Meinung

Thügida-Aufmärsche endlich verbieten

Reinhard Schramm Foto: Michael Reichel

Ausgerechnet an Tagen, die uns an die Nazidiktatur erinnern, veranstaltet die Thügida, der Thüringer Pegida-Ableger, in Jena martialische Aufmärsche.

Mit der Begründung, dass das Versammlungsrecht keine andere Möglichkeit zulasse, erlaubte das Thüringer Verwaltungsgericht in diesem Jahr Demonstrationen an vier heiklen Terminen: an Hitlers Geburtstag, am Tag des gescheiterten Hitler-Attentats, am Todestag von Rudolf Heß und am Tag der »Kristallnacht«.

verbot Während etwa in Bayern eine Versammlung verboten wird, wenn sie »an einem Tag oder Ort stattfinden soll, dem ein an die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft erinnernder Sinngehalt mit gewichtiger Symbolkraft zukommt«, fehlt so etwas in Thüringen. Eine solche Rechtsverschärfung brauchen wir, doch auch ohne sie wäre ein Verbot möglich gewesen.

Alle vier historischen Daten waren von den gleichen Organisatoren ausgewählt worden. Ihre unverfänglich anmutenden Antragsgründe können entkräftet werden, weil der thematisch enge Zusammenhang zur NS-Herrschaft offensichtlich war. Zum Aufmarsch am 20. April etwa hatte die Thügida symbolisch 88 Fackeln angekündigt: 88 steht für »HH«, »Heil Hitler«. So etwas kann nach dem Volksverhetzungsparagrafen des Strafgesetzbuches bestraft werden, weil die Organisation solcher Aufmärsche »den öffentlichen Frieden in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise dadurch stört, dass er die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt«.

fackeln Die Erlaubnis dieses Jenaer Fackelaufmarsches jedoch begünstigte die Glorifizierung Hitlers und der NS-Herrschaft. Sie unterstützt die Rechtsextremisten, die den 20. April als Gedenktag begehen. Dies zu erlauben, heißt, die Symbolkraft dieses Tages und der mit diesem Tag verbundenen Untaten – etwa des Brandanschlags auf unsere Erfurter Synagoge am 20. April 2000 – zu ignorieren.

Und der Aufmarsch dieser Leute am Jahrestag der Pogromnacht vom 9. November stellt eine direkte Verhöhnung der Opfer des Holocaust dar. Die Morde in dieser Nacht mündeten in den Völkermord an den europäischen Juden. Angesichts des Erstarkens des Rechtsextremismus fordern wir: Schaut nicht weg! Beweist Zivilcourage statt Gleichgültigkeit! Diese Forderung gilt auch für Politiker und Richter.

Der Autor ist Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen.

»Social Media«

Hasskampagne von Influencern gegen Bildungsstätte Anne Frank

Die Bildungsstätte Anne Frank klärt über Antisemitismus und Extremismus auf Social Media auf. Nun erlebt sie eine Hasskampagne von Fitness- und Ernährungs-Influencern

 29.10.2026

Auszeichnung

Shimon-Peres-Preis für deutsch-israelische Projekte

Für einen Dialog in Krisenzeiten werden jetzt zwei deutsch-israelische Projekte ausgezeichnet. Der Preis erinnert an den Friedensnobelpreisträger und israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres

 29.10.2026

Debatte

Nach der »Spiegel«-Enthüllung: Jetzt spricht Elif Eralp

Die wichtigsten Statements der Linkspartei-Spitzenkandidatin im Überblick

 29.10.2026 Aktualisiert

New York

NYPD stoppt Direktvergabe an israelischen Überwachungstechnik-Hersteller

Linke Politiker und Aktivisten aus dem Umfeld von Bürgermeister Zohran Mamdani hatten den geplanten Kauf eines Ortungssystems kritisiert

 29.10.2026

Straßburg/Prag

Europarat warnt vor zunehmendem Antisemitismus in Tschechien

Sowohl die Zahl als auch die Schwere der Judenhass-Vorfälle nimmt zu

 29.10.2026

Berlin

Wie sich Elif Eralp von Terrorunterstützern mundtot machen lässt

Das Nachrichtenmagazin »Spiegel« hat brisante Hintergründe zur Spitzenkandidatin der Linkspartei veröffentlicht

 29.10.2026 Aktualisiert

Dubai

Verletzter »Fly Dubai«-Pilot für Rettung von Passagieren geehrt

Dem auf einem Flug nach Tel Aviv attackierten und schwer verletzten Kapitän geht es inzwischen besser. In den Vereinigten Arabischen Emirate wurde er nun für seinen Einsatz ausgezeichnet

 29.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden: Linke lässt sich von Vanessa Emde auf der Nase herumtanzen

Josef Schuster: »Solange Positionspapiere nicht von konkreten personellen Konsequenzen auf jeder Ebene begleitet werden, nehme ich der Linken ihr Bekenntnis zum Kampf gegen Antisemitismus nicht ab«

von Imanuel Marcus  29.10.2026

Washington D.C.

Medien: Vance lotet mit Teheran Chance auf Verhandlungen aus

Berichten zufolge bereiten die USA und Israel neue Militärschläge gegen den Terrorsponsor Iran vor. Nun soll es neue Bemühungen um eine diplomatische Lösung geben

 29.10.2026