Venezuela

Ist Nicolás Maduro jüdisch?

Venezuelas Diktator Nicolas Maduro bei einer Kundgebung in Caracas 2024 Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Nach dem US-Angriff auf Venezuela rückt der nun in New York angeklagte Diktator Nicolás Maduro in den Fokus der internationalen Öffentlichkeit. Und damit auch eine alte Frage, die in jüdischen und israelischen Medien immer wieder diskutiert wurde: Stimmt die Behauptung Maduros, sefardisch-jüdische Vorfahren zu haben? Und wie kann es sein, dass der Diktator durch seine Politik zugleich so viele Juden aus dem Land getrieben hat?

»Jüdisches Blut rinnt durch meine Adern«

Maduro hatte in der Vergangenheit mehrfach erklärt, seine Großeltern stammten aus einer sefardisch-jüdischen Familie, die später zum Katholizismus konvertierte. 2013 nutzte er dies, um Vorwürfe von Antisemitismus gegen seine Regierung zurückzuweisen.

Nach Israels Angriff auf Irans Atomanlagen 2025 erklärte er, im Gegensatz zu Netanjahu »echter Jude« zu sein. Den Regierenden des heutigen Israels warf er vor, nicht wirklich jüdisch zu sein. Sein Blut hingegen stamme »von den authentischen Juden der zwölf Stämme«, auch wenn er selbst katholisch sei und nie jüdisch praktizierte.

Maduro hat seine jüdischen Wurzeln nie belegt

Tatsächlich lässt sich Maduros jüdische Herkunft nach gängigen Kriterien nicht eindeutig belegen: Weder hat der Diktator Dokumente über seine Abstammung vorgelegt, noch hat Maduro eine Zugehörigkeit zu einer offiziellen Gemeinde öffentlich gemacht. Nach traditioneller jüdischer Rechtsauslegung ist der alleinige Hinweis auf jüdische Großeltern nicht ausreichend, um jemanden als jüdisch zu klassifizieren. Demnach ist nur Jude, dessen Mutter jüdisch ist oder der zum Judentum konvertiert ist.

Einst blühte in Caracas das jüdische Leben

Gleichzeitig wäre eine jüdische Abstammung Maduros nicht unwahrscheinlich: Die Geschichte der Juden in Venezuela reicht bis in die Kolonialzeit zurück. Erste jüdische Familien kamen bereits im 17. Jahrhundert ins Land, viele von ihnen waren sefardischer Herkunft und Nachfahren von aus Spanien und Portugal vertriebenen Juden.

Nach dem Ersten und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg wanderten weitere Juden aus Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten nach Venezuela ein. In den 1950er- und 1960er-Jahren entwickelte sich die Hauptstadt Caracas zu einem Zentrum jüdischen Lebens mit Synagogen, Schulen, kulturellen Einrichtungen und aktiven Gemeinden. Noch Ende der 1990er-Jahre lebten rund 25.000 Juden in Venezuela.

Exodus unter Chávez

Mit dem politischen Kurswechsel unter Hugo Chávez ab 1999, der wirtschaftlichen Krise, der zunehmenden Unsicherheit, Angriffen auf Synagogen und einer feindseligen politischen Rhetorik gegenüber Israel begann jedoch eine massive Abwanderung. Heute wird die jüdische Bevölkerung auf nur noch wenige Tausend Menschen geschätzt.

Unter Chávez wurden Venezuela und Iran enge Verbündete, auch unterstützte er offen die Hamas und erklärte Israel zum Feind. Er äußerte sich außerdem klassisch antisemitisch: So sprach er in einer Weihnachtsansprache über Juden als »Nachkommen derer, die Christus gekreuzigt haben« und sich »die Reichtümer der Welt angeeignet haben«.

2009 wurden die diplomatischen Beziehungen zu Israel abgebrochen

Mit dem Gazakrieg zum Jahreswechsel 2008/2009 eskalierte die Situation: Venezuela brach alle diplomatischen Beziehungen zu Israel ab. Ende Januar griff eine große Gruppe bewaffneter Demonstranten, darunter ein Dutzend Polizisten, die Synagoge im Stadtzentrum von Caracas an. Sie drangen in das Gebäude ein, fesselten die beiden Sicherheitsleute, zerstörten Torarollen und schmierten Parolen wie »Tod den Juden« an die Wände. Vier Monate später eröffnete eine palästinensische Botschaft in Caracas. Zu dieser Zeit war Nicolás Maduro bereits Außenminister.

Maduro machte »zionistische Mächte« für innenpolitische Probleme verantwortlich

Nach Chávez Tod 2013 übernahm Maduro die Macht und führte den politischen Kurs fort. Auch in der Sprache über Israel unterschied er sich kaum von seinem Vorgänger. Regimekritiker klagten immer wieder über die feindselige und antisemitische Tonlage, die sich in staatlichen Medien und öffentlichen Reden zeigte. Maduro und Vertreter seiner Regierung machten dabei häufig »zionistische Mächte« für innenpolitische Probleme verantwortlich.

Venezolanischen Oppositionsfiguren mit jüdischen Wurzeln wurde vorgeworfen, sie seien »Zionisten« oder Spione für Israel. So trat 2013 der aschkenasische Politiker Capriles Radonski für einen liberaleren Kurs an und musste sich während des Wahlkampfs antisemitischen Beschimpfungen aus dem Chávez-Lager aussetzen. Bekannt ist auch der Fall des einstigen Bürgermeisters David Smolansky, der wegen seiner jüdischen Wurzeln diffamiert wurde und antisemitische Angriffe erlebte. Schließlich floh er mit falscher Identität durch den brasilianischen Regenwald und lebt heute in den USA im Exil.

Dass der staatliche Antisemitismus in Venezuela längst System hat, zeigte sich zuletzt in der Bemerkung der venezolanischen Vizepräsidentin, die selbst bei der Festnahme Maduros durch die USA eine »zionistische Handschrift« erkennen wollte. mam

Stephen Miller

USA

Stephen Miller: Ein Jude wird Stabschef im Weißen Haus

Der 41-Jährige gilt als Architekt von Trumps harter Migrationspolitik. Seine jüdische Herkunft spielt in der Debatte um ihn seit Jahren eine Rolle

 08.11.2026

Meister der Melancholie

Leonard Cohen: »Jikan der Stille« lebte seine Religion - und auch eine andere

Seine Lieder sind geheimnisvoll, oft düster - und doch von beklemmender Schönheit. Leonard Cohen war nie zu greifen, mit niemandem zu vergleichen. Vor zehn Jahren ist er gestorben

von Alexander Brüggemann  07.11.2026

Kanada

Ein wenig Mizwa, sehr viel Macho

Das Magazin »Rolling Stone« kürte Drake einst zum »größten jüdischen Rapper aller Zeiten«. Doch der Anfang war hart

von Sarah Thalia Pines  05.11.2026

London

Banal, schlicht und ironisch

Julia Pascals Theaterstück »The Banality of Evil: Hannah Arendt, France, 1940« erzählt von Hannah Arendt, Charlotte Salomon und Eva Daube als deutsche Jüdinnen in Frankreich und ihrem Leben zwischen zwischen Exil, Gefangenschaft und Überlebenskampf

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  05.11.2026

Treffen

Bob Dylan bei Papst Leo XIV. im Vatikan - mit Cap und Kapuze

Der Musiker und Songwriter Bob Dylan ist 1997 zum ersten Mal einem Papst begegnet - damals in Bologna, bei einem Jugendtreffen. Nun kam er in den Vatikan und sprach dort mit einem Landsmann

von Ludwig Ring-Eifel  05.11.2026

Internetbetrug

Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau warnt vor Fake-Webseite

Wer die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besuchen will, muss bei der Buchung aufpassen. Denn aktuell gibt es eine gefakte Webseite, teilte die Gedenkstätte mit

von Christiane Laudage  04.11.2026

Brasilien

Kein Freund Israels

Nach dem überraschenden Wahlsieg des linken Präsidenten Lula gibt sich die jüdische Gemeinde des Landes dennoch zuversichtlich

von Andreas Knobloch  04.11.2026

USA

Jüdische MAGA-Aktivistin an der Uni mit Tod bedroht

Die jüdische Studentin und Trump-Unterstützerin Liz Benichou wurde auf dem Campus der University of Michigan attackiert und zu Boden gestoßen

von Nicole Dreyfus  04.11.2026

USA

»Viele jüdische Wähler haben mit zugehaltener Nase abgestimmt«

Der jüdische Rechtsanwalt und Historiker Michael Traison über den Erdrutschsieg der Demokraten bei den Midterms und die möglichen Folgen für Amerikas Beziehungen zu Israel

von Michael Thaidigsmann  04.11.2026