Stuttgart

Skandal im Gericht: Anwälte proben Aufstand

Die fünf Angeklagten vor Gericht in Stuttgart-Stammheim Foto: picture alliance/dpa

Beim Prozessauftakt um den Angriff auf ein israelisches Rüstungsunternehmen ist es zu einem beispiellosen Eklat zwischen Gericht und Verteidigung gekommen. Zunächst verließen die Anwälte der fünf Angeklagten nach Verhandlungsbeginn in Stuttgart geschlossen den Saal, als die Personalien ihrer Mandanten festgestellt werden sollten. Sie hatten zuvor erfolglos versucht zu beantragen, dass die Angeklagten nicht getrennt von ihnen hinter dickem Sicherheitsglas sitzen müssen.

Nach einer zweistündigen Unterbrechung nahmen die Verteidiger dann demonstrativ selbst auf den Plätzen der Angeklagten hinter dem Sicherheitsglas Platz. Die Richterin am Landgericht Stuttgart gab ihnen fünf Minuten, um ihre vorgesehenen Plätze einzunehmen, drohte sogar mit der Möglichkeit der Entpflichtung der Anwälte - doch die Verteidiger bewegten sich kein Stück. Die Richterin brach die Sitzung ab, die Verhandlung soll in einer Woche fortgeführt werden.

Lesen Sie auch

Es ist ein politisch enorm aufgeladener Prozess. Fünf israelfeindliche Aktivisten stehen in dem streng gesicherten Gebäude in Stuttgart-Stammheim vor Gericht. Sie brachen der Anklage zufolge im vergangenen September in das israelische Rüstungsunternehmen Elbit in Ulm ein, zerstörten dort viel Inventar, sprühten die Wände voll und verursachten einen Millionenschaden.

Den drei Frauen und zwei Männern mit irischer, britischer, spanischer und deutscher Staatsangehörigkeit zwischen 25 und 40 Jahren wird nicht nur Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch vorgeworfen, sondern auch die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Sie sollen der Organisation »Palestine Action Germany« angehören.

Die Angeklagten hatten sich am Tatort im September 2025 widerstandslos festnehmen lassen und sitzen seitdem unter anderem wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. dpa/ja

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Meinung

Maccabiah ist gelebte Selbstbehauptung

Gerade jetzt ist es für jüdische Sportlerinnen und Sportler wichtig, in Israel Kraft zu tanken. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Selbstbehauptung und ein tieferes Verständnis für das Land

von Alon Meyer  30.06.2026

Berufung

Hamburg hat wieder eine Beauftragte gegen Antisemitismus

Nach Monaten der Vakanz ist das Amt wieder besetzt: Anna von Villiez wird Hamburgs neue Beauftragte gegen Antisemitismus. Ein Rechtsstreit hatte die Auswahl verzögert

von Michael Althaus  30.06.2026

Kommentar

Für Islamisten existiert kein Kindeswohl

In glühender Hitze wurden Kinder von Islamisten gefesselt durch Berlin geführt. Dass so etwas mitten in der Hauptstadt geschehen kann, ist die Folge einer fehlgeleiteten Migrationspolitik

 30.06.2026

Aufruf

Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus

Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Das NJH will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern

 30.06.2026

Interview

»Soziale Medien sind Brandbeschleuniger für Judenhass«

Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung gegen Antisemitismus, wechselt nach Paris. Am Dienstagabend zog er auf einem Podium in Berlin Bilanz. Im Interview blickt er zusätzlich auch auf Persönliches

von Leticia Witte  30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Hamburg

Mutmaßlicher Block-Entführer: »Wir sind hier wie in einer Mossad-Operation«

Im Block-Prozess wird ein Zeuge aus Israel weiter per Video befragt. Der 42-Jährige steuerte bei der gewaltsamen Rückholung der Kinder einen der Wagen. Wie er heute auf die Ereignisse blickt.

von Stephanie Lettgen  30.06.2026