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Jüdischer Wahlkämpfer

»Wer nicht kämpft, hat schon verloren«

David Rosenberg (links) mit SPD-Spitzenkandidat Alexander Schweitzer (SPD)


Herr Rosenberg, Sie haben die letzten Wochen für die SPD in Rheinland-Pfalz Wahlkampf betrieben. Wie haben Sie den Wahlabend erlebt?

Ich war letzten Sonntag in Mainz, in den Räumen der Fraktion, zusammen mit einem Freund. Wir sind mit der Erwartung hingefahren, dass wir etwas zu feiern haben. Die ersten inoffiziellen Zahlen sahen auch gar nicht schlecht aus – mal lagen wir vorne, mal knapp dahinter. Kurz vor 18 Uhr war die Stimmung extrem angespannt. Ein stickiger Raum, alle nervös. Und dann kam das Ergebnis – und es wurde still. Fassungslosigkeit. Gleichzeitig hörten wir die Jubelschreie aus der CDU-Fraktion und kurz darauf auch die von der AfD; beide hatten sich ebenfalls im gleichen Gebäude beim Landtag versammelt.

In Rheinland-Pfalz hat die AfD ihr bisher bestes Ergebnis in einem westdeutschen Bundesland erzielt. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?
Wir haben hier einige strukturschwache Regionen – etwa Pirmasens oder Teile von Kaiserslautern. Dort hat der Strukturwandel tiefe Spuren hinterlassen. Große Hoffnungen, etwa auf neue Industrieprojekte und Arbeitsplätze, haben sich nicht erfüllt. Wenn solche Perspektiven wegbrechen, wächst die Enttäuschung. Aber selbst in wohlhabenderen Regionen haben viele das Gefühl, sich das tägliche Leben kaum noch leisten zu können. Wenn Benzinpreise über die Zwei-Euro-Marke steigen und der Wocheneinkauf immer teurer wird, entsteht Frust. Die AfD nutzt das, indem sie einfache Lösungen für komplexe Probleme anbietet – und das verfängt. Gleichzeitig beobachte ich, wie fremdenfeindliche Bilder – verstärkt durch soziale Medien wie Instagram oder TikTok – weiter verfestigt werden. Auch damit gewinnt die AfD.

»Viele junge Jüdinnen und Juden fragen sich: Wo gehöre ich politisch eigentlich hin?«

Bei den jungen Wählern liegt die Partei sogar vorne. Sie haben in Rheinland-Pfalz den jüdischen Studierendenverband mitgegründet. Wie wird dieses Ergebnis von jungen Juden im Bundesland aufgenommen?
Viele schreckt die starke Polarisierung ab. Auch die Linke ist bei den Jungen stark. Beide Parteien vertreten auf ihre Weise antisemitische Positionen. Viele junge Jüdinnen und Juden fragen sich deshalb: Wo gehöre ich eigentlich hin? Wer vertritt mich hier noch politisch, wenn meine Generation mal die politischen Hebel in der Hand hat? Diese Unsicherheit führt dazu, dass einige ernsthaft darüber nachdenken, Deutschland zu verlassen – etwa Richtung Israel. Junge Juden in Deutschland ziehen sich eher aus dem politischen Raum zurück, statt sich aktiv einzubringen.

Sie nicht. Sie haben Ihre letzten Wochen der Landtagswahl gewidmet.
Es war ein sehr intensiver Wahlkampf und extrem dynamisch. Man musste ständig aufmerksam sein: Was macht die Gegenseite? Welche Themen kommen auf? Ständig war etwas los. Morgens bin ich joggen gegangen, um den Kopf frei zu bekommen. Unsere Chancen waren zwar nicht blendend, aber die SPD hatte in den letzten Umfragen aufgeholt. Mein Motto: Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

»Ich will mich nicht auf die Konservativen verlassen, wenn es um die Brandmauer geht.«

Was hat Sie motiviert?
Ich habe eng mit unserem Kandidaten Alexander Schweitzer gearbeitet. Er ist für mich ein echtes Vorbild – ein sehr bodenständiger Mensch. Von ihm habe ich auch viel über Fairness gelernt. Ihm sind die Bürger wichtig und keine Ideologie. Diese Haltung hat mich motiviert. Trotz der Niederlage hat er direkt von einem Comeback der demokratischen Parteien gesprochen. Dieser Kampfgeist hat mich tief beeindruckt. Für mich hat er eine größere Bedeutung: Wir können uns nicht damit beruhigen, dass die CDU gerade noch ein paar Punkte vor der AfD liegt. Und ich will mich auch nicht auf die Konservativen verlassen, wenn es um die Brandmauer geht. Das ist historisch schon einmal schiefgegangen. Ich glaube, die Sozialdemokratie ist in der Parteienlandschaft essentiell, und ich sehe in ihr auch viele Werte, die das Judentum ausmachen.

Wie geht es für Sie politisch weiter?
Ich fühle mich in Rheinland-Pfalz zu Hause, besonders in meiner Region. Mein Vater ist Rom, meine Mutter jüdisch – ich bin mit Vorurteilen konfrontiert, aber hier ist meine Heimat. Ich möchte für das, was hier über Generationen aufgebaut wurde, die Demokratie, zu der immer auch starke und geschützte Minderheiten gehören, weiterkämpfen. Natürlich bin ich nach diesem Wahlergebnis erst einmal ernüchtert. Aber ich bin überzeugt, dass demokratische Parteien wieder stärker werden können – wenn sie es schaffen, die Menschen zurückzugewinnen, die sich aktuell abgewendet haben. Gerade die klassische Arbeiterschaft fühlt sich vielerorts nicht mehr vertreten. Wenn wir das ändern, gibt es eine Chance. Ich will nicht aufgeben.

Mit dem SPD-Politiker sprach Mascha Malburg.

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