Meinung

Synagoge für Neuss? Die AfD sagt Nein

Bert Römgens Foto: Alexandra Roth

Meinung

Synagoge für Neuss? Die AfD sagt Nein

Die Partei lehnt jede historische Verantwortung für die deutsche Geschichte ab

von Bert Römgens  09.07.2018 18:47 Uhr

Ende Juni besprach der Rat der Stadt Neuss einen Vertrag mit der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf/Neuss. Dieser sieht unter anderem den Bau einer Synagoge und den Ausbau des Alexander-Bederov-Gemeindezentrums vor. Wem die Förderung jüdischen Lebens in Deutschland etwas bedeutet, wird kaum etwas gegen diese Pläne haben, hieß es mehrheitlich. Entsprechend wurde auch die Stadtratssitzung von den Fraktionsspitzen genutzt, um nicht nur eine Unterstützung des Stadtvertrags auszudrücken.

Der Neusser Altbürgermeister Herbert Napp sprach von einer »Stadtreparatur der besonderen Art«, und der amtierende Bürgermeister Reiner Breuer nannte den Vertrag einen »Meilenstein in der bislang schon positiven Zusammenarbeit« mit der jüdischen Gemeinde.

Partei Überwiegend empfanden die Lokalpolitiker es als Kompliment, dass die jüdische Gemeinde sich gerade hier entfalten möchte. Zugestimmt haben CDU, SPD, FDP, Die Grünen und Die Linke. Es fehlte die Partei, die sich schon einmal als »Schutzmacht jüdischen Lebens in Deutschland« bezeichnet hat. Der AfD-Vertreter wollte dem Stadtvertrag nicht zustimmen, denn es gelte doch das Neutralitätsgebot.

Was die AfD im Rat der Stadt Neuss aufgeführt hat, ist eindeutig die Übertragung der »Vogelschiss«-Diskussion in die konkrete Lokalpolitik. Die AfD lehnt jede historische Verantwortung für die deutsche Geschichte ab. Weil in den Jahren des »Vogelschisses«, also der Naziherrschaft, alles jüdische Leben und alle jüdischen Einrichtungen eliminiert wurden, braucht es eine Synagoge und ein Gemeindezentrum. Das gilt auch aktuell: Der interreligiöse und interkulturellen Dialog ist wichtig, für ihn braucht es Begegnungsstätten.

Der Stadtvertrag wurde verabschiedet, Synagoge und Gemeindezentrum kommen, denn die demokratischen Parteien im Neusser Stadtparlament haben sich für jüdisches Leben ausgesprochen – und gegen die selbst ernannte »Schutzmacht«.

Der Autor ist Leiter des Nelly-Sachs-Hauses und Koordinator der Filialgemeinde Neuss.

Berlin

SPD-Prominente warnen vor Koalition mit der Berliner Linken

In einem offenen Brief sprechen sich Karl Lauterbach, Sigmar Gabriel, Franziska Giffey und Hunderte weitere Sozialdemokraten gegen Rot-Grün-Rot aus – vor allem wegen des Umgangs der Linken mit Antisemitismus

 01.11.2026

Mohsen Rezaei wirft bei einer Wahl im Iran seinen Stimmzettel in eine Urne

Iran-Krieg

Iran knüpft Gespräche mit den USA an sieben Bedingungen

Teheran stellt weiter Maximalforderungen für eine diplomatische Lösung des Konflikts mit den USA. Im erneuten Kriegsfall droht Teheran mit dem Einsatz neuartiger Waffen

 01.11.2026

Annegret Kramp-Karrenbauer spricht bei der Kiel Security Conference

Antisemitismus in Deutschland

Kramp-Karrenbauer warnt vor Bündnissen mit Linken oder AfD

In Berlin hat die Linke die Wahl gewonnen, in Sachsen-Anhalt die AfD. Die frühere CDU-Chefin meint, das Leben vieler Menschen würde sich massiv verändern, wenn diese die Regierung übernähmen

 01.11.2026

Elif Eralp reißt beim Landesparteitag der Linken in Berlin einen Blumenstrauß in die Höhe

Regierungsbildung in Berlin

Koalitionsgespräche von Rot-Grün-Rot in Berlin vor dem Start

Trotz bundesweiter israelfeindlicher Kontroversen hat die Berliner Linke Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen zugestimmt. Nach dem Wochenende geht es los

 01.11.2026

Überwachungskameras an der Fassade der Synagoge in Hagen, links ein Davidstern

Antisemitismus

Judenfeindliche Straftaten mit islamistischem Motiv auf Rekordniveau

Seit 2023 steigen die Zahlen rasant an. Behörden in Deutschland registrieren immer mehr antisemitische Straftaten. Viele haben einen islamistischen Hintergrund

 01.11.2026

Vanessa Emde zwischen Teilnehmern einer Kundgebung vor dem Linke-Parteitag in Berlin

Regierungsbildung in Berlin

Linker Protest gegen Linke-Führung – Abgeordnete Emde dabei

Vanessa Emde steht wegen ihrer israelfeindlichen Positionen in der Kritik und könnte aus der Berliner Linksfraktion ausgeschlossen werden. Nun taucht sie auf einer Kundgebung am Parteitagsort auf

 01.11.2026

Als Batman verkleidete Person vor brennender Mülltonne in Frankfurt

Gewalt eskaliert

Krawalle und Plünderungen in Frankfurt

Nachdem die Polizei eine zunächst friedliche Demonstration junger Menschen auflöst, eskaliert die Lage auf der Zeil – in der Menge waren auch »Viva Palästina«-Rufe zu hören

 01.11.2026

Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat bei der Abgeordnetenhauswahl 2026

Berlin

SPD-Vorstand beschließt Mitgliedervotum zu Koalitionsvertrag

Noch haben die Koalitionsverhandlungen in Berlin nicht begonnen. Klar ist aber schon, dass die Basis der drei potenziellen Regierungspartner eng eingebunden werden soll

 30.10.2026

Friedens-Mission

Woidke lobt Pferdetreck nach Jerusalem als Friedenszeichen

Sechs Monate und mehr als 3.500 Kilometer Reise durch acht Länder: Der Friedenstreck nach Jerusalem im vergangenen Jahr musste viele Hindernisse überwinden

 30.10.2026