Debatte

Schuster: AfD-Regierung wäre für Juden das Signal zur Auswanderung

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: Marco Limberg

Debatte

Schuster: AfD-Regierung wäre für Juden das Signal zur Auswanderung

Die hohen Zustimmungswerte der AfD machen gerade Juden besorgt. Zentralratspräsident Josef Schuster erinnert an die 1930er Jahre: Auch in der NS-Zeit hätten viele Juden lange nicht für möglich gehalten, was dann folgte

von Christoph Schmidt  07.05.2025 22:58 Uhr

Eine Regierungsbeteiligung der AfD würde nach Ansicht des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, die Zukunft des deutschen Judentums ernstlich bedrohen. »Dann müssten der Zentralrat und ich als sein Präsident uns die Frage stellen, ob wir nicht jüdische Menschen in Deutschland zur Auswanderung auffordern müssen«, sagte Schuster der »Süddeutschen Zeitung« (Donnerstag).

»Klar, ich hoffe, dass das nicht eintritt, aber wenn, welches glaubhafte Signal sollte es dann noch geben, dass jüdisches Leben in Deutschland weiter als gesichert angesehen werden kann?«, so Schuster weiter. In den 1930er Jahren hätten sich Juden in Deutschland sicher und integriert gefühlt. »Und wir wissen, wohin es geführt hat.« Es dürfe nicht dazu kommen, dass Juden aus falschem Vertrauen wieder in eine unvorhersehbare Situation gerieten.

Lesen Sie auch

In Deutschland gebe es eine lebendige Erinnerungskultur, auch wenn nicht überall einheitlich gut verankert. »Für die Schlussstrich-Mentalität habe ich kein Verständnis«, betonte Schuster auch mit Blick auf zunehmende Wissenslücken über die Schoa. Wenn 15 Prozent der jungen Deutschen heute glaubten, im Holocaust seien nicht sechs, sondern zwei Millionen Jüdinnen und Juden ermordet worden, seien die Schulen gefordert. »Aber auch die Gesellschaft insgesamt.«

Beim Antisemitismus habe sich in Deutschland nach dem Terrorüberfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem folgenden Gaza-Krieg eine Querfront gebildet, beklagte Schuster. »Linksextremer, muslimisch-islamistischer und rechtsextremer Judenhass, und das Ganze geht bis in die Mitte der Gesellschaft.« Hier habe eine Entwicklung, die offensichtlich unterschiedlich verlaufen sei, jetzt ein Ventil gefunden.

Extremismus

AfD: Björn Höcke zitiert abermals Nazi-Parole

Der AfD-Politiker Höcke ist wegen einer verbotenen Nazi-Parole bereits verurteilt worden. Jetzt prüft die Polizei einen neuen Vorfall. Doch Abgeordnete stehen unter besonderem Schutz

 06.02.2026

München

Jüdische Gemeinde erhält Drohbrief mit Patrone

Der Staatsschutz der bayerischen Polizei ermittelt

von Imanuel Marcus  06.02.2026

Berlin/Gießen

Nach Rede im Hitler-Stil: AfD will Mitglied rauswerfen

Mit seiner Rede, die an Adolf Hitler erinnerte, sorgte Alexander Eichwald beim AfD-Jugendkongress für Aufregung. Jetzt droht ihm der Parteiausschluss

 06.02.2026

Berlin

Julia Klöckner reist nach Israel

Die Bundestagspräsidentin will sich mit Regierungs- und Oppositionsvertretern austauschen, nach Yad Vashem und zum Nova-Festival-Memorial fahren

 06.02.2026

Kommentar

Strafanzeige als PR-Gag?

Laut und verwegen ist der Genozid-Vorwurf einer Schweizer Gruppierung gegen den Schweizer Bundesrat Ignazio Cassis. Mit einer Rechtsdebatte hat es aber nichts zu tun

von Nicole Dreyfus  06.02.2026

Bundesrat Ignazio Cassis muss sich in Den Haag verantworten.

Den Haag

Schweizer Bundesrat wegen Völkermord angezeigt

Eine Gruppe Schweizer Anwälte wirft Außenminister Ignazio Cassis Beihilfe zu Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord vor

von Nicole Dreyfus  06.02.2026

New York

Epstein-Dokumente befeuern antisemitische Verschwörungsmythen in sozialen Medien

Einer JTA-Recherche zufolge nutzen Rechtsextreme, aber auch Akteure aus anderen politischen Lagern, einzelne Passagen, um altbekannte Narrative über angebliche jüdische Machtstrukturen neu zu befeuern

 06.02.2026

Frankfurt am Main

Nach Antisemitismusvorwurf gegen RTL: Experte fordert Schulungen in Medien

Der Experte Samuel Stern fordert mehr Schulungen und Workshops gegen Antisemitismus in Medienhäusern und Fernsehsendern

 06.02.2026

London

Keir Starmer entschuldigt sich bei Epstein-Opfern

Der Premierminister: »Es tut mir leid, was Ihnen angetan wurde.«

 06.02.2026