Berlin

TU-Präsidentin beantragt Disziplinarverfahren gegen sich selbst

Geraldine Rauch, Präsidentin der TU-Berlin, markierte antisemitische »X«-Posts mit »Gefällt mir«-Klicks. Foto: picture alliance/dpa

Die Präsidentin der Technischen Universität (TU) Berlin, Geraldine Rauch, hat sich erneut für die Weiterverbreitung antisemitischer Tweets entschuldigt. Zu Beginn einer Sitzung des Akademischen Senates (AS) der Hochschule am Mittwoch in Berlin sagte Rauch, mit ihrem unbedachten und falschen Handeln habe sie die Universität in eine schlimme Situation gebracht.

Sie habe die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen sich selbst bei der zuständigen Senatswissenschaftsverwaltung beantragt, um ihr Fehlverhalten überprüfen zu lassen und um Klarheit zu schaffen.

Zugleich kündigte Rauch an, als Präsidentin verstärkt gegen Antisemitismus an der Hochschule vorzugehen. Dies sehe sie als ihre persönliche Pflicht an.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland erklärte am Mittwochnachmittag nach den Einlassungen der TU Präsidentin: »Der Schritt von Prof. Rauch, nun ein Disziplinarverfahren gegen sich einzuleiten, ist der nächste Akt eines für die TU Berlin unwürdigen Vorgangs. Prof. Rauch hat in einer Zeit, in der Israel-Hass an deutschen Hochschulen grassiert, mit dem Liken mehrerer antisemitischer Postings und ihrem weiteren Verhalten bewiesen, dass sie nicht das nötige Verständnis und das Feingefühl hat, den Ernst der Lage zu erkennen: Daraus sollte sie die notwendigen Schlüsse ziehen. Stattdessen spielt sie auf Zeit und versucht ihr Fehlverhalten juristisch reinzuwaschen, während jüdische Studenten und Dozenten Angst haben, Hochschulen zu besuchen.«

Nach der öffentlichen Erklärung der TU-Präsidentin tagte der Akademische Senat unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiter. Über Abwahlanträge wurde zunächst nichts bekannt. Rauch sagte, sie empfinde tiefe Reue und bitte Betroffene um Verzeihung. Vor Beginn der Sitzung des Akademischen Senats hatten rund 50 Studierende vor dem Gebäude für einen Verbleib von Rauch als Präsidentin demonstriert.

Rauch steht in der Kritik, weil sie antisemitische Posts auf der Plattform X mit einem »Like« (»gefällt mir«) markiert hat. Dabei ging es unter anderem um einen Beitrag mit Fotos von Demonstranten, die ein Bild des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu mit aufgemaltem Hakenkreuz hochhalten. Rauch hatte sich bereits am 29. Mai dafür entschuldigt und erklärt, sie habe den Beitrag wegen seines Textes weiterverbreitet und das darunter gepostete Bild nicht genauer betrachtet. epd

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