Meinung

Schnitt in die richtige Richtung

Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, fand am vorigen Dienstag im Bundesjustizministerium die Anhörung zur Knabenbeschneidung statt. Nach der Sitzung des Deutschen Ethikrates mit ihren verschiedenen Interpretationen und Zuspitzungen in den Medien befassten sich weitere Experten damit, wie die geforderte Rechtssicherheit für religiös motivierte Beschneidungen juristisch hergestellt werden kann. Es scheint sich nun eine allgemeine Regelung der medizinisch nicht indizierten Knabenbeschneidung abzuzeichnen.

Im Bundesjustizministerium wird gegenwärtig daran gearbeitet, sie in konkrete Form zu gießen: Nahe läge es, die Bestimmungen über den Umfang des elterlichen Sorgerechts im Bürgerlichen Gesetzbuch durch einen entsprechenden Absatz zu ergänzen. Damit würden, im Unterschied zu der ebenfalls erwogenen Regelung im Gesetz über die religiöse Kindererziehung, nicht nur religiös motivierte Beschneidungen von der gesetzlichen Klarstellung erfasst, sondern auch solche, die die Eltern aus hygienischen, prophylaktischen oder ästhetischen Gründen vornehmen lassen möchten.

formulierung Der Vorteil einer umfassenden Vorschrift wäre, dass der Debatte ein Teil der Emotionalität genommen wäre. Das würde die Erfolgsaussichten eines entsprechenden Gesetzesentwurfs erhöhen. Die Schwierigkeit liegt jedoch darin, eine Formulierung zu finden, die allen beteiligten Interessen gleichermaßen gerecht wird. So müsste, wie sich aus der Religionsfreiheit ergibt, die Brit Mila durch einen Mohel und in der traditionellen Form weiterhin erlaubt sein.

Bei einer nicht religiös motivierten Beschneidung sind hingegen keine Gründe ersichtlich, warum von der klassischen medizinischen Art der Knabenbeschneidung abgewichen werden sollte. Die Kunst und Herausforderung besteht deshalb bei einer allgemeinen Regelung darin, die entsprechende Vorschrift so zu formulieren, dass sie allen Konstellationen gerecht wird.

Die derzeitigen Erwägungen des Bundesjustizministeriums gehen grundsätzlich in die richtige Richtung. Allerdings ist Rechtssicherheit erst mit der Verabschiedung des Gesetzes im Bundestag erreicht. Der politische Prozess sollte deshalb weiter aufmerksam und kritisch begleitet werden.

Die Autorin ist Verfassungsrechtlerin an der Universität Trier.

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 02.11.2026

Berlin

SPD nominiert Michel Friedman für Bundesversammlung

Der Publizist darf damit über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier abstimmen

 02.11.2026

Frankfurt am Main

»Zeit ist’s!«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach zur Eröffnung der Jüdischen Akademie in der Mainmetropole. Wir dokumentieren seine Rede

von Frank-Walter Steinmeier  02.11.2026

Berlin

Koalitionsverhandlungen für Rot-Grün-Rot beginnen

Sechs Wochen nach der Wahl starten Linke, Grüne und SPD in Berlin ihre Koalitionsverhandlungen. Viele Fragen sind noch offen – und Scheitern ist jederzeit möglich.

 02.11.2026

Jugendproteste

Prien: Bei Krawallen nach »Gen Z«-Protesten die Realität betrachten

Die Jugendministerin Prien spricht von »weitestgehend friedlichen Demonstrationen« am Samstag. Was danach geschah, nennt sie »Gewaltexzesse von linksradikalen Gruppen«. Es seien wohl auch Menschen »aus migrantischen Milieus« beteiligt gewesen

 02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Endlich nimmt ein Verwaltungsgericht die Einschüchterung jüdischer Studierender ernst

Ein Kommentar

von Annabelle Ganapol  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026

Robert F. Kennedy Jr. spricht an einem Rednerpult vor einer Wand mit dem Schriftzug MAHA

USA

Kennedy verteidigt Rede über Araber und lobt Juden

Der US-Gesundheitsminister weist Rassismusvorwürfe zurück und fragt, warum die Welt Juden hasse und Islamisten umarme

 01.11.2026