Frankfurt am Main

Versammlungsbehörde verbietet israelfeindliche Demonstration

»Propalästinensische« Kundgebung am 12. Juli in Frankfurt am Main Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Eine in Frankfurt geplante israelfeindliche Demonstration ist verboten worden. Die Versammlungsbehörde im Ordnungsamt der Stadt untersagte die für Samstag angemeldete Demo als »potenziell antisemitische Versammlung«. 

Angemeldet wurde ein Demonstrationszug mit dem Titel »United4Gaza – Stoppt den Völkermord jetzt!« zwischen 15 und 21 Uhr. Nach Angaben der Anmelderin wollen bis zu 5.000 Menschen vom Hafenpark aus durch die Frankfurter Innenstadt ziehen. 

Nach dem Hessischen Versammlungsfreiheitsgesetz kann eine angemeldete Versammlung mit Auflagen versehen oder verboten werden, wenn die öffentliche Sicherheit oder Ordnung unmittelbar gefährdet ist. Eine vergleichbare Versammlung in Berlin, bei der statt der angemeldeten 5.000 am Ende 15.000 Menschen kamen, sei nicht friedlich verlaufen. 

Drohende »Eskalationsspirale«

»Nach Erkenntnissen der Versammlungsbehörde liegen in Bezug auf die für den 30. August angemeldete Demonstration derart belastende Umstände vor, die ein komplettes Verbot der Versammlung rechtfertigen«, teilte die Stadt mit. In der aktuell »äußerst angespannten Stimmung« zwischen propalästinensischen und proisraelischen Aktivisten drohe eine »Eskalationsspirale«. 

Lesen Sie auch

»Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass im Rahmen dieser Versammlung strafbare antisemitische Äußerungen, Drohungen und Handlungen getätigt würden. Ein Verbot der Versammlung ist damit gerechtfertigt und letztlich unumgänglich«, teilte die Stadt mit.

Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) sagte: »Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut in einer Demokratie, der Schutz der eigenen Bevölkerung aber nicht weniger.« Er unterstütze das Verbot. »Antisemitische Hetze und mögliche Gewalttaten auf den Frankfurter Straßen darf es nicht geben.« 

Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) teilte der Deutschen Presse-Agentur mit: »Das Verbot der Versammlung war dringend erforderlich. Wir dürfen auf unseren Straßen nicht sehenden Auges antisemitische Straftaten zulassen. Wir müssen alles dafür tun, jüdisches Leben wirkungsvoll zu schützen.«

Poseck ergänzte: »Der Umgang der Stadt Frankfurt mit links-motivierter antisemitischer Agitation war zuletzt viel zu nachsichtig.« Dies betreffe die Vorkommnisse bei einem früheren Nahost-Protestcamp in einem Park, wo am Rande jüdische Gegendemonstranten mit Farbbeuteln attackiert worden waren, genauso wie die bisherige Duldung der teilweisen Besetzung eines Hauses. 

»Offensichtlich kommt es jetzt sowohl bei Hausbesetzungen als auch bei Versammlungen nun endlich zu einer neuen Linie der Stadt. Diese Entwicklung begrüße ich«, betonte der CDU-Politiker. »Auch als Innenministerium haben wir in den letzten Tagen auf eine Untersagung der Demonstration «United4Gaza» hingewirkt.« Alle staatlichen Ebenen müssten an einem Strang ziehen, »wenn es darum geht, unsere Rechtsordnung durchzusetzen, rechtsfreie Räume zu verhindern und extremen Kräften klare Grenzen zu setzen«.

»Israelvernichtungsphantasien« seien nicht von der Versammlungsfreiheit gedeckt, heißt es in einer Mitteilung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Berlin. Der Präsident der Gesellschaft, Volker Beck, appellierte an die Verwaltungsgerichte das Verbot zu bestätigen. »Diese Demonstration ist keine Veranstaltung aus legitimer Sorge um die Menschen in Gaza, sondern eine Israelhass-Veranstaltung«, teilte Beck mit. »Es ist eine Versammlung von Verfassungsfeinden, die Israels Existenz direkt angreift.«. dpa/ja

Initiative

Offener Brief jüdischer Organisationen an Berliner Senatorin

Nachdem eine Klage des jüdischen Studenten Lahav Shapira gegen die Freie Universität Berlin für unzulässig erklärt worden ist, fordern jüdische Organisationen eine Gesetzesänderung

 18.05.2026

Potsdam

Forscher: Offenheit für AfD wächst trotz mehr Radikalität

Der Extremismusforscher Botsch erklärt, warum die Bereitschaft wächst, die zumindest in Teilen rechtsextremistische Partei zu wählen - ungeachtet ihrer Entwicklung

von Marc-Oliver von Riegen  18.05.2026

Berlin

Josef Schuster für Bestrafung der Leugnung von Israels Existenzrecht

Der Zentralratspräsident stellt sich hinter das Vorhaben aus Hessen. Derweil sind einige Strafrechtler skeptisch

 18.05.2026

Ramallah

Abbas will blockierte Gelder als Terror-Renten verwenden

In Zusammenhang mit Israels Entscheidung, Teile der Steuereinnahmen für die PSA einzubehalten, spricht der Palästinenserpräsident von einem Rechtsbruch, will aber weiterhin illegale Terror-Renten bezahlen

 18.05.2026

Pilsen

Wie es mit Marla Svenja Liebich weitergehen könnte

Nach monatelanger Fahndung wurde die Rechtsextremistin gefasst. Seit einigen Wochen sitzt sie in Tschechien in Haft. Ein Gericht dort will nun über eine Auslieferung entscheiden

 18.05.2026

Washington D.C.

Trump zu Iran: »Die Uhr tickt«

Die Angriffe gegen das iranische Regime, dessen Revolutionsgarden und Atomanlangen könnten diese Woche wiederaufgenommen werden

 18.05.2026

Interview

»Sonntagsreden reichen nicht«

Hessens Justizminister Christian Heinz will, dass Aufrufe zur Vernichtung Israels künftig unter Strafe stehen. Wie lässt sich ein solcher Eingriff in die Meinungsfreiheit begründen? Ein Gespräch über Staatsräson, den Schutz jüdischen Lebens und Mehrheiten im Bundesrat

von Joshua Schultheis  17.05.2026

Nahost

Stille Wende im Krieg: Emirate und Saudi-Arabien griffen Iran an

Nach Irans Angriffen wiederholten die Golfstaaten das Mantra vom Recht auf Selbstverteidigung. Jetzt wird bekannt, dass zwei von ihnen auch zurückschlugen - und eine wichtige Schwelle überschritten

von Johannes Sadek, Weedah Hamzah  17.05.2026

Wien

14 Aktivisten bei Anti-Israel-Demo festgenommen

Vor Beginn des ESC-Finales gab es mehrere Demonstrationen gegen Israels Teilnahme

 17.05.2026