Berlin

Prozess gegen Gürtel-Schläger wird fortgesetzt

Der Angeklagte Knaan Al S. beim Prozessauftakt am Dienstag vergangener Woche Foto: dpa

In Berlin-Moabit wird seit Montagmorgen vor dem Amtsgericht Tiergarten der Prozess gegen den syrischen Flüchtling Knaan Al S. fortgesetzt. Der 19-jährige Angeklagte hatte am ersten Prozesstag vergangene Woche Dienstag den Angriff auf zwei junge Männer im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg eingeräumt. Zugleich wies er aber den Vorwurf zurück, dass dieser einen antisemitischen Hintergrund gehabt habe.

Die ursprünglich auf einen Tag angesetzte Verhandlung wurde wegen der insgesamt acht Zeugenanhörungen auf einen weiteren Tag ausgedehnt. Am heutigen Prozesstag werden aller Voraussicht nach drei Zeugen zu der Attacke angehört. Am ersten Verhandlungstag wurden der Angeklagte, das Opfer Adam A. und eine Zeugin zu dem Fall befragt. Das Urteil wird für Montagabend erwartet.

provokation Der Angeklagte Knaan Al S. hatte am ersten Prozesstag vor dem Jugendschöffengericht ausgesagt, dass er von einem der späteren Opfer auf Arabisch beschimpft und provoziert worden sei. Deshalb habe er ihn mit dem Gürtel geschlagen. Gegen Juden habe er nichts, auch sei er unpolitisch und kein strenger Muslim, sagte Knaan Al S. Die Tat tue ihm leid. Jedoch habe er sich durch die Provokationen der Gegenseite bei seinem Handeln im Recht gefühlt.

»Es tut mir sehr leid, es war ein Fehler von mir«, sagte der 19-Jährige. »Ich wollte ihn nicht schlagen, ich wollte ihm nur Angst machen.« Er sei unter dem Einfluss von Drogen gestanden. »Ich hab gekifft, ich war auf Drogen, mein Kopf war müde.« Knaan Al S. sitzt in Untersuchungshaft. Er war zum Zeitpunkt der Tat einer Flüchtlingsunterkunft in Brandenburg zugewiesen, hielt sich aber in Berlin auf.

Der Angriff von Mitte April hatte bundesweit für Empörung gesorgt und eine Debatte über muslimischen Antisemitismus ausgelöst. Dem 19-jährigen Angeklagten werden gefährliche Körperverletzung und Beleidigung vorgeworfen.

Trio Ein Video des Angriffs war in den sozialen Netzwerken verbreitet worden. Bei den Angegriffenen handelte es sich um den in Deutschland lebenden arabischen Israeli Adam A. und einen Deutsch-Marokkaner. Der Angeklagte hat den Israeli mindestens zehn Mal mit einem Gürtel geschlagen und soll dabei mehrmals auf Arabisch »Jude« geschrien haben.

Adam A., der an diesem Tag in Begleitung eines Freundes im Prenzlauer Berg mit der Kippa unterwegs war, wies die Darstellung von Knaan Al S. am ersten Prozesstag zurück. Er habe mit dem Angeklagten vor der Attacke keinerlei Worte gewechselt. Ein Trio um den Angeklagten habe sie über die Straße hinweg beschimpft. Sein Begleiter, ein Deutsch-Marokkaner, habe die Angreifer daraufhin aufgefordert, sie in Ruhe zu lassen.

Dann sei Knaan Al S. auf ihn zugerannt, habe ihn als »dreckigen Jude« bezeichnet und mit dem Gürtel auf ihn eingeschlagen. Um sich zu schützen, habe er die Videofunktion seines Handys aktiviert und die Tat gefilmt – auch in der Hoffnung, dass der Angeklagte dann von ihm ablässt.

Polizei Später sei der Angeklagte von einem seiner Begleiter, einem Cousin, weggezogen worden. Die beiden Freunde hätten die Gruppe dann verfolgt, um sie bis zum Eintreffen der Polizei im Auge zu behalten. Neben körperlichen habe die Attacke vor allem seelische Schmerzen bei ihm ausgelöst, sagte Adam A.

Bestätigt wurden seine Angaben von einer Zeugin, die unweit des Tatortes zur Tatzeit in einem Restaurant saß. Ihr seien die beiden Jungs sofort aufgefallen, weil sie eine Kippa trugen und homosexuell wirkten, sagte die 44-Jährige aus Hamburg. Nach ihren Angaben gingen die Beschimpfungen eindeutig von den drei Arabern aus. »Die Provokationen waren eindeutig«, sagte die Zeugin.

Die Frau, die Knaan Al S. nach den Schlägen zur Rede stellte, bekam nach ihren Aussagen als Begründung gesagt, er sei Palästinenser. Eine Art Unrechtsbewusstsein hätten er und seine Begleiter dabei nicht ausgestrahlt. Auch war nach ihrer Einschätzung der Grund für die Attacke gegen A. und seinen Begleiter ein »Konglomerat aus Judenfeindlichkeit und Homophobie«. ja

Tel Aviv

Bericht: Nova-Überlebende werden Ziel koordinierter Hasskampagne im Netz

Hinter zahlreichen Beiträgen sollen Netzwerke stehen, die Verbindungen zum iranischen Regime haben

 13.07.2026

Australien

Bericht offenbart massives Ausmaß von Judenhass im Gesundheitswesen

Eine Recherche des »Australian« zeigt ein alarmierendes Muster antisemitischer Vorfälle im australischen Gesundheitssystem auf

 13.07.2026

Nahost

USA weiten Angriffe auf Iran aus – Teheran attackiert US-Stützpunkte

Eine weitere Welle von Angriffen gegen Dutzende Ziele sei durchgeführt worden, heißt es vom Zentralkommando der US-Streitkräfte

 13.07.2026

Brüssel

EU: Außenminister beraten über mögliche Israel-Sanktionen

Bei ihrem letzten regulären Treffen vor der Sommerpause beraten die Außenminister der EU-Staaten über Strafmaßnahmen wegen Israels Siedlungspolitik. Zudem geht es auch um Russland und den Iran

 12.07.2026

Washington

Trump widerspricht Iran: Straße von Hormus ist offen

Trotz gegenseitigen Angriffen erklärt der US-Präsident die Meerenge für offen. Die iranische Seite sieht das anders

 12.07.2026

Meinung

Das iranische Regime hat sich verkalkuliert

In Teheran glaubte man, dass US-Präsident Trump den Konflikt bis zu den Midterm-Wahlen nicht mehr eskalieren lassen würde. Doch in der amerikanischen Außenpolitik hat offenbar ein Lernprozess eingesetzt

von Michael Spaney  12.07.2026

Leipzig

Wie der MDR auf die Ankündigungen der AfD reagiert

Der MDR stellt sich auf juristische Auseinandersetzungen im Fall eines Wahlsiegs der AfD in Sachsen-Anhalt ein

von Katharina Rögner  12.07.2026

Washington

Trump-Freund und Israel-Unterstützer: Senator Lindsey Graham ist tot

Gerade hatte der US-Republikaner Graham noch Kiew besucht, im November wollte er sich erneut zur Wahl stellen. Nun ist der langjährige Senator überraschend gestorben

 12.07.2026

Meinung

Wenn die Brandmauer bröckelt

Immer öfter erlebt unser Autor, dass die rechtsextreme AfD selbst in der gesellschaftlichen Mitte verharmlost wird. Ein persönlicher Erfahrungsbericht aus Düsseldorf

von Jacques Abramowicz  12.07.2026