Geheimdienst

Unter Verschluss

Eichmann flüchtete mit gefälschten Papieren. Foto: dpa

Gerade war der erste Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Reinhard Gehlen, Ende der 60er-Jahre mit einem Bundesverdienstkreuz aus dem Amt komplimentiert worden, da entwichen dem Panzerschrank in seiner Amtsvilla bereits Geheimnisse. Dokumente belegten: Der frühere Wehrmachtsgeneral hatte bis ins Jahr 1968 illegal im Inland spionieren lassen. Das Ziel: die SPD, insbesondere die Protagonisten ihrer Ostpolitik. Wie Gehlens Leute aber mit ihren eigenen alten Kameraden umgingen – dieses Thema ist bis heute weitgehend unter Verschluss.

schützer Vor allem das Beispiel Eichmann ist aufschlussreich. Gefasst wurde der einstige »Judenreferent« 1960 durch den israelischen Mossad. Inzwischen weiß man aber, dass da längst auch der deutsche Geheimdienst im Bilde war. Bereits 1952 waren Eichmanns Tarnname und Wohnort bekannt. Mit Blick auf US-Dokumente vermuten einige Historiker, dass der BND danach Eichmann sogar aktiv schützte.

Zwar soll demnächst eine vierköpfige Historikerkommission Aktenzugang erhalten. Diese neue Offenheit, für die der derzeitige BND-Präsident Ernst Uhrlau (SPD) viel gelobt wurde, ist aber auch schon wieder relativiert worden: Der Erlanger Historiker Gregor Schöllgen wies darauf hin, wie leicht es angesichts des Chaos, in dem sich die Unterlagen befinden, dem BND fallen dürfte, die vorgelegten Dokumente zu filtern. Schöllgen war im Jahr 2006 selbst damit beauftragt worden. Er lehnte jedoch 2008 ab, unter anderem, weil ihm kein uneingeschränkter Aktenzugang zugesichert wurde.

globke Selbst, als das Bundesverwaltungsgericht zu Beginn dieses Jahres den BND dazu verurteilte, die Unterlagen an einen Journalisten herauszugeben, holte der Geheimdienst nur einzelne Fragmente aus den Archiven. Deshalb wird der BND nun weiterhin verklagt. Es geht um Hintergründe zum Jerusalemer Eichmann-Prozess: Denn als der NS-Verbrecher vor Gericht stand, verfolgte vor allem Gehlens damaliger Dienstherr, Kanzleramtsminister Hans Globke (CDU), den Prozess mit Bangen.

Als ehemaliger Beamter im Reichsinnenministerium hatte Globke die Erläuterungen zu den Nürnberger Rassengesetzen verfasst. Während des Prozesses in Jerusalem fiel sein Name gleich mehrfach. Eichmann beantragte am Ende sogar, Globke in den Zeugenstand zu berufen – das wäre ein Desaster für die Adenauer-Regierung geworden.

Ob sich Gehlens Leute in dieser heiklen Situation etwas einfallen ließen? Die Antwort auf diese Frage liegt vermutlich in den Pullacher Archiven. Der Geheimdienst, der sich derzeit in Berlin eine neue Zentrale baut, könnte sie ans Licht holen und sich damit endlich von den düsteren Tagen der Gehlen-Ära verabschieden.

Kairo/Berlin

Ägypten verbietet Buch zu Gaza-Krieg - Autoren: Das Interesse ist riesig

Ihr Streitgespräch über den Nahostkonflikt sorgte in Deutschland für viel Aufmerksamkeit - doch Ägyptens Zensur verbietet das Buch von Philipp Peyman Engel und Hamed Abdel-Samad. Die Autoren nehmen es eher gelassen

 29.01.2026 Aktualisiert

Sanktionen

EU setzt Revolutionsgarden auf Terrorliste

In der Europäischen Union wurde jahrelang um diesen Schritt gerungen. Jetzt gibt es eine Einigung

 29.01.2026 Aktualisiert

Interview

Oberrabbiner Goldschmidt: Iran destabilisiert gesamten Nahen Osten

Der ehemalige Moskauer Oberrabbiner über den Iran, die Zukunft von Gaza und Antisemitismus in Europa

von Leticia Witte  29.01.2026

Gedenkstunde

Bundestagspräsidentin fordert mehr Schutz jüdischen Lebens

Wie geht es weiter, wenn die Überlebenden der Schoa nicht mehr da sind? Es müssen neue Wege gefunden werden, sagt die Präsidentin des Bundestages. In der Gedenkstunde des Bundestages, in Gegenwart einiger Zeitzeugen

von Leticia Witte  29.01.2026

Washington D.C.

Rubio warnt Iran vor Angriff und schließt Präventivschlag nicht aus

Die USA stärken ihre Militärpräsenz in der Golfregion und warnen den Iran vor Angriffen auf US-Basen. Der Außenminister zeigt sich ratlos, wie es nach einem Sturz der Führung im Iran weitergeht

 29.01.2026

Meinung

Warum es auch schwerfällt, die gelbe Schleife abzulegen

Zwei Jahre und drei Monate lang haben Menschen auf aller Welt mit der gelben Schleife ihre Solidarität mit den am 7. Oktober 2023 nach Gaza verschleppten Geiseln gezeigt. Nun können wir sie endlich ablegen

von Sophie Albers Ben Chamo  29.01.2026

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

USA

Müssen US-Unis Informationen über jüdische Mitarbeiter herausgeben?

Die Universität Pennsylvania wehrt sich gegen die Forderung, persönliche Daten jüdischer Mitarbeitender auszuhändigen. Der Fall wird vor einem US-Bundesgericht verhandelt.

von Nicole Dreyfus  29.01.2026

„Bündnis Sahra Wagenknecht“

Lafontaine sorgt mit Aussage zu Antisemitismus für Empörung

»Der Russenhass ist ebenso verwerflich wie der Antisemitismus«, schrieb der BSW-Politiker und ehemalige Ministerpräsident am Tag vorm internationalen Holocaust-Gedenktag

 29.01.2026

London

Am Holocaust-Gedenktag Juden »vergessen«: BBC entschuldigt sich

In Sendungen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt war von »sechs Millionen Menschen, die vom Nazi-Regime ermordet wurden« die Rede. Dass es sich um Juden handelte, wurde nicht erwähnt

 29.01.2026