Brüssel

Schoa-Überlebende im EU-Parlament: Alle Kinder sollen leben dürfen

Die Holocaust-Überlebende Tatiana Bucci, 88, sprach vor dem Europäischen Parlament Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Anlässlich des Holocaust-Gedenktages hat die Auschwitz-Überlebende Tatiana Bucci das weltweite Verschleppen von Kindern verurteilt. »Ich bin nicht mehr jung, ich bin 88 Jahre alt. Ich würde mir wünschen, dass alle Kinder der Welt so alt werden wie ich«, sagte sie am Dienstag im Europaparlament in Brüssel. Alle Kinder sollten die Chance auf ein Leben haben wie sie selbst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Im Rahmen der Gedenkfeier des Parlaments an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 erzählte Bucci aus ihrem Leben. Sie überlebte gemeinsam mit ihrer Schwester Andra die Schoah. Diese war vier Jahre, Tatiana sechs, als sie nach Auschwitz deportiert wurden. Die Abgeordneten zollten ihr fraktionsübergreifend mit stehendem Applaus Respekt. Zur Schweigeminute für die Opfer des Holocausts am Ende der knapp einstündigen Gedenkfeier hatten viele Abgeordnete den Saal bereits verlassen.

»Nie wieder« muss Entscheidungen leiten

Parlamentspräsidentin Roberta Metsola warnte vor Antisemitismus. Er breite sich heute schneller aus als jemals zuvor, auch durch das Internet und Soziale Medien. Lügen verbreiteten sich in Sekunden und alte Verschwörungsmythen würden wiederbelebt, mahnte Metsola. Sie erinnerte an den Anschlag auf Jüdinnen und Juden beim Chanukka-Fest in Australien im Dezember.

»Es ist an uns, uns dem Hass entgegenzustellen, egal wo er passiert«, so Metsola. Das Europäische Parlament werde für immer erinnern und immer die Stimme erheben. Wenn »nie wieder« wirklich etwas bedeuten solle, müsse es die heutigen Entscheidungen leiten, so die Politikerin aus Malta, die während Buccis Rede sichtlich bewegt war.

Eine europäische Biografie

Tatiana Bucci wurde 1938 in Fiume geboren, einer Stadt im damaligen Norditalien, die heute zu Kroatien gehört. 1944 verhafteten die Nationalsozialisten sie und ihre Familie und deportierten sie, weil sie jüdisch waren. Tatiana und ihre Schwester gehören zu den jüngsten Kindern, die Auschwitz überlebten und sich an ihre Erfahrungen erinnern können, wie das Parlament im Vorhinein der Gedenkveranstaltung mitteilte. Nach der Befreiung wurden die Schwestern in ein Waisenhaus in England geschickt. Im Dezember 1946 wurden sie in Italien mit ihren Eltern wiedervereint. Bucci lebt heute in Belgien.

In Auschwitz-Birkenau wurden schätzungsweise 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen ermordet. Insgesamt starben während des Zweiten Weltkrieges 1939 bis 1945 rund sechs Millionen Juden durch die Massenvernichtung der Nationalsozialisten.

Sachsen-Anhalt

Erneut antisemitische Vorfälle an Kunsthochschule Halle

An der Kunsthochschule Halle tauchen antisemitische Aushänge auf. Die Hochschule prüft rechtliche Schritte und will den Dialog mit der Jüdischen Gemeinde stärken

 05.05.2026

London

Weiterer Brandanschlag in London - Starmer warnt den Iran

Nach mehreren antisemitischen Angriffen untersuchen die britischen Behörden mögliche Verbindungen nach Teheran. Am Morgen kommt es zu einem weiteren Zwischenfall

 05.05.2026

Erfurt

AfD-Parteitag: Protest, Sperrungen, Störaktionen erwartet

Für das AfD-Treffen in Erfurt rechnet die Polizei mit Demonstrationen. Im Vorfeld gab es bereits Kritik am Datum: Genau 100 Jahre zuvor hatte die NSDAP ihren zweiten Reichsparteitag in Thüringen abgehalten

 05.05.2026

Potsdam

Volksverhetzung: Arafat Abou-Chaker vor Gericht

»Für mich ist Adolf Hitler besser als Netanjahu«, soll der Angeklagte gesagt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Volksverhetzung vor

 05.05.2026

London

Starmer lädt zu Antisemitismus-Gipfel in Downing Street

Der Premier will Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu einem Spitzentreffen in London zusammenbringen. Ziel ist es, Strategien gegen Judenhass zu entwickeln

 05.05.2026

Washington D.C.

Obama kritisiert Netanjahu-Kurs und warnt vor Eskalation im Nahen Osten

Der frühere Präsident sagt, vor Jahren habe Netanjahu ihm gegenüber ähnliche Argumente für ein militärisches Vorgehen gegen den Iran vorgebracht, wie später gegenüber Trump

 05.05.2026

USA

Antisemitische Schmierereien erschüttern New York

In Queens werden Hakenkreuze und Hitler-Parolen auf Gebäude gesprüht – darunter auch religiöse Einrichtungen und private Wohnhäuser

 05.05.2026

Washington

Waffenruhe zwischen Iran und USA wackelt

Nach neuen militärischen Zwischenfällen in der Straße von Hormus will sich US-Präsident Trump nicht festlegen, ob die Vereinbarung mit Teheran noch Bestand hat

 05.05.2026

Teheran

US-Geheimdienste: Irans Atomprogramm wurde kaum gebremst

Offenbar bleibt das Teheraner Regime weiterhin nur ein Jahr davon entfernt, eine Nuklearwaffe herstellen zu können. Diese Bewertung galt bereits nach den Militärschlägen im Sommer 2025

 05.05.2026