Meinung

Rocken wie im Tempel

Rabbiner Zsolt Balla Foto: Gregor Zielke

Die Rolling Stones spielen im Juni in Israel. Es ist der erste Auftritt der Band, die mit »Sympathy for the Devil« und »I Can’t Get No Satisfaction« nicht nur Musikgeschichte geschrieben hat, sondern auch für Protest, Revolte und Aufbruch stand. Seit über 50 Jahren gibt es die Gruppe, und weil sie schon so lange existiert, gehört sie mittlerweile auch nach Israel und vor ein jüdisches Publikum – das freilich von dem Umstand, dass das Konzert noch vor Ende des Feiertags Schawuot beginnt, abgehalten wird.

Nicht durch Zufall ist die Musik Teil unseres Gottesdienstes – und zwar nicht nur gesungen, sondern auch instrumental vorgetragen. Schon im Jerusalemer Tempel wurde auf vielen Instrumenten musiziert. Mehr als 20 Instrumente waren es, also mehr als in heutigen Synagogen, und so entstanden große Werke und besondere Harmonien. Diese Tradition ist leider verloren gegangen, aber es gibt nicht wenige Gelehrte, die sagen, dass im Grunde alle Formen der Musik, die wir heute kennen, ihre Wurzeln in der Tempelmusik haben.

pentatonische skala Das gilt auch für den Rock. Diese These wird nachvollziehbar, wenn man sich veränderte Arrangements anhört: Wenn wir die Musik der Rolling Stones oder sogar Hardrock an uns heranlassen; wenn sie mit klassischen Instrumenten gespielt wird, etwa von einem Cello-Quartett intoniert, dann spüren wir die Tiefe auch dieser Musik.

Die verschiedenen Genres der Musik lassen sich durch die Arrangements auflösen, man kann auch sagen: harmonisieren. Die pentatonische Skala gilt schließlich überall, in allen Kulturen dieser Welt; auf ihr basiert alle Musik, und genau das macht Musik universell. Der Rock versuchte immer, dort auszubrechen, und neben den Beatles gehörten die Rolling Stones dabei zu den Pionieren. Mit harten Arrangements und sexualisierten Texten versuchten sie, mit der klassischen Musiktradition zu brechen. Aber nun sind die Rebellen erwachsen geworden.

Aus jüdischer Perspektive lassen sich mittlerweile die guten, die spirituellen Inhalte auch in der Musik der Rolling Stones entdecken. So gesehen, gehört die gereifte Musik dieser ältesten Rockband der Welt mittlerweile durchaus vor ein jüdisches Publikum nach Israel. Nur eben nicht zu Schawuot.

Der Autor ist Rabbiner der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig und Frontmann der Band »The Holy Smokes«.

Frankreich

»Fick dich, Gisèle, fickt euch, ihr Zionisten«

Gisèle Journo ist Jüdin und betreibt in Paris eine Agentur für Influencer. Jetzt ist sie Zielscheibe antisemitischer Anfeindungen geworden. Auslöser war der Boykottaufruf einer Europaabgeordneten

von Michael Thaidigsmann  21.08.2026

Berlin

Amnesty International ruft Hamas zum Ende der Gewalt auf

Gewalt und außergerichtliche Hinrichtungen durch die Terrororganisation auch gegen Palästinenser kommen laut UN regelmäßig vor. Menschenrechtler fordern ein sofortiges Ende dieser Verbrechen

von Anna Mertens  21.08.2026

Erfurt

Deutsch-israelischer Jugendaustausch kommt nicht voran

Thüringens Antisemitismusbeauftragter Michael Panse sieht strukturelle und politische Gründe. Auch ein Austauschprogramm stockt

von Matthias Thüsing  21.08.2026

Wahlkampf der AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund

Magdeburg

Wie sich die AfD auf eine mögliche Regierung vorbereitet

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte der rechtsextremistischen AfD erstmals den Weg in eine Landesregierung öffnen. Mit Schulungen, einem Personalpool und Hilfe aus Österreich bereitet sie sich seit langem darauf vor

von Jörg Ratzsch  21.08.2026

Berlin

Bezirk prüft Entzug der Zulassung von antisemitischem Influencer als Berufsbetreuer

Auf Instagram verbreitet er Judenhass und Verschwörungsmythen, im Job soll er Berufstätige mit Herausforderungen betreuen. Passt das zusammen?

 21.08.2026

Iran-Konflikt

Nach Berichten über Missstände: US-Flugzeugträger »USS George Washington« löst Pannenschiff ab

Die »USS Abraham Lincoln« ist seit Monaten im Mittleren Osten eingesetzt und hat zuletzt wegen erheblicher Probleme an Bord Schlagzeilen gemacht. Nun ist ein neuer Flugzeugträger in der Region angekommen

 21.08.2026

Benjamin Graumann Jüdische Gemeinde Frankfurt

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  21.08.2026

Berlin/Brüssel/Jerusalem

Sieben Staaten und EU verlangen Stopp von Siedlungsprojekt im Westjordanland

Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und weitere Länder fordern Israel auf, die geplante Bebauung zu stoppen. Die EU bereitet offenbar ein Sanktionspaket vor

 21.08.2026

Khan Younis

Israel wirft Hamas Folter in Klinik vor

Die Terrororganisation soll ein Krankenhaus im Süden des Gazastreifens als Folterzentrale nutzen, um ihre Macht über die Bevölkerung auszubauen

 20.08.2026