Rosch Haschana

Richtung Zukunft

Gemeinsam das Judentum gestalten: Jugendkongress im Februar in Berlin Foto: Gregor Zielke

Wieder nähert sich ein Jahr dem Ende, und wieder blicken wir voller Vorfreude, Spannung und Tatkraft auf das vor uns liegende: Auf ein gutes, gesundes und glückliches neues Jahr! Bei all den Wünschen für das kommende Jahr kommt man nicht umhin, über die des vergangenen Jahres nachzudenken. Haben sich unsere Wünsche erfüllt? Konnten wir unsere Vorsätze realisieren? Sind wir heute einen Schritt weiter als noch im letzten Jahr?

Was den Zentralrat der Juden in Deutschland angeht, so bereitet es mir große Freude, hier eine überwiegend positive Bilanz des Jahres 5773 ziehen zu können. Wir sind nicht nur einen Schritt weiter, wir sind sogar gleich ein gutes Stück vorangeschritten auf dem richtigen Weg, um unser Judentum in Deutschland stärker und selbstbewusster zu machen. Nicht, dass es uns etwa auch in diesem Jahr an Herausforderungen und Anfeindungen gefehlt hätte. Doch auch diesmal haben wir gezeigt, dass wir ihnen zu begegnen wissen, entschlossen und effektiv und vor allem gemeinsam.

expansion Das wirklich Prägende in diesem Jahr war das Positive: Es ist uns gelungen, unsere Tätigkeiten weiter auszubauen. Dabei geht es nicht um Expansion nur um der Expansion willen. Vielmehr ist eine Aufwertung unserer Arbeit erforderlich, damit der Zentralrat seiner Rolle als zuverlässiger Partner jüdischer Gemeinden besser gerecht werden kann. Der Zentralrat kann nur bleiben, was er ist, indem er sich verändert und laufend verbessert.

Die heute erreichte große Vielfalt des jüdischen Lebens in der Bundesrepublik erfordert eine fest verankerte Förderung der Bildungsarbeit und des innerjüdischen Gesprächs. Diesem Ziel dient unter anderem die im Januar gegründete neue Bildungsabteilung des Zentralrats. Mit einem reichhaltigen Programm, das sich hauptsächlich an unsere eigenen Gemeindemitglieder richtet, will die neue Abteilung jüdisches Wissen vermitteln, ausgewählte Themen vertiefen und aktuelle Fragen neu beleuchten.

Wichtig ist auch das im Juni vom Zentralrat ins Leben gerufene Dezernat für Gemeinden. Es wird den Gemeinden mit Rat und Tat zur Seite stehen und zugleich uns helfen, unsere Arbeit besser den Bedürfnissen der Gemeinden anzupassen.

kommunikation Bessere Kommunikation war auch das Ziel des zweiten NGO-Treffens im Juni, bei dem mehr als 30 jüdische Organisationen unserer Einladung gefolgt waren. Bei diesem Round Table konnten wir viel über die Erfolge, aber auch über Sorgen jüdischer Einrichtungen erfahren und zugleich über die Zentralratsarbeit informieren.

Wir bauen zudem zielstrebig unsere Online-Präsenz aus und haben im Sommer das Informations- und Dialogportal »Zentrakol« ins Leben gerufen. Es bietet Mitgliedern jüdischer Gemeinden eine neue Möglichkeit, wichtige Informationen zu erhalten und sich auszutauschen.

Und da uns virtuelle Kommunikation keinesfalls reicht, geht es gleich weiter. Zweieinhalb Monate nach Rosch Haschana erwarten wir mehr als 500 Gäste beim Jüdischen Gemeindetag, den wir nun mit einer neuen Dimension begründen. Unter dem Motto: »One People, One Community – Unsere jüdische Zukunft ist JETZT!« bietet er ein wichtiges Forum, damit wir uns austauschen können. Hochqualifizierte Referenten, erstklassige Workshops und renommierte Unterhaltungsacts runden das diesjährige Treffen in Berlin ab. Hier geht es um uns selbst und um unseren Wunsch, schon heute unsere jüdische Zukunft gemeinsam zu gestalten.

aufschwung Klar ist: Ohne das Engagement und die Begeisterung unserer Mitglieder wäre der Aufschwung nicht gelungen. Sie haben sich die Stärkung jüdischer Gegenwart und Zukunft zu einem Herzensanliegen gemacht. Das ist nicht nur dankenswert, sondern auch beruhigend: Bei so vielen engagierten Helfern ist die jüdische Zukunft in diesem Land in guten Händen. Auch das haben wir 5773 deutlich gemerkt, und das ist der erfreulichste Teil der rundum erfreulichen Bilanz.

Im kommenden Jahr und in den Jahren danach geht der Ausbau unserer Tätigkeit im Zentralrat weiter – wir werden unser Arbeitsspektrum noch erweitern und der nichtjüdischen Umwelt weiterhin als Partner für einen konstruktiven Dialog zur Verfügung stehen. Denjenigen aber, die gegen uns hetzen, das Judentum diskriminieren und den Staat Israel delegitimieren wollen, werden wir immer entschlossen eine Abfuhr erteilen.

Für Israel werden wir uns immer leidenschaftlich einsetzen. Dabei und bei jeder weiteren Herausforderung müssen wir uns bewusst sein, dass wir alle voneinander lernen können und vereint viel mehr erreichen können. Denn eine gut informierte und umfassend vernetzte jüdische Gemeinschaft wird zugleich besser imstande sein, in die nichtjüdische Gesellschaft und in die jüdische Welt hineinzuwirken.

Nun aber wünsche ich allen Mitgliedern jüdischer Gemeinden und allen Juden in der Welt ein gutes, glückliches und gesundes neues Jahr. Le-Schana towa tikatewu we-tichatemu.

Der Autor ist Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Standpunkt

Die Militäroperation gegen das Mullah-Regime ist die Chance für den Nahen und Mittleren Osten

Ein Gastbeitrag von Roderich Kiesewetter, Bundestagsabgeordneter (CDU) und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses

von Roderich Kiesewetter  31.03.2026

Peking

Pakistan und China stellen Forderungen für Frieden im Nahen Osten vor

Pakistan bemüht sich um Vermittlungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran. Jetzt stellen Pakistan und China gemeinsame Forderungen vor

 31.03.2026

München

Der Grüne, das Rathaus und die jüdische Gemeinschaft

Dominik Krause wird der nächste Oberbürgermeister der bayerischen Landeshauptstadt. Der 35-Jährige ist Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und geht entschlossen gegen Antisemitismus vor. Ein Porträt

von Chris Schinke  31.03.2026

Analyse

Ist das wirklich nicht unser Krieg?

Ein atomar bewaffneter Iran wäre nicht nur ein Albtraum für Israel, sondern auch eine reale Bedrohung für Europa

von Roman Haller  31.03.2026

Berlin

Doppelt so viele Schülerfahrten zu NS-Gedenkstätten möglich

Mehr als 80 Jahre nach dem Holocaust versuchen junge Leute, die Gräuel der deutschen Geschichte zu verstehen. Ein Besuch an authentischen Orten kann dazu beitragen. Zwei private Spender geben Geld

 31.03.2026

Weimar

Gedenkstätte Buchenwald sieht sich politisch instrumentalisiert

Warum die Gedenkstätte Buchenwald Schauplatz kontroverser Debatten ist – und wie sie damit umgeht

 31.03.2026

Kino Babylon

Ein Publikum wie eine Sekte: So war Francesca Albaneses Auftritt in Berlin

»Nazi«-Rufe, Verschwörungsglaube und Massenpsychose: Unser Gastautor ist entsetzt von dem, was er auf der Veranstaltung mit der UN-Sonderberichterstatterin für Palästina erlebt hat. Ein Erfahrungsbericht

von Wolf J. Reuter  31.03.2026

Berlin

Beschwerde gegen Deutsche Welle: Jüdischer Journalistenverband sieht Defizite in Berichterstattung

Nach Darstellung des JJJ fehlt es in mehreren Beiträgen an journalistischer Sorgfalt. Teilweise seien Tendenzen erkennbar, die als israelfeindlich oder sogar antisemitisch bewertet werden könnten

 31.03.2026

West Bloomfield

FBI: Anschlag auf Synagoge in Michigan war von Hisbollah inspiriert

Nach Angaben der Behörden hatte sich der Mann seit Anfang des Jahres zunehmend mit Pro-Hisbollah-Inhalten im Internet beschäftigt

 31.03.2026