Meinung

Rente ist nicht gleich Rente

Die jüdischen Kontingentflüchtlinge in Berlin können sich freuen. Ihnen wird die russische Opferrente nicht mehr auf die Grundsicherung im Alter angerechnet. Die Berliner Sozialsenatorin Carola Bluhm (Die Linke) hat das für ihr Bundesland verfügt.

Antrag Schön. Aber eigentlich ist das nichts Neues. Opferrenten dürfen nicht angerechnet werden, nirgendwo. Das ist seit Jahren Gesetz. Die Crux liegt woanders: Die Entschädigungen, die russischsprachige Zuwanderer als Opfer der Leningrader Blockade, als ehemalige Ghettobewohner oder KZ-Häftlinge bekommen, sind in den wenigsten Fällen auf den Rentenbescheiden der Bezieher eindeutig ausgewiesen. Genau hier muss angesetzt werden. Schon vor Jahren hat sich der Zentralrat der Juden in Deutschland auch bei der russischen Regierung dafür eingesetzt, den Zuwanderern die Darlegung ihrer Einkommen zu erleichtern. Noch immer sind diese gezwungen, im Einzelfall nachzuweisen, welcher Anteil ihres Einkommens auf die Altersrente und welcher auf einen Ghetto- oder Blockadezuschuss entfällt. Und das ist für sie mit einem hohen Aufwand verbunden und vor allem mit Geld, das sie ohnehin nicht haben.

Außerdem muss es dafür auch russische Ämter geben, die eine solche Differenzierung vornehmen. Bislang sind sie nicht dazu verpflichtet. Die Forderung muss also lauten, dass detaillierte Rentenbescheinigungen ausgestellt werden. Bis heute liegt die Beweislast bei den inzwischen hochbetagten Zuwanderern. Das muss sich ändern. Und wäre dann tatsächlich eine Meldung wert.

Diplomatie

Malaysias Premier verteidigt Drohung, alle Israelis abzuschieben

Mehrere US-Abgeordnete haben Außenminister Marco Rubio aufgefordert, Malaysia wegen der jüngsten Äußerungen von Regierungschef Anwar Ibrahim Fördermittel zu streichen

 23.07.2026

Naher Osten

Trump: Atom-Deal nur bei saudischer Anerkennung Israels

Washington und Riad stehen kurz vor einem Atomabkommen zur zivilen Nutzung der Kernenergie. Doch jetzt hat Donald Trump eine neue Bedingung gestellt

 23.07.2026

Würzburg

Schuster kommt zur Kundgebung gegen antisemitische Angriffe

Organisiert wird die Demonstration von der DIG Würzburg, dessen Mitglied das 65-jährige Opfer der jüngsten Attacke in Höchberg ist

 23.07.2026

Handelspolitik

Belgien und Niederlande verbieten Einfuhren aus Siedlungen

Die Regierungen in Brüssel und Den Haag haben ihre Ankündigung wahrgemacht, die Einfuhr von Waren aus den seit 1967 von Israel besetzen Gebieten zu untersagen, sofern sie von Israelis produziert werden

 23.07.2026

Genf/Berlin

Streit zwischen Rosa Luxemburg Stiftung und UN Watch

Die der Partei »Die Linke« nahestehende Stiftung wirft der Genfer NGO vor, in Berlin »die wildesten Verleumdungen gegen die UNRWA« verbreitet zu haben. UN Watch kontert mit Video-Beleg

von Imanuel Marcus  23.07.2026

Essay

Gedenken ohne Juden

Die Erinnerungskultur macht den Holocaust zunehmend zu einer allgemeinen Mahnung gegen Intoleranz und verliert dabei die jüdischen Opfer aus dem Blick

von Gunda Trepp  23.07.2026

Interview

»Es geht um das aktuelle jüdische Leben in unserem Land«

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) über ein neues Kompetenznetzwerk zu jüdischer Gegenwartsforschung, eine Förderrichtlinie und den Einsatz gegen Israel-Boykott

von Leon Stork, Ayala Goldmann  23.07.2026

Washington D.C./Riad

»Schreckliche Idee«: Kritik an US-Atomdeal mit Saudi-Arabien

Während des Iran-Kriegs, der sich auch um das iranische Atomprogramm dreht, verkünden die USA eine Einigung mit Saudi-Arabien. Experten fürchten ein atomares Wettrüsten in einer instabilen Region

von Johannes Sadek, Franziska Spiecker, Jörg Vogelsänger  23.07.2026

Nahost

USA setzen über Iran B-1-Bomber ein

Im Visier standen Einrichtungen der iranischen Marine, Lager für Raketen und Drohnen, Küstenüberwachungssysteme sowie Luftverteidigungsanlagen

 23.07.2026