Holocaust-Gedenken

Schuster verurteilt Höcke

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: ZR

Zentralratspräsident Josef Schuster hat die Rede des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke in Dresden scharf verurteilt. »Das Berliner Holocaust-Denkmal als ›Denkmal der Schande‹ zu bezeichnen, wie es Björn Höcke getan hat, ist zutiefst empörend und völlig inakzeptabel«, sagte Schuster am Mittwoch.

»Damit tritt Björn Höcke das Andenken an die sechs Millionen ermordeten Juden mit Füßen und relativiert das schwerste und in diesem Ausmaß einzigartige Menschheitsverbrechen der Geschichte. Die AfD zeigt mit diesen antisemitischen und in höchstem Maße menschenfeindlichen Worten ihr wahres Gesicht«, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland weiter: »Dass 70 Jahre nach der Schoa solche Aussagen eines Politikers in Deutschland möglich sind, hätte ich nicht zu glauben gewagt.«

»Denkmal der Schande« Offenbar unter Bezug auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin hatte Höcke auf einer Veranstaltung der »Jungen Alternative« am Dienstagabend in Dresden gesagt: »Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.«

Zudem hatte der AfD-Politiker behauptet, der deutsche Gemütszustand bis jetzt sei der »eines brutal besiegten Volkes«. Die deutsche Geschichte werde »mies und lächerlich gemacht«. Die »führenden Altparteien-Politiker« verglich Höcke mit »Apparatschiks« und Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem ehemaligen Staatsratsvorsitzenden der DDR, Erich Honecker. Merkels Regierung sei »zu einem Regime mutiert«. Die Zuhörer quittierten die Rede des AfD-Politikers mit »Merkel muss weg«- Rufen.

Strafanzeige Unterdessen hat die SPD-Bundestagsabgeordnete Michaela Engelmeier den Thüringer AfD-Vorsitzenden wegen Volksverhetzung angezeigt. Auf Facebook schrieb Engelmeier am Mittwoch: »Es reicht, Herr Höcke! Immer nur reden und empört aufschreien hilft nicht viel. Daher habe ich mich entschlossen, gegen Herrn AFD Höcke Strafanzeige zu stellen. Volksverhetzung ist ein schwerwiegender Straftatbestand!«

Der Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft, Claus Bogner bestätigte auf epd-Anfrage, dass eine Anzeige eingegangen sei. Diese werde nun auf strafrechtliche Relevanz geprüft. Wenn Ermittlungen aufgenommen würden, müsste die Immunität des AfD-Politikers aufgehoben werden, so Bogner.

Verfassungsschutz Der Thüringer Verfassungsschutz erwägt die Beobachtung des AfD-Politikers Höcke. »Wir prüfen die Rede und die Reaktionen darauf in der Partei«, sagte der Verfassungsschutz-Chef Stephan Kramer am Donnerstag der »tageszeitung«. Der Präsident des Bundesverfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, hatte eine Beobachtung wiederholt abgelehnt: Dafür fehlten die Voraussetzungen, hieß es.

Der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, forderte von dem AfD-Politiker eine Entschuldigung. »Wir alle wissen, wohin die menschenverachtende Ideologie in Deutschland geführt hat. Es ist eine Schande, dass unter uns Menschen sind, die falsche Konsequenzen aus der deutschen Geschichte ziehen wollen.« Äußerungen wie die von Höcke dürften keinen Platz haben in einem demokratischen Deutschland, das heute für Vielfalt, Toleranz und Freiheit stehe. »Eine Entschuldigung bei allen Opfern des Nationalsozialismus wäre angebracht, zuerst bei den im industriellen Massenmord umgekommenen sechs Millionen Juden.«

ausschlussverfahren Maram Stern, stellvertretender Geschäftsführer des Jüdischen Weltkongresses (WJC) und Leiter des WJC-Europabüros in Brüssel, nannte Höckes Aussagen in Dresden »absolut schockierend« und forderte die AfD-Führung auf, sofort zu handeln und ein Ausschlussverfahren gegen ihn einzuleiten.

»Wenn jemand wie Höcke trotz dieser Aussagen ein führendes AfD-Mitglied bleiben darf, dann zeigt das nur, mit was für einer seltsamen Partei wir es da zu tun haben. Die AfD kann nicht beides gleichzeitig sein, Sammelbecken für Rechtsextreme und völkisch-nationalistisch gesinnte Propagandisten einerseits und demokratische Partei andererseits«, so Stern weiter.

Wer einem wie Höcke und seinen widerwärtigen Parolen zujubele, wie in Dresden geschehen, der habe den Boden des Grundgesetzes verlassen, sagte Stern. Er fügte hinzu: »Ich bin gespannt, ob die AfD-Spitze willens und in der Lage ist, Höcke und seine Anhänger in die Schranken zu weisen, anstatt nur abzuwiegeln.« ja/sl/epd

Prag

Tschechisches Außenministerium bestellt nach Drohungen iranischen Botschafter ein

Irans Militär nennt persischsprachige Exilmedien als mögliche Angriffsziele. Wie der EU- und Nato-Mitgliedstaat Tschechien auf die neue Bedrohungslage reagiert

 27.08.2026

Sachsen-Anhalt

Mehrere Siegmund-Vertraute haben Nazi-Vergangenheit und damit kein Problem

Nach Berichten von »Welt« und »Spiegel« waren mehrere enge Vertraute von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in der 2009 verbotenen Neonazi-Organisation »Heimattreuer Deutsche Jugend« (HDJ) aktiv. Nach der Wahl könnten sie Minister werden

 27.08.2026

»Artgemeinschaft«

Durchsuchungen bei Unterstützern von rechtsextremem Verein

Bei den Razzien in fünf Bundesländern wurden auch Wohnungen von zwei AfD-Kandidaten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt durchsucht

 27.08.2026

Schweiz

Gewalt-Demo gegen Israel in Basel verboten

Die Polizei hält die geplante Anti-Israel-Demo, bei der die Organisatoren »Tod dem Zionismus« wünschen, für nicht bewilligungsfähig

von Nicole Dreyfus  27.08.2026

Magdeburg

AfD legt weiter zu

In einer neuen Wahlumfrage von Infratest dimap steht die Rechtsaußenpartei in Sachsen-Anhalt bei 42 Prozent

 27.08.2026

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  27.08.2026

Nahost

Sechs Monate Iran-Krieg: Eskalation oder Frieden?

Bombardierungen, Sanktionen, Verhandlungen: Ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn zeichnet sich zwischen den USA und dem Iran kein Frieden ab. Wo der Konflikt heute steht - und wie es weitergehen könnte

von Arne Bänsch, Jan Christoph Freybott  27.08.2026

Gesetzesinitiative

Bundesregierung distanziert sich von Hessens Vorstoß, Israel-Leugnung zu kriminalisieren

Vielleicht gut gemeint, aber nicht gut gemacht - so blickt die Bundesregierung auf einen Bundesratsvorschlag zur Strafbarkeit der Leugnung des Existenzrechts Israels. Aus Hessen kommt Widerspruch

 27.08.2026

Nahost

Weiterer Tanker in der Straße von Hormus angegriffen

Der Iran blockiert den Schiffsverkehr durch die für den globalen Ölhandel wichtige Meerenge immer noch weitestgehend. Erneut wird ein Tanker zum Ziel eines Angriffs

 27.08.2026