AfD

Schuster für schärfere Überwachung

Björn Höcke, Partei- und Fraktionschef der AfD in Thüringen, bei einer Rede 2016 Foto: dpa

Zentralratspräsident Josef Schuster hat sich dafür ausgesprochen, Teile der AfD überwachen zu lassen. Das sagte Schuster dem »Tagesspiegel« (Donnerstagsausgabe). »Nach den Äußerungen von einzelnen Funktionären halte ich es für notwendig, Teile der AfD zu beobachten – gegebenenfalls auch durch den Verfassungsschutz«, so Schuster.

Gedenkstätten Der Präsident des Zentralrats der Juden reagierte damit auf mehrere Vorstöße der rechtspopulistischen Partei aus den vergangenen Tagen. So hatte die baden-württembergische AfD-Landtagsfraktion beantragt, der NS-Gedenkstätte Gurs Fördergelder in Höhe von 120.000 Euro zu streichen. In das 1939 errichtete Lager am Fuße der Pyrenäen waren Juden aus dem badischen Landesteil deportiert worden. Außerdem soll es laut dem Willen der AfD in Baden-Württemberg für Schüler keine Fahrten zu Gedenkstätten des nationalsozialistischen Unrechts mehr geben, sondern nur noch Exkursionen zu »bedeutsamen Stätten der deutschen Geschichte«.

In der vergangenen Woche hatte der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke in einer für viel Empörung sorgenden Rede in Dresden das Holocaust-Mahnmal in Berlin als »Denkmal der Schande« bezeichnet und eine »erinnerungspolitische Wende um 180 Grad« gefordert. Der AfD-Bundesvorstand prüft deshalb parteiliche Ordnungsmaßnahmen gegen Höcke, warf ihn aber nicht aus der Partei. Es sei bedenklich, dass die AfD sich lediglich mit Worten distanziere, sagte Schuster dem Tagesspiegel: »Die Äußerungen, die Höcke hier getätigt hat, hätte er genauso gut in der NPD tätigen können.«

Rechtsextremismus Bereits am Montag hatte Schuster sich zur Entscheidung der Parteispitze im Fall Höcke geäußert: »Die Entscheidung, einen Mann in den eigenen Reihen zu lassen, der die Ideologie von Rechtsextremisten vertritt und verbreitet, spricht für sich.«

Auch in Stuttgart habe sich die Landtagsfraktion im vergangenen Jahr nicht dazu durchringen können, Wolfgang Gedeon aus der Fraktion auszuschließen, kritisierte Schuster. Der Zentralratspräsident bewertet Gedeon als Holocaust-Leugner, »weil er in der Vergangenheit Dimension, historische Bedeutung und Einordnung des Holocaust bagatellisiert und relativiert hatte«. Zusammen mit dem Antrag der Stuttgarter AfD-Landtagsfraktion, Fördergelder für die Gedenkstätte Gurs zu streichen, »ergibt sich hier wie bei einem Puzzle das Bild einer Partei, die sich immer mehr vom Rechtspopulismus auf dem Weg zum Rechtsextremismus befindet«, sagte Schuster.

Jörg Meuthen Jörg Meuthen, Fraktionsvorsitzender der AfD im baden-württembergischen Landtag, hatte zu den jüngsten Äußerungen Höckes laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gesagt: »Damit bezeichnet er nicht das Holocaust-Denkmal selbst als Schande, sondern er sagt, es ist ein Mahnmal der deutschen Schande, der Gräueltaten des Zweiten Weltkrieges.«

Bereits am Freitag hatte eine Sitzung des AfD-Bundesvorstands in Berlin stattgefunden. Nach Informationen der »Thüringer Allgemeinen« soll sich dabei eine Mehrheit der anwesenden Mitglieder für ein Ausschlussverfahren gegen Björn Höcke ausgesprochen haben. Meuthen sei unter den Gegnern gewesen. Der entsprechende Antrag soll vom Vorstandsmitglied Alice Weidel aus Baden-Württemberg eingebracht worden sein.

Stellungnahme Der Landesvorstand und die Landtagsfraktion der AfD Thüringen hatten am Freitagabend eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht. In ihr heißt es unter anderem, der Massenmord an den Juden während der Schoa sei »untrennbar mit der deutschen Geschichte verbunden«. Daraus erwachse für Deutschland eine Verantwortung, der sich Fraktion und Vorstand stellten. »Wir wenden uns gegen alle Versuche, das Gegenteil in die Positionen der AfD und ihres Landessprechers Björn Höcke hineinzuinterpretieren«, hieß es weiter. ja/epd

www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/27838

Meinung

Orden für den Botschafter: Wie Leo XIV. Irans Regime aufwertet

Mit seinem Orden für den iranischen Botschafter beim Heiligen Stuhl verpasst der Papst den Menschen im Iran symbolisch einen Tritt in die Magengrube

von Michael Thaidigsmann  13.05.2026

Meinung

Linke Luftnummer

Der Fünf-Punkte-Plan gegen Antisemitismus der Berliner Linken ist heuchlerisch. Die Partei ist derzeit nämlich nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems

von Ralf Balke  13.05.2026

TikTok

Antisemitismus per Algorithmus

Antisemitische Inhalte auf der Social-Media-Plattform treten häufig codiert auf. Reichweitenstarke Beiträge sind oft uneindeutig und werden erst im Kontext als antisemitisch erkannt

 13.05.2026

Meinung

Was Sachsen-Anhalt im Herbst droht

Nach den aktuellen Umfragen ist eine Alleinregierung für die AfD zum Greifen nah. Was das allein für die Erinnerungspolitik bedeuten würde, konnte man zuletzt an der Reaktion der Landespartei auf den 8. Mai beobachten

von Mascha Malburg  13.05.2026

Berlin

Ulf Poschardt gibt Herausgeber-Position bei »Welt« auf

Die Hintergründe

von Steffen Trumpf  13.05.2026

Kommentar

Warum Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis gerade jetzt verdient hat

Dass der Zentralrat der Juden den Kabarettisten ehrt, sendet ein wichtiges Signal weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus

von Ahmad Mansour  13.05.2026

London

Sie »fischten« mit Geld nach Juden: Zwei Männer verurteilt

»Fishing for Jews« mit einer Angel, an der ein Geldschein hängt: Im Stadtteil Stamford Hill, in dem viele Charedim wohnen, werden die Verdächtigen von den Shomrim gestellt und später festgenommen

 13.05.2026

Teheran

Weitere Hinrichtung im Iran nach Spionagevorwürfen

Die iranische Justiz hat in den vergangenen Wochen viele Männer exekutieren lassen. Nun wird wieder ein Todesurteil vollstreckt

 13.05.2026

Bern

Mengele-Akten endlich öffentlich

Der Schweizer Nachrichtendienst blockierte den Zugang zu diesen Unterlagen jahrzehntelang. Nun wird diese Sperre aufgehoben

von Nicole Dreyfus  13.05.2026