Fridays for Future

»Wir distanzieren uns von diesem Tweet«

Luisa Neubauer auf einer Demonstration von Fridays for Future Foto: picture alliance/dpa

Immer wieder steht der Twitter-Account von Fridays for Future (FFF) international wegen israelfeindlicher und antisemitischer Beiträge in der Kritik. Auch ein Tweet, den die Gruppe am Montag absetzte, sorgte für eine Kontroverse. Darin wird dem jüdischen Staat »Neokolonialismus und Apartheid« vorgeworfen. Die FFF-Bewegung stehe »geschlossen an der Seite der Palästinenser und des palästinensischen Widerstandes«. Der Tweet endet mit dem Aufruf »Yallah Intifada!«.

Distanzierung Doch offenbar sind mit diesen Aussagen nicht alle FFF-Aktivisten einverstanden. »Der Account spricht nicht für FFF Deutschland«, erklärte eine Sprecherin der deutschen Klimagruppe auf Anfrage dieser Zeitung. »Daher distanzieren wir uns entschieden von diesem Tweet.« Der internationale Twitter-Account werde nicht von FFF Deutschland betreut und die Inhalte würden nicht vorab abgestimmt.

»Antisemitische Äußerungen akzeptieren wir nicht.«

sprecherin von fff deutschland

Die Sprecherin verwies zudem darauf, dass sich FFF Deutschland »seit jeher klar gegen jede Form der Diskriminierung, einschließlich und nachdrücklich gegen jede Form von Antisemitismus« ausspreche. So habe man etwa die Antisemitismus-Definition der International Holocaust Remembrance Alliance übernommen und erarbeite aktuell eine Bildungskampagne gegen Judenhass. Die Devise sei: »Antisemitische Äußerungen akzeptieren wir nicht und werden diese auch immer wieder thematisieren und aufarbeiten.«

Mit Blick auf den Nahostkonflikt erklärte die Sprecherin zudem, FFF Deutschland erachte es »als wichtig, keine verkürzten Darstellungen zu verbreiten« und weise »explizit darauf hin, dass wir als Jugend- und Klimabewegung der Debatte nicht gerecht werden können«. Bereits im Mai 2021 hatte sich der deutsche Ableger der FFF-Bewegung von einem Tweet der internationalen Sektion distanziert, indem diese Israel »Militarismus und Kolonialismus« vorwarf und sich positiv auf einen palästinensischen Terroristen bezog.

Spaltung Der Antisemitismus- und Extremismusexperte Nicholas Potter hält die Positionierung von FFF Deutschland bei diesem Thema für glaubwürdig. Die Gruppe habe sich »konsequent gegen Antisemitismus gestellt«, sagte der Mitarbeiter der Amadeu Antonio Stiftung im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeine. »Dafür verdienen sie Lob.« Der Tweet von FFF international zeige, dass eine Spaltung durch die Bewegung gehe. In diesem ist von »rassistischen Heuchlern« in den eigenen Reihen die Rede, womit der deutsche Ableger von FFF gemeint sein dürfte. »FFF Deutschland wird immer wieder für seine antisemitismuskritische Haltung angegriffen«, so Potter.

»Aber auch wenn es die meisten FFF-Aktivisten in Deutschland ernst meinen mit dem Kampf gegen Antisemitismus, gibt es Ausnahmen«, glaubt Potter, der die Klimabewegung seit langem beobachtet. Einzelne Ortsgruppen, etwa in Bremen, würden öfter mit israelfeindlichen Aktionen oder Aussagen auffallen. Damit stünden sie international gesehen eher im Zentrum als am Rand der Klimabewegung. In dieser, so die Analyse Potters, gebe es »immer mehr einen antizionistischen Grundtenor«.

»Eine Klimabewegung, die zur Intifada aufruft, ist äußerst problematisch.«

Nicholas potter, antisemitismus-experte

Diese Haltung komme auch in dem Tweet von FFF international zum Ausdruck. »Begriffe wie Apartheid und Neokolonialismus sind typische Israel-dämonisierende Buzzwords«, so Potter. Das Bekenntnis zum palästinensischen Widerstand sei zudem so schwammig formuliert, dass sie auch die »Unterstützung von Gewalt gegen Zivilisten und Terroranschlägen« umfassen könnte. Der Ausruf »Yallah Intifada!« bestärke diese Vermutung. In zwei sogenannten Intifadas, Arabisch für »sich erheben«, wurden hunderte israelische Zivilisten von palästinensischen Terroristen ermordet. Der Begriff ist laut Potter »eindeutig mit diesen Aufständen verbunden«. Sein Fazit: »Eine Klimabewegung, die zur Intifada aufruft, ist äußerst problematisch.«

Meinung

AfD als Sicherheitsrisiko

Es ist die Pflicht jedes Einzelnen, unsere Verfassung zu verteidigen und ein Überprüfungsverfahren anzustrengen. Verbieten kann nur unser freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat

von Roderich Kiesewetter  13.08.2026

Meinung

Brennende Moscheen: Moralische Klarheit bei Siedlergewalt

Die Stimme gegen Gewalt, die im Namen des jüdischen Volkes ausgeübt wird, muss ebenso klar und deutlich vernehmbar sein wie gegen die Gewalt, die sich gegen uns richtet

von Rabbiner Pinchas Goldschmidt  13.08.2026

Los Angeles

Nick Reiner wegen Mordes an seinen Eltern angeklagt

Das Motiv für die Ermordung des bekannten Hollywood-Regisseurs Rob Reiner und dessen Frau Michele bleibt unklar. Welche Strafe kommt bei einer Verurteilung infrage?

 13.08.2026

Washington D.C.

Medien: CIA zweifelte an iranischer Bedrohung für Trump

Trump wechselt auf dem Heimweg vom Nato-Gipfel versteckt in einem Catering-Container den Flieger. Der einem Politthriller gleichende Vorgang schlägt international Wellen. Nun gibt es neue Informationen

 13.08.2026

Nahost

Geplante Gebühr für Straße von Hormus: Iran verweist auf Umweltschäden

Für den Iran ein Muss, für die USA ein rotes Tuch: Das Mullah-regime will für die Passage der Straße von Hormus künftig eine Gebühr erheben. Zur Begründung führt es auch Umweltschäden an

 13.08.2026

Rom

»Jagd auf Juden«: Jüdische Organisationen verurteilen Doppel-Angriff auf Tourist mit Kippa

Einer von mehreren mutmaßlichen Tätern ist gefasst. Jüdische Organisationen in Italien zeigen Solidarität mit dem Opfer

 13.08.2026

Offener Brief

Lieber Heinz Rudolf Kunze, ...

Malca Goldstein-Wolf schreibt dem Sänger Heinz Rudolf Kunze einen Offenen Brief, denn was sie von ihm im Fernsehen hörte, machte sie fassungslos

von Malca Goldstein-Wolf  12.08.2026

Die iranische Atomanlage Fordo vor den amerikanischen Angriffen

Iranisches Atomprogramm

Fordo: Der Mossad war da

Yossi Cohen leitete den israelischen Auslandsgeheimdienst von 2015 bis 2021. Unter seiner Ära hätten israelische Spione die iranische Atomanlage Fordo mehrmals in Augenschein genommen

 12.08.2026

Meinung

Warum die Begründung des OLG Zweibrücken nicht überzeugt

Der Beschluss des Pfälzischen Oberlandesgerichts zur Gleichsetzung von Davidstern und Hakenkreuz zeigt, wie die bestehende Dogmatik angesichts des Anstiegs des Antisemitismus in der Gesellschaft an Grenzen stößt

 12.08.2026