Meinung

Wenn Sangría das Hirn vernebelt

Auch dieses Jahr werden in den Tagen um Ostern wieder etliche Spanier in die Kneipe gehen und »Juden töten«. Sie meinen damit, dass sie eine Sangría trinken. Die Redewendung stammt aus dem Mittelalter, als sich christliche Männer nach einem österlichen Judenpogrom mit dem Wein-Zitrus-Getränk erfrischten. Man möchte meinen, das sei lange her.

Doch bis heute haben sich in Spanien zahlreiche antisemitische Osterbräuche erhalten. Viele weisen auf die Schuld »der Juden« am Tod Jesu hin und sind im Volk sehr beliebt. Und was macht die Kirche? Sie schweigt.

Mittelalter Dabei wäre es ihre Pflicht, aufzuklären und den bösen Geist des Antisemitismus, den sie einst aus der Flasche ließ, endlich einzufangen. Seit Jahrhunderten ist Spanien ein katholisches Land, der Klerus hat Einfluss auf die Menschen. Eine kirchliche Aufklärungskampagne könnte viel bewirken und Antisemitismus bekämpfen, der selbst in Gegenden, wo seit dem Mittelalter keine Juden mehr leben, virulent ist.

Der Papst täte gut daran, jedem spanischen Dorfpfarrer sein jüngstes Buch eigenhändig um die Ohren zu hauen. In dem vor wenigen Wochen auf den Markt gebrachten zweiten Teil seiner Jesusbiografie betont Benedikt, dass das jüdische Volk für den Tod Jesu nicht verantwortlich sei. Damit die Botschaft überall Gehör findet, braucht es eine klare Stellungnahme des Oberhirten. Am besten vor aller Welt, am Sonntag auf dem Petersplatz. Ein Satz genügt: »Schluss mit den alten Zöpfen!«

Tel Aviv

Ehemaliger Obama-Stabschef fordert Neuausrichtung der Beziehungen zu Israel

Der jüdische Demokrat Rahm Emanuel sagt, der Umgang zwischen beiden Staaten müsse sich ändern. Dann könne auch ein pro-israelischer Kandidat ins Weiße Haus einziehen. Kritik an Benjamin Netanjahu übt er ebenfalls

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Nach acht Jahren Debatte hat das irische Unterhaus ein Importverbot für Produkte gebilligt, die in israelischen Siedlungen im Westjordanland hergestellt werden

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Genf

Bericht: UNESCO ehrte tote Terroristen als »Journalisten« – und korrigierte sich nie

Die UN-Unterorganisation soll die Fakten nie richtiggestellt haben, obwohl die Hamas und die Gruppe Islamischer Dschihad die Mitgliedschaften teils selbst öffentlich gemacht hatten

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Nahost

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Das Hotel Decumani Hotel De Charme verschickt E-Mails, in der es heißt, es unterstütze die Kampagne ›No Room for Genocide‹ der antisemitischen BDS-Kampagne

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Krieg

Trump kündigt weitere Angriffe auf Iran an

In der Nacht zum Mittwoch hat das US-Militär Ziele im Iran bombardiert. Nach Aussage von US-Präsident Trump könnten weitere Angriffe folgen

 08.07.2026

Einspruch

Die Hitze spüren

Mascha Malburg empfindet die jüngsten Temperaturrekorde als Mahnung, die Schöpfung zu bewahren

von Mascha Malburg  08.07.2026

Meinung

Das Wiener Lueger-Denkmal muss weg!

Die Performance des jüdischen Künstlers Alon Ishay hat eine neue Debatte über den Umgang der österreichischen Hauptstadt mit ihrer antisemitischen Geschichte angestoßen

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