Justiz

Itzehoer Stutthof-Prozess im Beisein der Angeklagten fortgesetzt

Im KZ Stutthof wurden zwischen Juli 1944 und Mai 1945 rund 27.000 Menschen, vor allem Juden, ermordet. Foto: imago images/ZUMA Wire

Der Prozess gegen eine ehemalige Sekretärin des KZ Stutthof (bei Danzig) ist am Dienstag vor dem Landgericht Itzehoe in Anwesenheit der Angeklagten fortgesetzt worden. Die 96-jährige Irmgard F., die im Rollstuhl an ihren Platz geschoben und von einer Vertreterin des gerichtsmedizinischen Dienstes begleitet wurde, bestätigte lediglich die Angaben zu ihrer Person. Am ersten Verhandlungstag am 30. September war die Hauptverhandlung unterbrochen worden, da F. nicht vor Gericht erschienen war.

Anschließend verlas Staatsanwältin Maxi Wantzen die Anklage wegen Beihilfe zu mehr als 11.000 Fällen des Mordes und versuchten Mordes im Konzentrationslager Stutthof zwischen dem 1. Juni 1943 und dem 1. April 1945. Als erste Stenotypistin und Sekretärin habe F. dem Lagerkommandanten Paul Werner Hoppe jederzeit zur Verfügung gestanden, um sämtliche Schreiben zu erfassen, heißt es in der Anklageschrift. Als höchste Instanz im Lager seien alle Briefwechsel und Kommandaturbefehle durch Hoppes Hände gegangen, und F. habe durch ihre Arbeit von allem Kenntnis gehabt. Während der Zeit ihrer Arbeit in Stutthof sei es dort zur »Endlösung der Judenfrage« und somit systematischen Tötung antisemitisch verfolgter Menschen gekommen.

Die Staatsanwältin zählte verschiedene Tötungsmethoden im KZ Stutthof auf: Mindestens 300 Menschen wurden dort durch Genickschüsse in einem improvisierten Arztraum ermordet. Weitere 1.000 Menschen seien in einem Raum neben dem Krematorium sowie in einem umgebauten Eisenbahnwaggon vergast worden. Ihre Schreie während des langen und qualvollen Todeskampfes seien von außen deutlich zu hören gewesen.

Verteidiger Wolf Molkentin teilte mit, dass Irmgard F. sich im Prozess nicht äußern und keine Fragen beantworten werde. In seinem Statement wies er darauf hin, dass die 96-Jährige nicht die Schoah und die schrecklichen Taten aus der Anklageverlesung leugne. F. distanziere sich auch von der Mobilisierung in rechten Kreisen, die im Vorfeld des Prozesses stattgefunden habe. Sie trete lediglich dem Vorwurf entgegen, persönlich eine strafrechtliche Schuld auf sich geladen zu haben.

Man müsse berücksichtigen, dass es für die hochbetagte Angeklagte keine einfache Sache sei, nachzuvollziehen, wie sehr sich die Rechtsauffassung seit den 50er Jahren darüber geändert habe, welche Handlungen die Strafjustiz im Zusammenhang mit den nationalsozialistischen Mordtaten für strafwürdig halte.

Damals sei F. Zeugin im Prozess gegen Lagerkommandant Hoppe gewesen, der später nur wegen Beihilfe zum Mord verurteilt wurde. In den kommenden Monaten werde zu untersuchen sein, inwieweit die Tätigkeit einer Schreibkraft im KZ »qua Mitwirkung an der mörderischen Maschinerie einer solchen Einrichtung« die Qualität einer Beihilfe zu den dort ausgeführten Mordtaten hatte.

 Vor dem Logistikgebäude in einem Itzehoer Gewerbegebiet, in das die Verhandlung aus Platzgründen verlegt wurde, demonstrierten etwa 35 Menschen, unter anderem von der »Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten«.

Aufgrund der herausragenden zeitgeschichtlichen Bedeutung entschied das Gericht zu Beginn, das Verfahren aufzuzeichnen. Der nächste Verhandlungstag ist für den 26. Oktober angesetzt. epd

Berlin

SPD-Prominente warnen vor Koalition mit der Berliner Linken

In einem offenen Brief sprechen sich Karl Lauterbach, Sigmar Gabriel, Franziska Giffey und Hunderte weitere Sozialdemokraten gegen Rot-Grün-Rot aus – vor allem wegen des Umgangs der Linken mit Antisemitismus

 01.11.2026

Mohsen Rezaei wirft bei einer Wahl im Iran seinen Stimmzettel in eine Urne

Iran-Krieg

Iran knüpft Gespräche mit den USA an sieben Bedingungen

Teheran stellt weiter Maximalforderungen für eine diplomatische Lösung des Konflikts mit den USA. Im erneuten Kriegsfall droht Teheran mit dem Einsatz neuartiger Waffen

 01.11.2026

Annegret Kramp-Karrenbauer spricht bei der Kiel Security Conference

Antisemitismus in Deutschland

Kramp-Karrenbauer warnt vor Bündnissen mit Linken oder AfD

In Berlin hat die Linke die Wahl gewonnen, in Sachsen-Anhalt die AfD. Die frühere CDU-Chefin meint, das Leben vieler Menschen würde sich massiv verändern, wenn diese die Regierung übernähmen

 01.11.2026

Elif Eralp reißt beim Landesparteitag der Linken in Berlin einen Blumenstrauß in die Höhe

Regierungsbildung in Berlin

Koalitionsgespräche von Rot-Grün-Rot in Berlin vor dem Start

Trotz bundesweiter israelfeindlicher Kontroversen hat die Berliner Linke Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen zugestimmt. Nach dem Wochenende geht es los

 01.11.2026

Überwachungskameras an der Fassade der Synagoge in Hagen, links ein Davidstern

Antisemitismus

Judenfeindliche Straftaten mit islamistischem Motiv auf Rekordniveau

Seit 2023 steigen die Zahlen rasant an. Behörden in Deutschland registrieren immer mehr antisemitische Straftaten. Viele haben einen islamistischen Hintergrund

 01.11.2026

Vanessa Emde zwischen Teilnehmern einer Kundgebung vor dem Linke-Parteitag in Berlin

Regierungsbildung in Berlin

Linker Protest gegen Linke-Führung – Abgeordnete Emde dabei

Vanessa Emde steht wegen ihrer israelfeindlichen Positionen in der Kritik und könnte aus der Berliner Linksfraktion ausgeschlossen werden. Nun taucht sie auf einer Kundgebung am Parteitagsort auf

 01.11.2026

Als Batman verkleidete Person vor brennender Mülltonne in Frankfurt

Gewalt eskaliert

Krawalle und Plünderungen in Frankfurt

Nachdem die Polizei eine zunächst friedliche Demonstration junger Menschen auflöst, eskaliert die Lage auf der Zeil – in der Menge waren auch »Viva Palästina«-Rufe zu hören

 01.11.2026

Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat bei der Abgeordnetenhauswahl 2026

Berlin

SPD-Vorstand beschließt Mitgliedervotum zu Koalitionsvertrag

Noch haben die Koalitionsverhandlungen in Berlin nicht begonnen. Klar ist aber schon, dass die Basis der drei potenziellen Regierungspartner eng eingebunden werden soll

 30.10.2026

Friedens-Mission

Woidke lobt Pferdetreck nach Jerusalem als Friedenszeichen

Sechs Monate und mehr als 3.500 Kilometer Reise durch acht Länder: Der Friedenstreck nach Jerusalem im vergangenen Jahr musste viele Hindernisse überwinden

 30.10.2026