Meinung

Polen: Nihilismus und zu viel Jüdisches

Uwe Rada Foto: Marco Cerovac

Meinung

Polen: Nihilismus und zu viel Jüdisches

Warschau hat die Leiterin des Polnischen Zentrums in Berlin abberufen. Ihr Verständnis von Kulturarbeit passte nicht ins Konzept

von Uwe Rada  05.12.2016 19:02 Uhr

Betrübt und verwundert» sei man, heißt es in einem offenen Brief. Es schreiben Cilly Kugelmann vom Jüdischen Museum Berlin, Stefanie Schüler-Springorum vom Zentrum für Antisemitismusforschung, Chana Schütz und Hermann Simon vom Centrum Judaicum, Nicola Galliner vom Jüdischen Filmfestival und viele weitere. Empfänger des Briefes sind der polnische Botschafter in Berlin, Andrzej Przylebski, sowie der polnische Außenminister, Witold Waszczykowski.

mediator Was ist passiert, dass Vertreter herausragender Kultureinrichtungen einen solchen, wenn auch diplomatisch formulierten, Brandbrief verfassen? Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass die Leiterin des Polnischen Instituts in Berlin, Katarzyna Wielga-Skolimowska, vom Außenministerium in Warschau abberufen wurde. Offiziell wurden keine Gründe genannt.

In einer internen Bewertung des Botschafters Przylebski wird jedoch darauf hingewiesen, dass sich das Institut zu wenig mit der gegenwärtigen Situation in Polen auseinandersetze. Auch solle es das Institut mit polnisch-jüdischen Themen nicht übertreiben, fordert der Botschafter – «vor allem nicht in Deutschland, das nicht die Rolle eines Mediators einzunehmen» habe. Es gebe genügend internationale Debatten in Polen, die es wert seien, auch in Deutschland bekannt gemacht zu werden, etwa der Dialog mit der Ukraine oder mit Litauen.

Dieser Punkt lässt aufhorchen, hatte doch das Polnische Institut Ende 2015 den Oscar-prämierten Film Ida gezeigt. Er handelt von einer jungen Frau, die in den 60er-Jahren erfährt, dass sie Jüdin ist und ihre Eltern von polnischen Nachbarn ermordet wurden. In den Kreisen der nationalkonservativen Partei «Recht und Gerechtigkeit» gilt Ida als Symbol einer «Kultur der Scham», die ein Ende haben müsse.

hedonismus Das «Übertreiben» mit jüdischen Themen wird aber nicht der Hauptgrund für die Entlassung der Kulturmanagerin sein. Der Botschafter gibt Einblicke in sein Kulturverständnis. «Die blinde Nachahmung nihilistischer und hedonistischer Trends führt zivilisatorisch zu nichts Gutem», schreibt Przylebski. «Polen muss sich dem widersetzen. Auch durch die im Polnischen Institut präsentierte Kultur.» Es sollten nur solche Gäste sprechen, die Polen verstehen und «in überzeugender Weise darüber reden».

Das hat Katarzyna Wielga-Skolimowska wohl nicht gemacht, sondern auch über jüdische Themen gesprochen. Nun musste sie gehen.

Der Autor ist Redakteur der «tageszeitung» in Berlin und Autor mehrerer Bücher zu Osteuropa. Zuletzt erschien «Breslau und Berlin» (2016).

München

Steinwurf auf israelisches Generalkonsulat: Beschuldigter in U-Haft

Am Wochenende soll ein Mann Steine auf das israelische Generalkonsulat in München geworfen und mit einer Sprengstoff-Explosion gedroht haben. Die Staatsanwaltschaft hat nun einen Haftbefehl erwirkt

 12.03.2026

Türkei

Wadephul fordert diplomatisches Ende des Iran-Kriegs

Der deutsche Außenminister und sein türkischer Kollege sind sich einig: Der Krieg im Iran muss so bald wie möglich enden - nur wie?

 12.03.2026

Teheran

Irans neuer Oberster Führer fordert Rache für Kriegsopfer

Der neue Regime-Chef will Rache an Israel und formuliert weitere Forderungen

 12.03.2026

Teheran

Viele Bewohner Teherans harren in ihren Wohnungen aus

Seit Ende Februar führen Israel und die USA Krieg gegen den Iran. Die Lage in der Hauptstadt fühlt sich für viele Bewohner zunehmend unsicher an

 12.03.2026

Teheran

Ist Irans Ex-Präsident Ahmadinedschad doch noch am Leben?

Zahlreiche Medien meldeten den Tod des Ex-Präsidenten. Doch »The Atlantic« zufolge, soll Ahmadinedschad untergetaucht sein

 12.03.2026

Tel Aviv

Israels Armee meldet Angriff auf iranische Nuklearanlage bei Teheran

An der Atomanlage Taleghan entstanden bei den Luftangriffen erhebliche Schäden

 12.03.2026

Teheran

Schweiz schließt Botschaft im Iran, die auch US-Interessen vertritt

Die Eidgenossenschaft vertritt als Schutzmacht der Vereinigten Staaten auch deren Interessen im Iran. Wegen anhaltender Angriffe bringt die Regierung in Bern ihre Mitarbeiter vorübergehend außer Landes

 12.03.2026

Analyse

Der strategische Fehler Teherans – und die Chance auf eine neue Ordnung im Nahen Osten

Wie der Krieg gegen das iranische Regime die Machtverhältnisse der Region dauerhaft verändern könnte

von Sacha Stawski  12.03.2026

Nahost

Zahl verletzter US-Soldaten nach Drohnenangriff in Kuwait steigt

Nach dem Vorfall war von sechs getöteten amerikanischen Soldaten und fünf Verletzten die Rede gewesen. Nun stellt sich heraus: Es waren weitaus mehr

 12.03.2026