Meinung

Ukrainisch? Russisch? Jüdisch!

Es bedarf keines eigens dafür angesetzten Diskussionszirkels, damit die aktuellen Ereignisse in der Ukraine auch in den hiesigen jüdischen Gemeinden für reichlich Gesprächsstoff sorgen. Ob bei Terminen in der Sozialabteilung, im Seniorenklub, im Gemeindechor oder beim Kiddusch – die Ereignisse in der früheren Heimat vieler Mitglieder prägen das Gemeindeleben in diesen Wochen stärker als alle Themen der vergangenen Jahre.

wunden Und sie reißen Wunden auf, von denen wir doch gehofft hatten, sie seien im Laufe der mehr als 20 Jahre andauernden jüdischen Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion verheilt. Doch jetzt sprechen die einen von den bösen Russen einerseits und der beinahe hilf- wie wehrlosen Ukraine andererseits. Demgegenüber argumentieren andere Gemeindemitglieder aus pro-russischer Sicht: Wladimir Putin tue das Richtige zur rechten Zeit, die Krim sei doch schon immer russisch gewesen, und man müsse die russische Bevölkerung dort vor Diskriminierung und Ausgrenzung schützen – wer wisse schon, wer künftig in Kiew das Sagen habe?

Beinahe immer geht es dabei um Angst – um das Heimatland und dessen Zukunft, um die dortigen Verwandten und Bekannten, um den Frieden in der Region und in der Welt. Doch leider sind in diesen berechtigten Diskussionen auch oft unversöhnliche Stimmen zu hören. Manchmal hat man gar den Eindruck, als würde unsere große Gemeinsamkeit, Juden zu sein, hinter nationalen Interessen und Ansprüchen verschwinden. Auch wenn man nicht so naiv sein durfte, zu glauben, es hätte bisher keine Ressentiments unter den Mitgliedern aus den verschiedenen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion gegeben, so ist es doch eine schmerzhafte Erfahrung, wie tief die Gräben auch im Jahr 2014 zu sein scheinen.

gemeinsamkeit Hier sind die Gemeinden mehr denn je gefragt, für innere Einheit zu sorgen. Nationalistisches Gedankengut darf keinen Platz bei uns oder in den Herzen unserer Mitglieder haben. Wenn dieser Grundsatz nicht mehr gilt, führen wir uns selbst ad absurdum. Dann vergessen wir, warum die deutschen jüdischen Gemeinden heute so vielfältig und vital sind: Wir sind das Volk, das jüdische Volk! Egal, wo wir herkommen, was in unseren Pässen steht oder stand!

Der Autor ist Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim/Ruhr-Oberhausen.

Einspruch

Das Problem mit dem Zivildienst

Rebecca Seidler sieht bei einer möglichen Rückkehr der »Zivis« viele Vorteile – und eine große Herausforderung

von Rebecca Seidler  26.08.2026

Meinung

Mehr Schutz durchs Grundgesetz

Was für die LGBTIQ-Gemeinschaft zutrifft, sollte auch für den Schutz jüdischer Identität gelten

von Susanne Krause-Hinrichs  26.08.2026

Schweiz

Gewalt-Demo gegen Israel in Basel verboten

Die Polizei hält die geplante Anti-Israel-Demo, bei der die Organisatoren »Tod dem Zionismus« wünschen, für nicht bewilligungsfähig

von Nicole Dreyfus  26.08.2026

RIAS-Jahresbericht

Mehr antisemitische Vorfälle in Thüringen

Gewaltandrohungen und Angriffe gab es vor allem im öffentlichen Raum

 26.08.2026

Kiel

Schleswig-Holstein setzt Zeichen gegen Antisemitismus

Jüdinnen und Juden im nördlichsten Bundesland sind verunsichert. Die Landesregierung beschließt nun einen Aktionsplan gegen Judenhass

 26.08.2026

Interview

»Der politische Islam will die Gesetze im Sinne der Scharia verändern«

Der Investigativjournalist Sascha Adamek über die stetige islamistische Unterwanderung der Gesellschaft

von Ninve Ermagan  26.08.2026

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  26.08.2026

Exklusiv-Interview

»Anders als Hitler ist die AfD nicht kriegslüstern«

Der Historiker und Bestsellerautor Götz Aly über die Radikalisierung des NS-Regimes, Vergleiche zwischen dem Ende der Weimarer Republik mit der heutigen Zeit und die Sinnhaftigkeit eines AfD-Verbots

von Michael Thaidigsmann  25.08.2026

Parteien

Umfrage: So denken die Deutschen über die AfD

Brandmauer? Parteiverbot? Das Insa-Institut hat nachgefragt

 25.08.2026