Hildesheim

Umstrittener Spendenaufruf eines kroatischen Pfarrers

Das Bistum in Hildesheim Foto: imago

Das Bistum Hildesheim hat sich von einem in der Diözese tätigen kroatischen Priester distanziert, der zu Spenden für eine faschistische Vereinigung aufruft.

Man werde noch in dieser Woche ein Gespräch mit dem Pfarrer der kroatischen Mission Göttingen führen, sagte Bistumssprecher Volker Bauerfeld am der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Hildesheim. Wenn ein Priester Sympathien für solche Bewegungen zeige, sei das indiskutabel. »Es ist ganz klar, dass sich der Faschismus nicht mit dem Evangelium verträgt«, so Bauerfeld.

Geschichtverfälschung Der Pfarrer hatte Mitte September auf seiner Facebook-Seite einen Spendenaufruf der »Gesellschaft zur Erforschung des Dreifach-Lagers Jasenovac« veröffentlicht. Die Vereinigung unter Führung des kroatischen Publizisten Igor Vukic vertritt die von Historikern als unbelegt und geschichtsverfälschend eingestufte These, dass das Konzentrationslager Jasenovac zwischen 1941 und 1945 kein Vernichtungslager gewesen sei.

Laut Bauerfeld ist der Seelsorger nicht beim Bistum Hildesheim beschäftigt, sondern gehört einer kroatischen Diözese an. Sein Einsatz in der kroatischen Gemeinde werde von der Delegatur der Kroatenseelsorge in Frankfurt am Main koordiniert. Diese teilte auf Anfrage am Montag mit, bereits Kontakt zu dem betreffenden Pfarrer und den Verantwortlichen im Bistum aufgenommen zu haben.

Zuerst hatte katholisch.de über den Fall berichtet, der am Samstag durch einen Tweet des hr-Journalisten Danijel Majic einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden war. Am Sonntagabend bekräftigte der Pfarrer seinen Aufruf noch einmal mit einem Facebook-Kommentar.

https://twitter.com/DanijelMajic/status/1309614194174631937

Ustascha-Regime Das KZ Jasenovac galt als das größte Vernichtungslager auf dem Balkan während des Zweiten Weltkriegs. Es wurde 1941 vom damaligen Ustascha-Regime, dem NS-Marionetten-Staat in Kroatien, errichtet.

Nach kroatischen Angaben wurden unter dem Regime in Jasenovac zwischen 30.000 und 40.000 Personen getötet. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Serben, Juden und Roma, aber auch um kroatische Antifaschisten. Jüdische und serbische Historiker sprechen von bis zu 600.000 Opfern.

Dagegen behauptet Vukic mit seiner Vereinigung, dass das Lager erst unter den Kommunisten zum Vernichtungslager wurde und während des faschistischen Ustascha-Regimes nur zur Internierung genutzt wurde. kna

Kommentar

Ärzte mit Grenzen

Der NGO »Ärzte ohne Grenzen« ist Propaganda gegen Israel wichtiger als die Hilfeleistung für Gaza

von Wolf J. Reuter  05.01.2026

USA

Jüdischer Bundesrichter Hellerstein leitet Strafverfahren gegen Maduro

Der 92 Jahre alte orthodoxe Richter gilt als »kompromisslos fair«. Ernannt wurde er 1998 von Präsident Bill Clinton

 05.01.2026

Washington D.C.

Unterdrückung der Proteste: Trump droht Iran mit Konsequenzen

Während Trump den Druck von außen erhöht, zeichnen Berichte ein Bild wachsender Nervosität an der Spitze der Islamischen Republik

 05.01.2026

Interview

»Plötzlich ist das Gefühl von Sicherheit weg«

In der Nacht auf Sonntag ist das private Grundstück von Brandenburgs Antisemitismusbeauftragten Andreas Büttner Ziel eines Brandanschlags geworden. Mit der Jüdischen Allgemeinen spricht er nun exklusiv über den Angriff – und benennt, was daraus folgen muss

von Mascha Malburg, Philipp Peyman Engel  04.01.2026 Aktualisiert

Templin

Brandanschlag auf Grundstück des Beauftragten gegen Judenhass

Auf dem Grundstück des Antisemitismusbeauftragten von Brandenburg wurde ein Schuppen in Brand gesteckt. Auf seiner Haustür haben die Täter ein rotes Hamas-Dreieck hinterlassen

 05.01.2026 Aktualisiert

Analyse

Warum die Proteste im Iran auch eine Chance für unsere Sicherheit sind

Anschläge und Morde, verdeckte Handelsfronten, Identitätsdiebstahl und Sanktionsumgehung: Das Regime in Teheran ist auch in Europa zu einem hybriden Bedrohungsakteur geworden. Umso wichtiger ist es, die Regimegegner zu unterstützen

von Rebecca Schönenbach  04.01.2026

Interview

»Israels Sache ist gerecht, sie muss nur besser erklärt werden«

Der saudische Influencer Loay Alshareef über Frieden im Nahen Osten, seine erste Begegnung mit Juden und die Kraft persönlicher Erfahrung

von Stefan Laurin  04.01.2026

Iran

Proteste gegen Chamenei weiten sich aus

Im Iran kam es erneut zu Gewalt gegen Demonstrierende. Die Proteste haben sich inzwischen auf etwa 70 Prozent des Landes ausgeweitet. Auch in Berlin und Washington versammelten sich oppositionelle Exiliraner

 04.01.2026

Venezuela

Netanjahu gratuliert Trump

Israels Regierungschef Netanjahu lobt den US-Angriff in Venezuela und hebt Trumps Vorgehen gegen Maduro als »historisch« hervor. Andere israelische Politiker ziehen Parallelen zum Iran

 04.01.2026