UN-Menschenrechtsrat

Washington plant, als Beobachter zurückzukehren

Der in Genf ansässige Rat der Vereinten Nationen ist seit langem umstritten. Foto: imago images/photothek

Die Regierung von US-Präsident Joe Biden hat am Montag die Rückkehr der Vereinigten Staaten in den wegen zahlreicher Anti-Israel-Resolutionen umstrittenen Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen angekündigt.

AUßENPOLITIK Der »wirksame Einsatz multilateraler Instrumente« sei ein wichtiges Element einer Außenpolitik, die der Demokratie, den Menschenrechten und der Gleichheit verpflichtet sei. Der Präsident habe das State Department daher angewiesen, »sich unverzüglich und energisch wieder mit dem UN-Menschenrechtsrat zu befassen«, hieß es in einem am Montag veröffentlichten Statement des Außenministers, Antony Blinken.

»Wir erkennen an, dass der Menschenrechtsrat ein mit Makeln behaftetes Gremium ist, das in Bezug auf seine Agenda, seine Mitgliedschaft und seinen Fokus reformbedürftig ist, einschließlich seines übergroßen Schwerpunkts auf Israel«, so Blinken weiter. Der Rückzug der Trump-Administration im Juni 2018 habe jedoch nicht dazu beigetragen, in dieser Hinsicht positive Veränderungen anzustoßen. Stattdessen hätten »Länder mit autoritären Agenden« die Abwesenheit Amerikas »zu ihrem eigenen Vorteil ausgenutzt.«

FÜHRUNGSROLLE Der 2006 gegründete Menschenrechtsrat mit Sitz in Genf könne, glaubt Blinken, ein Schlaglicht auf jene Länder werfen, die eine schlechte Menschenrechtsbilanz aufwiesen, und er könne zudem als Forum dienen für jene, die sich gegen Ungerechtigkeit und Tyrannei in der Welt einsetzten. »Um die Unzulänglichkeiten des Rates zu beheben und sicherzustellen, dass er seinem Mandat gerecht wird, müssen die Vereinigten Staaten mit dem vollen Gewicht ihrer diplomatischen Führungsrolle am Tisch sitzen«, so der Außenminister in seiner Erklärung.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Man werde sich zunächst im Rat als Beobachter engagieren, sich dort zu Wort melden und mit anderen Ländern zusammenarbeiten, um Resolutionen einzubringen. Die Erklärung endete mit den Worten: »Wir sind der festen Überzeugung, dass eine positive Veränderung in Reichweite ist, wenn die Vereinigten Staaten konstruktiv mit dem Rat zusammenarbeiten, in Abstimmung mit unseren Verbündeten und Freunden.«

KEHRTWENDE Als die USA 2018 den Menschenrechtsrat verließen, nannte die damalige US-Botschafterin bei der UNO, Nikki Haley, ihn eine »Jauchegrube der politischen Voreingenommenheit« und ein »heuchlerisches« Gremium, das »eine nicht enden wollende Feindseligkeit gegenüber Israel« aufweise.

Gleich in den ersten Tagen seiner Amtszeit hatte Joe Biden eine Kehrtwende in der Außenpolitik angekündigt. Auch in die ebenfalls in Genf angesiedelte Weltgesundheitsorganisation, aus der die USA unter Trump im vergangenen Jahr ausgetreten waren, ist Washington mittlerweile zurückgekehrt.

Der Menschenrechtsrat hat in den knapp 15 Jahren seines Bestehens laut der Nichtregierungsorganisation UN Watch den Staat Israel bereits 90 Mal verurteilt, alle anderen Länder zusammengenommen wurden weniger häufig gerügt. Zudem besteht der Rat aktuell mehrheitlich aus Mitgliedsstaaten, die nicht demokratisch sind und häufig zu den großen Menschenrechtsverletzern gehören. mth

Teheran

Iran richtet Mann wegen angeblicher Israel-Spionage hin

Die iranische Justiz hat ein weiteres Todesurteil vollstreckt. Menschenrechtler werfen den Behörden vor, die Todesstrafe zur Unterdrückung von Kritik einzusetzen

 16.08.2026

Berlin

Prien: Differenzierte Haltung zu Israel kann ein Wagnis sein

Der Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat Gräben in der Gesellschaft verdeutlicht - und teils auch vertieft. Wer dagegen differenziert argumentiere, habe es oft nicht leicht, sagt Ministerin Prien

 16.08.2026

Magdeburg

Will AfD-Spitzenkandidat Siegmund den Verfassungsschutz abschaffen?

AfD-Spitzenkandidat Siegmund will nach der Landtagswahl die Zukunft des Verfassungsschutzes in Sachsen-Anhalt prüfen lassen. Diese Optionen fasst er ins Auge

 16.08.2026

Washington/Teheran

Frist verstreicht: Iran-Krieg vor ungewisser Zukunft

Während US-Präsident Trump mit einer Übernahme der Straße von Hormus kokettiert, gehen die Angriffe auf zivile Schiffe weiter. Dabei sollte in diesen Tagen ein finales Abkommen stehen

 16.08.2026

Essay

Politische und moralische Bankrotterklärung

Die Literaturkritikerin Maha El Hissy hat kein Problem damit, die populärste antisemitische Ritualmordlegende unserer Gegenwart zu verbreiten. Trotzdem wurde sie in die Jury des renommierten Deutschen Buchpreises berufen

von Daniel Neumann  15.08.2026

Dresden/Königstein

Mutmaßliche Kämpfer des Islamischen Staates festgenommen

Zwei Männer sollen als Kämpfer für den IS aktiv gewesen sein und dafür Geld erhalten haben. Nun sitzen die beiden Iraker in Sachsen in Untersuchungshaft

 14.08.2026

Deutschland

Anti-Israel-Aktivisten krachen in Hafenmauer

Ein Kleinschiff mit »pro-palästinensischen« Seefahrern will im Herbst die Gaza-Küste erreichen. Zwischen ihnen und dem Ziel liegen 3000 Kilometer Luftlinie – und eine wachsende Anzahl an Problemen

von Imanuel Marcus  14.08.2026

Erfurt/Berlin

BSW-Spitze fordert Voigts Rücktritt – und Ende der Koalition

Das Bündnis Sahra Wagenknecht regiert in Thüringen mit CDU und SPD – zum Missfallen der Parteizentrale. Schluss damit, verlangt ein Vorstandsbeschluss

 14.08.2026

Iran-Krieg

Vance: Kriegsziel Nummer Eins besteht darin, Öl und Gas für Amerikaner billig zu halten

Der amerikanische Vizepräsident sagt, die Verhinderung einer iranischen Atomwaffe stehe an zweiter Stelle. Derweil schickt das Pentagon einen neuen Flugzeugträger in die Region

 14.08.2026