Washington D.C.

US-Militär legt Trump Optionen für Vorgehen gegen Iran vor

Das Weiße Haus am Mittwoch Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Während in Genf erneut indirekte Gespräche zwischen Washington und Teheran über das iranische Atom- und Raketenprogramm stattfanden, ließ sich Präsident Donald Trump in Washington über mögliche militärische Szenarien informieren. Nach Informationen aus dem Umfeld des Präsidenten präsentierte der Chef des für den Nahen Osten zuständigen Regionalkommandos konkrete Handlungsoptionen. Amerikanische Medien berichteten.

Der Oberbefehlshaber des United States Central Command, Admiral Brad Cooper, soll Trump verschiedene Einsatzvarianten erläutert haben. Ebenfalls anwesend war General Dan Caine, Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff und ranghöchster militärischer Berater des Präsidenten. Details des Treffens wurden nicht offiziell bekanntgegeben.

Parallel zu den diplomatischen Kontakten mehren sich innerhalb der Republikanischen Partei Stimmen, die Israel bei einem möglichen Angriff lieber den Vortritt lassen würden. Mehrere mit den Beratungen vertraute Personen berichten, einige Parteivertreter und Regierungsmitglieder hielten es strategisch für klüger, wenn Jerusalem den ersten Schritt mache – nicht Washington.

Argumentationsspielraum für Trump

Ob Trump diese Linie übernimmt, ist offen. Beobachter verweisen darauf, dass der Präsident vor Entscheidungen häufig unterschiedliche Positionen anhört. Im Wahlkampf hatte er versprochen, Kriege zu beenden und keine neuen zu beginnen. Ein israelischer Erstschlag könnte ihm innenpolitisch Argumentationsspielraum verschaffen: Eine spätere US-Beteiligung ließe sich dann als Unterstützung eines Verbündeten darstellen. Militärische Optionen reichen von begrenztem Schlag bis Großoffensive

Nach Angaben aus Regierungskreisen liegen mehrere Szenarien auf dem Tisch. Diskutiert wird unter anderem ein begrenzter Angriff auf Raketenstellungen und ausgewählte Nuklearanlagen – als Warnsignal, um Teheran zu Zugeständnissen zu bewegen. Ebenso im Gespräch ist eine breit angelegte Operation mit zahlreichen Zielen über einen längeren Zeitraum hinweg.

Lesen Sie auch

Die USA haben ihre militärische Präsenz in der Region zuletzt deutlich verstärkt. Flugzeugträger, Kampfflugzeuge und weitere Einheiten befinden sich in Reichweite iranischer Einrichtungen. Sicherheitsexperten warnen jedoch, dass ein solcher Einsatz erhebliche Risiken birgt – insbesondere für die rund 35.000 bis 40.000 amerikanischen Soldaten, die im Nahen Osten stationiert sind und im Falle einer Eskalation ins Visier geraten könnten.

Kein Durchbruch

Zeitgleich zu den militärischen Planspielen trafen sich Vertreter beider Länder in Genf zu indirekten Verhandlungen. Ein Durchbruch wurde nicht verkündet. Irans Außenminister sprach von Fortschritten und kündigte an, sogenannte »technische Gespräche« würden in der kommenden Woche in Wien fortgesetzt.

US-Außenminister Marco Rubio äußerte sich unterdessen skeptisch. Teheran versuche weiterhin, Elemente seines Atomprogramms wieder aufzubauen. »Man sieht, dass sie ständig versuchen, Teile davon wiederherzustellen. Sie reichern derzeit nicht an, aber sie wollen an den Punkt kommen, an dem sie es letztlich können«, sagte er auf einer Reise in die Karibik. Zudem befinde sich Iran auf einem »Pfad«, ballistische Raketen mit größerer Reichweite zu entwickeln. Warnungen vor unkalkulierbaren Folgen

Politische Analysten in den USA weisen Berichten zufolge darauf hin, dass ein israelisch geführter Auftakt nicht automatisch eine begrenzte Auseinandersetzung bliebe. Sollte Iran massiv zurückschlagen und es zu amerikanischen Verlusten kommen, entstünde rasch innenpolitischer Druck. Ein länger andauernder Militäreinsatz mit dem Ziel eines Regimewechsels könne Wochen dauern und biete keine Garantie für ein aus Sicht Washingtons günstigeres Ergebnis.

»Ernster Moment«

Auch im Kongress wächst die Aufmerksamkeit. Führende Abgeordnete beider Parteien wurden in vertraulichen Sitzungen über die Lage informiert. Der demokratische Senator Mark Warner sprach von einem »ernsten Moment im Nahen Osten« und einem ebenso »ernsten Moment für Amerika«.

Ob Diplomatie oder Militär – die Entscheidung liegt letztlich beim Präsidenten. Aus dem Weißen Haus hieß es dazu lediglich, Spekulationen über mögliche Schritte seien verfrüht: Nur Trump selbst wisse, welchen Kurs er einschlagen werde. im

Antibes

Frankreich und Italien streben neue Libanon-Mission an

Wie könnte die internationale Unterstützung für den Libanon nach dem Abzug der UN-Blauhelme aussehen? Frankreich und Italien wollen eine neue Koalition anführen

 26.06.2026

Pädagogik

Neues Onlinespiel soll gegen Antisemitismus im Netz helfen

In sozialen Medien wird Judenhass verbreitet und auch der Holocaust falsch dargestellt. Damit junge Menschen solche Inhalte besser erkennen, können Lehrkräfte ein neues Onlinespiel nutzen

von Alexander Riedel  26.06.2026

Hamburg

Spionageprozess: Juden für Iran ausgespäht?

Laut Anklage soll der Mann hochrangige Vertreter jüdischer Organisationen in Deutschland für mögliche Anschläge ausgekundschaftet haben

 26.06.2026

Magdeburg

Höchststrafe für Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt

Bei dem Anschlag 2024 kamen sechs Personen ums Leben; Hunderte wurden verletzt. Jetzt steht das Urteil fest

 26.06.2026 Aktualisiert

Berlin

Thüringens Innenminister fordert AfD-Verbotsverfahren

In einem Gutachten begründen Juristen ihre Einschätzung besonders mit Verstößen gegen das Demokratieprinzip und die Menschenwürdegarantie

 26.06.2026

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  25.06.2026

Hamburg

Wie ein iranischer Jude auf Israel und den Iran blickt

Armin Levy ist Jude, Perser und Hamburger. Bei den aktuellen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran glaubt er nicht an echten Frieden. Warum er jedes Abkommen mit dem Mullah-Regime ablehnt

von Christiane Tauer  25.06.2026

Berlin-Neukölln

Martin Hikel rügt Bildungsstadträtin

Janine Wolter hatte auf Instagram die Story eines israelfeindlichen Aktivisten gepostet

 25.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  25.06.2026