten Haus ihrer Familie im Kibbuz Be’eri. Carmel war eine der 251 Geiseln. Eine schöne, junge Frau voller Leben. An ihrem 40. Geburtstag zündete ihr Bruder Alon hier eine Kerze für sie an. Er hatte nur ein Ziel: seine Schwester wieder in die Arme schließen zu können. Wenige Wochen später zündeten wir wieder eine Kerze für Carmel an. Diesmal in Kibbuz Be’eri. An ihrem Grab. Carmel wurde gemeinsam mit fünf wehrlosen Geiseln von der Hamas exekutiert. Sie kam nicht zurück.
So wie Shiri Bibas, und ihre Kfir und Ariel und so viele andere nicht lebendig zurückkamen. Der Kampf um die Befreiung der Geiseln ist vorbei. Die Überlebenden sind bei ihren Familien, die ermordeten wurden in Israel begraben. Aber die Bedrohung bleibt.
Nach ihrer Befreiung erzählte mir Carmels Schwägerin, die deutsch-israelische Geisel Yarden Roman, was ihre Hamas-Entführer zu ihr sagten, als sie von ihrer deutschen Staatsbürgerschaft erfuhren: »Germany is next.« Und: »Du hast keine Ahnung, wie viel Hamas wir in Deutschland haben.«
Diesen Satz sollten wir ernst nehmen. Denn Hamas, Hisbollah, die Muslimbrüder – ihre islamistische Ideologie verachtet unsere Art zu leben. Unsere Freude am Leben. Unsere Freiheit. Unsere Demokratie. In Israel wie in Deutschland.
Deshalb geht unser Kampf weiter. Gegen Terror. Gegen Antisemitismus. Gegen islamistische Propaganda. Gegen Rechts- und Linksextremismus. Wir müssen laut werden, auch wenn es unbequem ist.
Wenn Terrorismus verherrlicht wird. Wenn das Massaker vom 7. Oktober relativiert wird. Wenn antisemitische und israelfeindliche Haltungen in demokratischen Parteien geduldet werden. Politischer Erfolg verpflichtet. Wer Verantwortung übernehmen will – ob links oder rechts –, muss Antisemitismus und Israelhass auch im eigenen Umfeld aktiv bekämpfen. Ohne Ausreden. Ohne doppelten Maßstab.
Zu den vernünftigen, demokratischen Menschen dieses Landes sagen wir deshalb: Ihr seid die Mehrheit. Aber eine schweigende Mehrheit reicht nicht mehr. Wir brauchen eine laute Mehrheit, eine hörbare Mitte. Eine Mitte, die widerspricht. Die informiert. Die Haltung und Zivilcourage zeigt. Denn Terror beginnt nicht erst mit einer Bombe oder einem Gewehr. Er beginnt mit einer Ideologie. Mit Propaganda. Mit der Entmenschlichung. Und mit dem Schweigen derjenigen, die es eigentlich besser wissen.
Deshalb stehen wir heute hier. Wir erinnern. Aber wir erinnern nicht schweigend. Wir stehen an der Seite der Überlebenden und der Angehörigen. Und wir verteidigen gemeinsam die Freiheit, für die Israel jeden Tag kämpft – und die auch hier in Deutschland verteidigt werden muss.
Nie vergessen.
Niemals schweigen.