Interview

»Wir brauchen mehr Cowboys«

Kinky Friedman Foto: Eric Gay

Herr Friedman, was ist ein jüdischer Cowboy, beziehungsweise zunächst einmal: Was ist überhaupt ein Cowboy?
Ihr Europäer habt Bush verurteilt und gesagt: Oh, er ist ein Cowboy. Wisst ihr, was ich sage? Wir bräuchten einen Cowboy in Syrien im Moment – besser: Wir hätten einen gebraucht! Jetzt ist es zu spät. Wäre Obama gleich von Anfang an härter mit Assad umgesprungen, so, wie es Reagan getan hätte oder John F. Kennedy, wären wir wahrscheinlich nicht dort, wo wir jetzt sind. Derzeit sieht es danach aus, dass Millionen Menschen tot sein werden. Und wir haben die Wahl zwischen Assad und Al Qaida. Zu viel Diplomatie und ähnlicher Mist endet in dem, was jetzt in Syrien passiert. Erzähl mal den Syrern, dass du kein Cowboy sein möchtest.

Und was ist ein jüdischer Cowboy?
Ein jüdischer Cowboy ist eine Art Bastard, der in zwei Kulturen lebt. Juden sind in Texas keine wirklichen »Big Players«. Doch für mich war das nie ein Gegensatz. Ich würde mich der Cowboykultur zuordnen. Aber eine bessere Frage als die, was ein jüdischer Cowboy ist, wäre, was ein jüdischer Deutscher ist. Die deutschen Juden sind sehr deutsch, das war und ist das ganze Problem. Wenn sie doch wirklich, wie Hitler glaubte, diese fremden, gefährlichen Figuren vom Mars gewesen wären.

Art Spiegelman zeichnet in seinen Comics die Juden als Mäuse, die von Katzen verfolgt werden. In Ihren Romanen vergleichen Sie Juden mit Katzen. Warum?
Juden wären sehr gute Katzen. Sie kommen oft in Schwierigkeiten, aber sie haben sieben Leben, wie Katzen. Und Juden sind Außenseiter. Es ist nicht schlimm, zu den Außenseitern zu gehören. Es gibt Schlimmeres, als allein zu sein, das ist irgendwie cool, wenn man damit umgehen kann. Darum geht es in meinem Lied »They Ain’t Makin’ Jews Like Jesus Anymore«: um jemanden, der sich gegen einen Tyrannen erhebt.

In Ihrem neuesten Buch schreiben Sie über das schwierige Dasein von Menschen mittleren Alters: Sie leben wie Fußballspieler vor der Verlängerung, sie hoffen noch, aber sie wissen, dass der größte Teil des Spiels vorbei ist. Wie geht es Ihnen selbst?
Ich versuche, einen Weg zu finden, aber ich bin, oh Gott, beschissene 68. Das ist der Grund, warum ich mich die meiste Zeit mit noch Älteren umgebe, wie Willie Nelson, Bob Dylan und Kris Kristofferson.

2006 haben Sie für das Amt des Gouverneurs von Texas kandidiert. Haben Sie immer noch politische Ambitionen?
Ja, ich werde mich als Demokrat noch einmal um den Posten des Gouverneurs bewerben, sobald diese Tour um ist. Mit der Legalisierung von Marihuana und des Glücksspiels, was meine beiden wichtigsten politischen Programmpunkte sind, werden Träume wahr werden, wie der, die Steuern für alle zu senken und das Bildungssystem zu stärken. Dann wird Texas den Weg Amerikas vorzeichnen. Und der Cowboy wird zurück sein.

Mit dem amerikanischen Countrysänger und Krimiautor sprachen Peter Waldmann und Charlotte Nell.

Bayern

»Antisemitismus ohne mich«: Parteiübergreifende Kampagne

Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Ministerpräsident Markus Söder sowie die Landtagsabgeordneten von CSU, Grünen, Freien Wählern und SPD nehmen Teil

 07.05.2026

Sachsen-Anhalt

Umfrage zur Landtagswahl: Rechtsextreme AfD stärkste Kraft

Die selbsternannte »Alternative« baut ihren Vorsprung zur CDU vor der Landtagswahl aus. Das zeigt eine Umfrage von Infratest dimap. BSW, Grüne und FDP wären nicht im mehr Landtag

 07.05.2026

Berlin

Gericht stoppt geplante Abschiebung israelfeindlicher Aktivistin aus Irland

Im Oktober 2024 dringen 20 Aktivisten in das Präsidium der Hochschule ein, beschädigten Büros und verletzten mindestens einen Mitarbeiter. Die Irin soll dabei gewesen sein

 07.05.2026

Meinung

Die Angst, als Jude erkannt zu werden

Der Lagebericht des Zentralrats offenbart, wie unsicher sich Juden in Deutschland fühlen. Eine Gemeindevorsitzende beschreibt, was das für den Alltag der jüdischen Gemeinschaft bedeutet

von Jeanne Bakal  07.05.2026

USA

Gericht veröffentlicht mutmaßlichen Abschiedsbrief von Jeffrey Epstein

»Es ist ein Privileg, den Zeitpunkt des Abschieds selbst wählen zu können«, steht auf der Notiz. Aber stammt sie wirklich von ihm?

 07.05.2026

Newcastle

Antisemitismus-Vorwürfe: Britische Grüne ziehen Unterstützung für Kandidaten zurück

Zwei weiteren Kandidaten hat die Green Party Unterstützung entzogen. Der Hintergrund: Judenhass in sozialen Medien

 07.05.2026

Nahost

Trump stoppte Hormus-Operation nach Ärger mit Saudi-Arabien

Riad soll den amerikanischen Streitkräften zeitweise die Nutzung wichtiger Militärbasen und des saudischen Luftraums verboten haben. Laut Berichten brachte das den Präsidenten zu seinem plötzlichen Rückzieher

 07.05.2026

Jubiläum

Starke Stimme

Vor 80 Jahren erschien die erste Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen. Mehr denn je braucht es eine präsente und selbstbewusste jüdische Zeitung in Deutschland

von Philipp Peyman Engel  07.05.2026

Meinung

Liebe Politiker, habt ihr nur warme Worte im Angebot?

Das CDU-Präsidium hat einen Beschluss zum Schutz jüdischen Lebens gefasst. Er ist gut gemeint, aber nicht wirklich überzeugend

von Michael Thaidigsmann  06.05.2026