Meinung

Wartebank statt Werkbank

Ausnahmsweise sollten wir Thilo Sarrazin wirklich dankbar sein. Ohne ihn wären die Verantwortlichen vielleicht immer noch nicht auf die Idee gekommen, dass in unseren »Parallelgesellschaften« menschliche Schätze schlummern. Zum Beispiel die russischsprachigen Juden aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Seit 1990 konnten sie als jüdische Kontingentflüchtlinge nach Deutschland einwandern. Sie kamen als Ärzte, Ingenieure, Krankenschwestern und Lehrer. Und wir haben sie auf die Wartebank abgeschoben. Sie sollten erst einmal Deutsch lernen und Prüfungen nach hiesigen Kriterien ablegen. Anstatt die Neuen in Kliniken, Bau- und Entwicklungsbüros zu setzen, degradierte man sie zu Sozialhilfeempfängern. Doch ganz plötzlich werden in Deutschland Fachkräfte gebraucht. Also soll flugs möglich werden, was bislang angeblich unmöglich war: die beschleunigte Anerkennung im Ausland abgelegter Prüfungen. Doch für viele Zuwanderer kommt dieser längst überfällige Schritt 15 Jahre zu spät. Denn heute helfen die einstigen Ärzte und Ingenieure im Kindergarten oder in der Gemeindebibliothek. Sie mussten ja von etwas leben. Und wurden dabei vergessen. Jetzt werden wir an dieses verschenkte Potenzial erinnert. Schade, dass es dazu eines Thilo Sarrazin bedarf.

Warschau

Absage an Antisemitismus: Polnische Bischöfe besuchen Synagogen

Vor 40 Jahren umarmte Papst Johannes Paul II. in Roms Hauptsynagoge den dortigen Oberrabbiner. In Polen erinnern nun Bischöfe an diesen Meilenstein in den katholisch-jüdischen Beziehungen. Es gibt aber auch Misstöne

von Oliver Hinz  14.04.2026

Jom Haschoa

»Die Bedrohung ist nicht mehr abstrakt«

Israelischer Botschafter Ron Prosor fordert bei einer Gedenkveranstaltung im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen entschlossenes Handeln und den Schutz jüdischen Lebens

 14.04.2026

Düsseldorf

Studentenparlament fordert Boykott israelischer Hochschulen

Der Antrag stammt aus dem Umfeld der antisemitischen BDS-Kampagne. Jüdische Studenten und andere Demokraten üben heftige Kritik an dem Entschluss

 14.04.2026

Rom

Italien setzt Verteidigungsvereinbarung mit Israel aus

Italien unter Ministerpräsidentin Meloni gilt als enger Verbündeter Israels. Nun setzt ihre Regierung eine Vereinbarung mit dem jüdischen Staat aus. Konkrete Auswirkungen hat dies aber wohl nicht

 14.04.2026

Rechtsextremismus und Antisemitismus

Hetze und KI-Fakes belasten Arbeit in Gedenkstätten

Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Axel Drecoll, beklagt eine besorgniserregende Entwicklung

 14.04.2026

Gedenkstätte KZ Ravensbrück

Hitlergruß im Krematorium: Schülerinnen sorgen für Entsetzen

Nach Angaben der Leitung ließen sich drei Mädchen dabei fotografieren

 14.04.2026

Washington D.C.

Trump löscht umstrittenes KI-Bild, das ihn als Jesus Christus zeigt

Die Abbildung rief scharfe Kritik hervor – auch aus dem konservativen Lager

 14.04.2026

Meinung

Wie die UN indirekt den Holocaust relativieren

Die kürzlich angenommene Resolution zur Aufarbeitung des transatlantischen Sklavenhandels ist ein Akt des geschichtspolitischen Revisionismus

von Jacques Abramowicz  14.04.2026

Meinung

Israel, Ungarn und die Abwahl Viktor Orbáns

Mit dem langjährigen Ministerpräsidenten hatte der jüdische Staat einen Verbündeten in der EU. Dennoch könnte dessen Abwahl eine Chance sein, das ungarisch-israelische Verhältnis auf eine nachhaltigere Grundlage zu stellen

von Domokos Szabó  14.04.2026