Brüssel

Verstärkte Maßnahmen zur Bekämpfung von Judenhass

Europaparlament in Brüssel Foto: Thinkstock

Das Europäische Parlament fordert verstärkte Maßnahmen zur Bekämpfung von Antisemitismus. Eine entsprechende Entschließung haben die Abgeordneten am Donnerstag angenommen.

Alle EU-Mitgliedstaaten sollten Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit ihrer jüdischen Bürger zu gewährleisten, heißt es. Die Parlamentarier fordern führende nationale Politiker auf, antisemitischen Aussagen systematisch und öffentlich entgegenzutreten, und drängen die Mitgliedstaaten dazu, jeweils einen nationalen Koordinator zur Bekämpfung von Antisemitismus zu ernennen.

Die Abgeordneten fordern darüber hinaus eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der Strafverfolgung, insbesondere im Fall von terroristischen Handlungen. Polizeibehörden sollten spezielle Einheiten für die Bekämpfung von Hassverbrechen einrichten. Um die Strafverfolgung effizienter zu machen, sollten alle Mitgliedstaaten die Antisemitismus-Definition der IHRA (Internationale Allianz für Holocaust-Gedenken) übernehmen.

Straftaten Zentralratspräsident Josef Schuster sagte: »Die Resolution des Europa-Parlaments ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den Antisemitismus. Die angenommene IHRA-Definition zeigt deutlich, wie viele Facetten Antisemitismus hat. Sie ist ein wichtiges Werkzeug zur Bekämpfung und Ahndung antisemitischer Straftaten.«

Schuster hoffe, »dass der Deutsche Bundestag dem Beispiel des Europäischen Parlaments folgen und noch in dieser Legislaturperiode die Antisemitismusdefinition annehmen wird. Antisemitismus ist nicht nur ein Problem der jüdischen Gemeinschaft – er geht die gesamte Gesellschaft an!« Deswegen betone er erneut, »wie wichtig ein Sonderbeauftragter für Antisemitismus für unsere Gesellschaft ist.«

Katastrophe Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, begrüßte den Beschluss: Es sei höchste Zeit, dass in ganz Europa eine konzertierte Anstrengung unternommen werde, um Judenhass zu bekämpfen. »Wenn Juden wegen des Antisemitismus gezwungen wären, Europa zu verlassen, wäre das für die Juden traurig, aber für Europa wäre es eine Katastrophe«, so Lauder.

Auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck begrüßte den Beschluss. Er forderte den Bundestag auf, dem Vorbild der EU zu folgen und zumindest die Annahme einer einheitlichen Antisemitismus-Definition und die fünf Hauptforderungen des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus noch in dieser Wahlperiode zu beschließen. Dazu gehört die Einrichtung eines Antisemitismusbeauftragten bei der Bundesregierung.

Schreiben Der Europäische Jüdische Kongress (EJC) hatte zuvor ein Schreiben an alle Abgeordneten des Europäischen Parlaments gesandt. Darin fordert er sie auf, bei ihrer Abstimmung die Antisemitismus-Definition der IHRA zu unterstützen. Das Schreiben wurde von EJC-Präsident Moshe Kantor und führenden Vertretern der jüdischen Gemeinden in den EU-Mitgliedstaaten unterzeichnet. Für die jüdischen Gemeinden in Deutschland unterschrieb Zentralratspräsident Josef Schuster. ja

Tel Aviv

Ehemaliger Obama-Stabschef fordert Neuausrichtung der Beziehungen zu Israel

Der jüdische Demokrat Rahm Emanuel sagt, der Umgang zwischen beiden Staaten müsse sich ändern. Dann könne auch ein pro-israelischer Kandidat ins Weiße Haus einziehen. Kritik an Benjamin Netanjahu übt er ebenfalls

 09.07.2026

Dublin

Irland beschließt Einfuhrstopp für Waren aus israelischen Siedlungen

Nach acht Jahren Debatte hat das irische Unterhaus ein Importverbot für Produkte gebilligt, die in israelischen Siedlungen im Westjordanland hergestellt werden

 09.07.2026

Genf

Bericht: UNESCO ehrte tote Terroristen als »Journalisten« – und korrigierte sich nie

Die UN-Unterorganisation soll die Fakten nie richtiggestellt haben, obwohl die Hamas und die Gruppe Islamischer Dschihad die Mitgliedschaften teils selbst öffentlich gemacht hatten

 09.07.2026

Nahost

USA weiten Angriffe auf Iran aus

US-Präsident Trump: »Das ist eigentlich kein Krieg.« Es gehe vielmehr um die »Entnuklearisierung des Iran«

 09.07.2026

Prozess

Mutmaßlicher Block-Entführer wollte wie James Bond sein

Er war Model und Fitnesstrainer, da erhielt er ein Angebot, von dem er sich geehrt fühlte: Er solle zwei Kinder der Familie Block retten, berichtet ein Zeuge. Seine Geschichte klingt wie ein Thriller

von Stephanie Lettgen  08.07.2026

Tel Aviv/Neapel

Israelische Touristin storniert Hotel in Italien nach BDS-Nachricht

Das Hotel Decumani Hotel De Charme verschickt E-Mails, in der es heißt, es unterstütze die Kampagne ›No Room for Genocide‹ der antisemitischen BDS-Kampagne

 08.07.2026

Krieg

Trump kündigt weitere Angriffe auf Iran an

In der Nacht zum Mittwoch hat das US-Militär Ziele im Iran bombardiert. Nach Aussage von US-Präsident Trump könnten weitere Angriffe folgen

 08.07.2026

Einspruch

Die Hitze spüren

Mascha Malburg empfindet die jüngsten Temperaturrekorde als Mahnung, die Schöpfung zu bewahren

von Mascha Malburg  08.07.2026

Meinung

Das Wiener Lueger-Denkmal muss weg!

Die Performance des jüdischen Künstlers Alon Ishay hat eine neue Debatte über den Umgang der österreichischen Hauptstadt mit ihrer antisemitischen Geschichte angestoßen

von Tobias Kühn  08.07.2026