Meinung

Wie die AfD eine Chance nicht nutzte

Juri Goldstein Foto: PR

Die politische Landschaft Deutschlands erlebt in dieser Zeit eine gravierende Veränderung. Mit zweistelligen Prozentwerten zieht die Alternative für Deutschland (AfD) in etliche Landes- und Kommunalparlamente ein. Mit ihrem provokanten Auftreten polarisiert die Partei nicht nur die deutsche Gesellschaft, sondern sie hat sogar Einfluss auf die Meinungsbildung in den jüdischen Gemeinden. Als stellvertretender Vorsitzender der Thüringer Landesgemeinde werde ich oft mit Fragen unserer Mitglieder zum Verhältnis zur AfD konfrontiert. Dabei fällt es mir, ehrlich zugegeben, nicht immer leicht, eine passende Antwort zu formulieren.

dresden Eine dieser Fragen ist, welche Haltung die AfD zur jüngeren deutschen Geschichte einnimmt, besonders zur Schoa. Vor einigen Wochen setzte in einem Facebook-Post ein Mitglied des AfD-Landesvorstandes die Opfer der Bombardierung Dresdens im April 1945 mit den Opfern der Schoa gleich. In einem offenen Brief an den parlamentarischen Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag versuchte ich, Antworten auf meine Fragen zu finden. Das hätte die AfD durchaus als Chance begreifen können, sich endlich in demokratisch vertretbarer Weise positionieren zu können. Doch die Antwort begann so: »Es freut mich, dass Sie sich als Bürger jüdischen Glaubens in Thüringen wohlfühlen. Das soll natürlich auch so bleiben.«

Ich würde mich gerne weiter in Thüringen wohlfühlen, doch auf keine meiner Fragen gab man mir eine klare Antwort. Im Gegenteil: Man tat meine Anfrage als eine persönliche Befindlichkeit gegenüber Mitgliedern des AfD-Landesvorstandes ab. Zudem bezog man sich auf belanglose und für mich vollkommen irrelevante Sachverhalte, etwa, welche Einstellung die Partei zum Tierschutz und zu den Protesten der Femen-Gruppe hat.

wähler Keine Antwort also. Das Verhältnis der AfD zur deutschen Vergangenheit scheint schwierig zu sein – und zu bleiben. Offenbar ist die Partei mehr an den Wählerstimmen aus dem extrem rechten Spektrum interessiert, als daran, Vorurteile und Urteile über sie aus dem Weg zu räumen.

Ich habe meinen offenen Brief als Einladung verstanden, sich endlich demokratisch zu positionieren. Die AfD-Führung leider nicht.

Der Autor ist Rechtsanwalt, stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen und Mitglied der CDU.

Parteien

Was Markus Söder der CDU nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt rät

 07.09.2026

Osnabrück

VW-Werk an israelischen Konzern Rafael verkauft

In der Fabrik, in der bisher das VW T-Roc Cabrio hergestellt wurde, ist die Produktion eines Flugabwehrsystems vorgesehen

 07.09.2026

Wahl in Sachsen-Anhalt

»Gruselig«, »düster«, »Entsetzen«

In der jüdischen Community sowohl in Sachsen-Anhalt als auch darüber hinaus ist die Sorge nach dem AfD-Wahlsieg groß. Wir haben Reaktionen gesammelt

von Michael Thaidigsmann  07.09.2026

KiKA, Kinderkanal, öffentlich-rechtlicher Fernsehkanal von ARD und ZDF (Symbolbild)

Berlin

AfD-Politiker im »KiKa«

Das Internationale Auschwitz-Komitee übt heftige Kritik am Kinderkanal von ARD und ZDF. Der Fernsender hatte den sachsen-anhaltinischen AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund für seine Kindernachrichten interviewen lassen

 07.09.2026

Wahlkampf

Nach »Yalla Yalla Intifada«: Neuer Skandal um Die Linke in Berlin-Neukölln

Sticker mit einem waffenverherrlichenden Motiv und einer Palästina-Flagge wurden an Schüler verteilt

 07.09.2026

Internationale Reaktionen

Tusk: Nur Idioten erfreut über AfD-Triumph

Der Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird auch in den deutschen Nachbarländern Polen und Tschechien aufmerksam beobachtet. Erste Politiker reagieren auf den AfD-Erfolg

 07.09.2026

Nahost

Iran soll Angriff mehrerer Terrorgruppen auf Israel planen

Nach israelischen Einschätzungen könnte das Mullah-Regime einen gleichzeitigen Einsatz an mehreren Fronten vorbereiten – mit Beteiligung der Hisbollah, der Hamas und der Huthi

 07.09.2026

Internationale Presseschau

»Was in Sachsen-Anhalt seinen Höhepunkt erreicht hat, wird nicht in Sachsen-Anhalt enden«

Was schreiben Publikationen im In- und Ausland über das Ergebnis der gestrigen Landtagswahl?

 07.09.2026

Washington D.C.

»Gut gemacht!«: Elon Musk gratuliert AfD zu Wahltriumph

Der Milliardär und Tech-Unternehmer ist seit langem als AfD-Sympathisant bekannt. Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt verzückt ihn. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund macht ihm sogleich ein Angebot

 07.09.2026