Meinung

Schlechte Noten für die GEW

Lisa Scheremet Foto: Uwe Steinert

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist ein Dachverband für Lehrer und Erzieher, eine Berufsgruppe also, die zu Neutralität und Objektivität verpflichtet ist. Bei der Veröffentlichung des Artikels eines niedersächsischen Lehrers, der in einer Publikation der GEW Oldenburg von »ethnischer Säuberung« durch Israel spricht, scheint die GEW es damit jedoch nicht so ernst zu nehmen.

Die Frage, was das Thema mit der GEW zu tun habe, beantwortet der Verfasser mit demselben Eifer, der auch dem übrigen Text zugrunde liegt: Es gehe um die palästinensischen Kinder, die »Isolierhaft, brutale Verhöre und Schläge« durch israelische Soldaten erdulden müssten. Das habe der Autor selbst erlebt.

propaganda Der Text ist Anti-Israel-Propaganda pur, einseitig und völlig aus dem Kontext gerissen: eine vier Seiten lange subjektive Schilderung eines Konflikts, der über 100 Jahre alt und äußerst komplex ist. Auch die Stellungnahme des GEW-Kreisverbandes Oldenburg lässt an der pädagogischen Einstellung der Gewerkschaft zweifeln.

So wird darin etwa mit »Vielfalt«, »Demokratie« und »Pluralität« argumentiert. Die GEW sei das »Sprachrohr aller Mitglieder, deren Positionen ruhig abweichend sein dürfen«. Außerdem habe man vor der Veröffentlichung den Inhalt des Aufsatzes nicht zur Kenntnis genommen. Immerhin wurde in einer zweiten Stellungnahme der Fehler eingeräumt, für BDS geworben und den Artikel publiziert zu haben.

nachgeschmack Wie soll man von Schülern eine ehrliche, verantwortungsvolle Auseinandersetzung mit Konfliktthemen erwarten, wenn das nicht einmal vernünftige und gebildete Erwachsene – zumal Lehrer – bewältigen? Die GEW Oldenburg sollte objektiv bleiben und beide Seiten aufzeigen. Sonst passiert das, was man auf vielen Schulhöfen Deutschlands beobachten kann: eine Indoktrination all jener, die keine Ahnung vom Nahostkonflikt haben und lediglich eine Sichtweise erleben – zu Hause, von Mitschülern, auf Al Jazeera. Zum Abbau von Vorurteilen führt die Vorgehensweise der GEW Oldenburg jedenfalls nicht.

Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, der jegliche zwischenmenschliche Bemühungen innerhalb und außerhalb des Klassenzimmers zunichtemacht. Eine Gemeinschaft sollte objektiv sein – und Lehrer erst recht: frei von der eigenen politischen Meinung. Der besagte Artikel jedoch polarisiert und hetzt. Er hat in einer Publikation der GEW nichts zu suchen.

Die Autorin ist Lehrerin an einer Hauptschule in Niedersachsen.

Meinung

Liebe Politiker, habt ihr nur warme Worte im Angebot?

Das CDU-Präsidium hat einen Beschluss zum Schutz jüdischen Lebens gefasst. Er ist gut gemeint, aber nicht wirklich überzeugend

von Michael Thaidigsmann  06.05.2026

Teheran

Iran prüft US-Vorschlag

In den Streitigkeiten um die Straße von Hormus und die fragile Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA gehen diplomatische Bemühungen weiter. Jetzt meldet sich Irans Außenamtssprecher

 06.05.2026

Berlin

Berliner Holocaust-Mahnmal beschmiert

Wieder ist ein antisemitischer Schriftzug in Berlin aufgetaucht. Dieses Mal traf es das Holocaust-Mahnmal

 06.05.2026

Analyse

»Kill all Jews« - Neue und alte Bedrohungen für Juden - Terrorexperte erwartet härtere Anschläge

Fast täglich konnte man zuletzt Nachrichten über Attacken und Hass gegen Juden in Europa lesen - nicht nur, aber auch im Zusammenhang mit Gruppen, die in Verbindung zum Iran stehen. Was das mit Betroffenen macht

von Leticia Witte und Christoph Schmidt  06.05.2026

München

Bayern: Zahl antisemitischer Vorfälle bleibt auf Rekordhoch

»Antisemitische Ausdrucksformen wurden enthemmter, bedrohlicher und direkter«, sagt Annette Seidel-Arpacı, die Leiterin von RIAS Bayern

 06.05.2026

Washington/Teheran

Bericht: USA und Iran nähern sich Vereinbarung zur Beendigung des Krieges

Kern der laufenden Gespräche ist ein auf einer einzigen Seite untergebrachtes, knappes Memorandum, das auf wenigen Punkten basieren soll

 06.05.2026

Berlin

Hubig besorgt über Zulauf zu militanten Rechtsextremisten

In mehreren Bundesländern laufen Durchsuchungen gegen Rechtsextremisten. Was die Bundesjustizministerin dazu sagt

 06.05.2026

New York

USA unterstützen UN-Resolution zu möglichen Iran-Sanktionen

Dem Regime in Teheran werden in einem von den USA unterstützten Entwurf »wirksame Maßnahmen entsprechend der Schwere der Lage, einschließlich Sanktionen« angedroht

 06.05.2026

Washington D.C.

Trump stoppt Marineeinsatz in der Straße von Hormus

Der Präsident begründet dies mit angeblichen Fortschritten in Gesprächen mit Teheran über ein Abkommen. Außenminister Rubio hatte zuvor dagegen erklärt, das »Project Freedom« stelle nun den Schwerpunkt dar

 06.05.2026