Interview

»Sie duldet Antisemitismus«

Samuel Salzborn Foto: Marta Krajinovic

Herr Salzborn, Sie haben zusammen mit Sebastian Voigt eine Studie zum Antisemitismus in der Linkspartei vorgelegt. Können Sie sie kurz zusammenfassen?
In der Linkspartei sind antisemitische Positionen nicht nur weit verbreitet, sie werden von der Parteiführung auch geduldet.

Am schlagzeilenträchtigsten war zuletzt die Gaza-Flottille vor einem Jahr. Ist es normal, dass deutsche Linke da mittun?
Die Teilnahme von Inge Höger, Annette Groth und Norman Paech an der Gaza-Flottille hat uns dann doch überrascht. Dass sich mit Groth und Höger zwei Bundestagsabgeordnete an einer Aktion beteiligen, die vorhatte, in die Souveränität eines Staates einzugreifen, hat es bis dahin nicht gegeben. Selbst später gab es keine offene Diskussion darüber in der Linkspartei.

Gilt, dass »der Feind meines Feindes mein Freund ist«? Und ist beider Feind Israel?
Ich sehe darin eher ein instrumentelles Verhältnis zum Thema Antisemitismus. Geht es um Rechtsradikale in Deutschland, verurteilt die Linkspartei alle antisemitischen Bestrebungen. Stehen sie den eigenen politischen Zielen im Weg, werden sie ignoriert.

War das schon immer so?
Die Linkspartei hat zwei Geschichtsstränge: zum einen den der KPD, der bis in die Weimarer Republik zurückreicht, aber auch den des westdeutschen Antiimperialismus der 70er- und 80er-Jahre. Der heutige Antisemitismus geht vor allem von Mitgliedern im Westen aus. Und es gibt auch eine Tradition der Nichtbefassung mit diesem Problem, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Da dominiert die Haltung: »Wir sind Antifaschisten, wir können keine Antisemiten sein.«

Gab es Reaktionen der Linken?
Dort wurden die Reihen dichtgemacht und der Vorwurf des Antisemitismus grundweg abgelehnt. Dabei brodelt der Konflikt innerhalb der Partei. Viele jüngere Mitglieder und Anhänger wollen sich die Tolerierung antisemitischer Positionen nicht mehr bieten lassen. Die Führung versucht allerdings noch, jede Diskussion zu verhindern. Lange wird sie das aber nicht mehr durchhalten können.

Mit dem Gießener Sozialwissenschaftler sprach Stefan Laurin.

Teheran

Irans Außenminister behauptet, Israel wolle USA in Krieg ziehen

Irans Außenminister wirft Israel vor, die USA in einen Krieg zu locken. Was steckt hinter seinen Worten?

 14.01.2026

Kairo

Hamas-Gespräche über zweite Phase im Friedensplan für Gaza

Die Terrororganisation schickt eine Delegation nach Ägypten, um über die Umsetzung des Waffenstillstandsabkommens mit Israel zu verhandeln

 14.01.2026

Brüssel

Umgang mit Irans Revolutionsgarden spaltet EU

Die Bundesregierung wirbt in der EU für eine Terror-Listung der iranischen Revolutionsgarden. Eine Sitzung in Brüssel sorgt aber eher für Ernüchterung

 14.01.2026

Hessen

Brandanschlag auf Gießener Synagoge: Was bislang bekannt ist

Ein 32-jähriger Mann hat am Dienstag vor der Beith-Jaakov-Synagoge einen Papiercontainer in Brand gesetzt und den Hitlergruß gezeigt. Die Jüdische Gemeinde zu Gießen vermutet einen antisemitischen Hintergrund

von Michael Thaidigsmann  14.01.2026

Thüringen

Juden fordern klare Haltung zu Iran-Protesten

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm, zeigt sich solidarisch mit den Demonstranten im Iran und wirbt für deren Unterstützung

 14.01.2026

Teheran

Irans Führung mobilisiert Anhänger für Trauerzüge

Im Iran kehrt nach den Massenprotesten wieder mehr Ruhe ein. Die politische Führung mobilisiert Anhänger für Trauerzeremonien für getötete Sicherheitskräfte

 14.01.2026

Frankreich

Macron empört über Schulbuch-Formulierung zum 7. Oktober

Eine Publikation des renommierten Verlags Hachette sorgt in Frankreich für Wirbel. Jetzt hat sich auch der französische Staatspräsident in die Debatte eingeschaltet

 14.01.2026

Berlin

Demonstranten entfernen Flagge der iranischen Botschaft

Seit Ende Dezember gibt es anhaltende Proteste im Iran. Menschenrechtsorganisationen berichten von Tausenden Toten. In Berlin drangen Personen auf das Gebiet der Botschaft ein

 14.01.2026

Berlin

Grüne Woche: Welche Rolle spielte die Messe im Nationalsozialismus?

Die Landwirtschaftsmesse hat sich in den 100 Jahren ihres Bestehens verändert. Wie sie zu ihrem Namen kam und welche Rolle sie in Nazi-Deutschland spielte

von Matthias Arnold  14.01.2026