»Revolution Chemnitz«

Untersuchungshaft für alle acht beschuldigten Rechtsextremisten

Die beschuldigten Rechtsextremisten sind am Montag und Dienstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe vorgeführt worden. Foto: dpa

Die Bundesanwaltschaft hat acht mutmaßliche Rechtsterroristen der Gruppe »Revolution Chemnitz« in Untersuchungshaft genommen. Die Beschuldigten sind am Montag und Dienstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt worden, wie der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof am Dienstag in Karlsruhe mitteilte.

Dieser habe gegen die Männer im Alter zwischen 20 und 31 Jahren Untersuchungshaft angeordnet. Sie seien dringend verdächtig, die rechtsterroristische Vereinigung »Revolution Chemnitz« gegründet zu haben.

Anschlag Sieben der Beschuldigten waren am Montag festgenommen worden. Ein weiterer Mann, der mutmaßliche Rädelsführer, saß bereits seit dem 14. September wegen des Verdachts auf schweren Landfriedensbruch in Untersuchungshaft. Die Gruppe, die den Ermittlern zufolge unter dem Namen »Revolution Chemnitz« organisiert war, soll einen Anschlag zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober vorbereitet haben.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) räumte unterdessen Nachholbedarf im Freistaat ein. Beim Kampf gegen Rechtsextremismus sei das Land nicht dort, »wo wir hinwollten«, sagte er am Montagabend bei einem Bürgerdialog in Dresden.

Die beschuldigten Männer sollen der Hooligan-, Skinhead- und Neonazi-Szene im Raum Chemnitz angehören. Sie stehen im Verdacht, spätestens am 11. September 2018 die terroristische Vereinigung »Revolution Chemnitz« gegründet zu haben. Den Ermittlern zufolge sollen sie Angriffe auf Ausländer und Andersdenkende geplant haben und im Begriff gewesen sein, sich halbautomatische Schusswaffen zu besorgen. Chatprotokolle der rechtsextremen Gruppe belegen, dass die Mitglieder einen Bürgerkrieg auslösen wollten.

»Probelauf«
Details zum geplanten Anschlag am 3. Oktober sind bislang nicht bekannt, jedoch soll es am 14. September laut Bundesanwaltschaft einen »Probelauf« für die Aktion gegeben haben. Demnach griffen an dem Tag fünf der Verdächtigen in Chemnitz Ausländer an, eine Person wurde verletzt. Danach wurde der mutmaßliche Rädelsführer Christian K. festgenommen.

Der Dresdner Extremismusforscher Steffen Kailitz bezeichnet die Festnahme der acht mutmaßlichen Rechtsterroristen »in einem frühen Stadium« der Gruppe als »einen großen Erfolg der Ermittler«. Solche Vereinigungen gingen aus rechtsextremen Bürgerwehren hervor, »die das Recht selbst in die Hand nehmen und damit den Rechtsstaat zu zerstören drohen«, sagte Kailitz am Dienstag.

Ein Anschlag an einem »so symbolträchtigen Tag wie dem 3. Oktober hätte eine Schockwelle durch das Land gejagt«, so der Forscher weiter. Er sieht in dem Auftreten einiger Politiker der AfD und ihrer Parolen einen geistigen Nährboden für gewaltbereite Rechtsextremisten.

Radikalisierung Der Bielefelder Extremismusforscher Andreas Zick warnte am Dienstag, die Aufdeckung der Vereinigung »Revolution Chemnitz« zeige, dass die rechtsextremistische Radikalisierung voranschreite. »Der Ruf nach Widerstand ist eben halt nicht nur eine Einstellung, sondern ein Programm«, sagte der Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld. Rechtsterrorismus sei keine Eintagsfliege, sondern entwickele sich nach längeren Radikalisierungsphasen.

Unterdessen fordert der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) von den Behörden ein hartes Vorgehen gegen Rechtsterroristen. Die Eindrücke »der Gewaltwelle von Chemnitz gegen Berichterstatter« verstärkten sich, erklärte DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall. »Attacken auf Journalisten sind keine ›Kollateralschäden‹, sondern wir sind die Ziele der Rechtsextremisten«, fügte er mit Blick auf die jüngsten Ausschreitungen in Chemnitz hinzu.

Ob die acht Beschuldigten auch an den teilweise gewaltsamen rechten Protesten in Chemnitz Ende August und Anfang September oder an dem Anschlag auf das jüdische Restaurant »Schalom« in Chemnitz beteiligt waren, ist den Ermittlern zufolge noch unklar. Auslöser der Proteste war der Tod eines 35-jährigen Deutsch-Kubaners, der am 26. August in Chemnitz mutmaßlich von Asylbewerbern erstochen worden war. epd/ja

Meinung

Ein belasteter Ort verlangt Bewusstsein

Belastete Orte wie etwa Hitlers Geburtshaus in Braunau gibt es in Deutschland und Österreich viele. Erinnerung daran bedeutet, ihr in der Gegenwart die richtige Antwort zu geben

von Vladimir Vertlib  29.07.2026

Meinung

Wir müssen darüber sprechen, was der Terror mit dem Islam zu tun hat

Die islamistische Ideologie muss endlich klar und deutlich als solche benannt werden

von Ali Ertan Toprak  29.07.2026

Thüringen

Entschuldigung nach Hass-Kommentar eines Leinefelder Gastwirts abgelehnt

Das Auschwitz-Komitee wirft dem Gastronomen vor, Menschen mit dem Tod bedroht und die Verbrechen des Nationalsozialismus verherrlicht zu haben.

 29.07.2026

Toronto

Solidarität nach Angriffen: Lange Schlangen vor jüdischen Bagel-Läden

Nach Angriffen auf zwei Filialen der jüdischen Bäckereikette Kiva’s Bagel Bar kaufen Bewohner dort ein. Zeitgleich feuerte ein Unbekannter Schüsse auf das US-Konsulat ab

 29.07.2026

Nahost

Iran greift US-Stützpunkt in Jordanien an – Washington reagiert mit Luftschlägen im Irak

Es ist der erste Raketenangriff des Iran auf einen US-Stützpunkt, seit Präsident Donald Trump die amerikanischen Angriffe auf iranische Ziele vor wenigen Tagen ausgesetzt hatte

 29.07.2026

Berlin

Klein: Sympathie-Bekundung für Terrororganisationen strafbar machen

Nach dem Anschlag durch einen IS-Anhänger fordert der scheidende Antisemitismusbeauftragte Gesetzesänderungen

 29.07.2026

Berlin

CSD-Anschlag: Innensenatorin und Polizei beantworten Fragen

Nach dem Angriff gibt es noch viele Unklarheiten. Der Innenausschuss des Abgeordnetenhauses kommt daher zusammen. Außerdem rückt das Thema Prävention in den Fokus

 29.07.2026 Aktualisiert

Berlin

Prien stellt mehr Geld gegen Radikalisierung in Aussicht

Nach dem CSD-Anschlag sagt die Familienministerin, queere Menschen seien in Teilen des Landes besonders unter Druck und könnte Solidarität erwarten

 29.07.2026

Judenhass

Antisemitismus weltweit auf Höchststand

Die Untersuchung erfasst die sieben Länder mit den größten jüdischen Bevölkerungen außerhalb Israels, darunter Deutschland

 29.07.2026