Offenbach

»Schlechtes Gewissen«

Rabbiner Menachem Mendel Gurewitz Foto: georg-foto.de

Die Polizei hat die Tatverdächtigen identifiziert, die vor über zwei Wochen in Offenbach Rabbiner Menachem Mendel Gurewitz angegriffen hatten. Wie die Staatsanwaltschaft Darmstadt am Dienstag mitteilte, handelt es sich bei dem Haupttatverdächtigen um einen 14-Jährigen aus Offenbach. Nachdem der Vorfall für Aufmerksamkeit gesorgt hatte, habe er »offenbar ein schlechtes Gewissen« bekommen, heißt es in einer Erklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei.

Der Jugendliche meldete sich und machte eine umfangreiche Aussage. Seiner Schilderung nach setzte sich die Gruppe aus Kindern und Jugendlichen aus Offenbach und Umgebung zusammen. Die elf bis 15 Jahre alten Verdächtigen sollen einen »nordafrikanischen Migrationshintergrund« haben.

ermittlungen Nach bisherigen Ermittlungen gibt es bezüglich der antisemitischen Äußerungen, mit denen der Rabbiner in einem Einkaufszentrum beschimpft wurde, widersprüchliche Aussagen. Der 14 Jahre alte Jugendliche, der sich als Haupttäter bezeichnet, erklärte während seiner Vernehmung, dass ihm das Ganze sehr leidtue. Er wolle sich bei dem Rabbiner für sein Verhalten und das seiner Freunde entschuldigen.

Rabbiner Gurewitz hatte nach dem Vorfall am verkaufsoffenen Sonntag wegen antisemitischer Beleidigung, Körperverletzung und Nötigung Anzeige erstattet. In einer ersten Pressemitteilung der Polizei hieß es: »Noch unklar sind die Hintergründe eines Vorfalles, der sich am Sonntagabend gegen 19 Uhr in der Großen Marktstraße ereignet haben soll.

polizei Wie der 39 Jahre alte Anzeigenerstatter später gegenüber der Polizei schilderte, habe ihm eine Gruppe von sechs bis acht südländisch aussehenden Jugendlichen an einer Einkaufspassage etwas hinterhergerufen. Als der 39-Jährige daraufhin die jungen Leute fotografierte, forderten diese ihn energisch auf, die Bilder zu löschen – was er später auch machte.« Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde kritisierte daraufhin, dass der antisemitische Hintergrund ebenso unerwähnt blieb wie die Rolle des Sicherheitspersonals.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, nannte den Angriff auf Rabbiner Gurewitz beschämend und bestürzend. »Dass jemand, nur weil er durch seine Kleidung als Jude erkennbar ist, rüde beschimpft und bedroht wird, ist einfach nicht zu akzeptieren und eine schreckliche Schande für uns alle.« Dass obendrein noch das Sicherheitspersonal des Einkaufszentrums so eklatant versagt habe, sei ein ganz besonderer Skandal und nicht zu rechtfertigen.

Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat bei der Abgeordnetenhauswahl 2026

Berlin

SPD-Vorstand beschließt Mitgliedervotum zu Koalitionsvertrag

Noch haben die Koalitionsverhandlungen in Berlin nicht begonnen. Klar ist aber schon, dass die Basis der drei potenziellen Regierungspartner eng eingebunden werden soll

 30.10.2026

Friedens-Mission

Woidke lobt Pferdetreck nach Jerusalem als Friedenszeichen

Sechs Monate und mehr als 3.500 Kilometer Reise durch acht Länder: Der Friedenstreck nach Jerusalem im vergangenen Jahr musste viele Hindernisse überwinden

 30.10.2026

Meinung

Elif Eralp und der »Spiegel«: Alles nur eine böse rechte Kampagne!

Die Spitzenkandidatin der Linken in Berlin offenbart aus Versehen ihre Angst vor dem Umfeld der eigenen Partei – und entlarvt den Vorwurf, Opfer einer Kampagne zu sein

von Wiebke Hollersen  30.10.2026

Iran-Krieg

Katarische Unterhändler in Teheran zu Gesprächen

Inmitten von Spannungen und Angriffen auf Schiffe in der Straße von Hormus mehren sich diese Woche diplomatische Besuche im Iran. Jetzt sind Vertreter aus Katar eingetroffen

 30.10.2026

Wahl in Israel

Josef Schuster: Regierungswechsel in Israel könnte förderlich sein

Äußerungen rechtsradikaler Minister in Israel sind nicht akzeptabel, sagt der Präsident des Zentralrats der Juden. Was ein möglicher Regierungswechsel im Land für die deutsch-israelischen Beziehungen bedeuten könnte

von Leticia Witte  30.10.2026

SPIEGEL-Affäre

Eralp zu Angst-Eingeständnis: Nehme Rat von Behörden ernst

Mit schriftlichen Anmerkungen zu einem Interview sorgt die Berliner Linken-Frontfrau für Aufsehen. Nun bezieht sie selbst Stellung - und führt ihr Handeln auf den Rat der Sicherheitsbehörden zurück

 30.10.2026

Berlin

Thorsten Frei fordert Abbruch der Koalitionsverhandlungen mit Linken

»Wer in den eigenen Reihen die Zusammenarbeit mit Hamas-Sympathisanten duldet, kann nicht glaubwürdig Verantwortung für die Sicherheit von Millionen Berlinern übernehmen«, so der Fraktionschef der Bundestagsunion

 30.10.2026

Debatte

Nach Eralp-Veröffentlichung: Jetzt meldet sich der »Spiegel« zu Wort

 30.10.2026

Rheinland-Pfalz

CDU, SPD und Grüne fordern Schulterschluss gegen Antisemitismus

Nachdem in einem Brief an die Jüdische Gemeinde Speyer gedroht wurde, die Synagoge in die Luft zu sprengen, wollten die Fraktionen ein Zeichen setzen

 30.10.2026