Interview

»Plötzlich ist das Gefühl von Sicherheit weg«

Andreas Büttner (Linke) ist Antisemitismusbeauftragter in Brandenburg Foto: picture alliance/dpa

Herr Büttner, wie haben Sie und Ihre Familie den Angriff heute Nacht erlebt?
Als wir gesehen haben, dass auf unserem Grundstück Feuer gelegt wurde, war klar: Das ist kein Zufall, das ist ein gezielter Angriff. Für meine Familie und mich war das ein Schock. Die Nacht hat sich unauslöschlich eingebrannt, weil plötzlich das Gefühl von Sicherheit weg ist. Wenn die eigene Haustür angegriffen wird, trifft das einen im Innersten.

Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie?
Wir sind körperlich unverletzt – und das ist das Wichtigste. Dafür bin ich sehr dankbar. Aber emotional ist das ein tiefer Einschnitt. Meine Familie musste erleben, dass mein Einsatz gegen Antisemitismus offenbar Menschen dazu bringt, Gewalt anzuwenden. Das ist schwer auszuhalten, und genau deshalb dürfen wir das nicht bagatellisieren.

Haben Sie bislang genügend Unterstützung von den Behörden erhalten?
Ja – und das möchte ich ausdrücklich betonen. Die Landesregierung, die Polizei und der Staatsschutz haben sofort reagiert. Die Tat wurde vom ersten Moment an ernst genommen, die Ermittlungen laufen mit hoher Priorität. Dieses klare Handeln gibt Sicherheit. Es zeigt: Der Staat steht an der Seite der Betroffenen – und er lässt Antisemitismus nicht durchgehen.

Die Täter haben ein Hamas-Dreieck auf Ihrer Haustür hinterlassen. Haben Sie eine Vorahnung, aus welchem Milieu die Angreifer stammen könnten?
Über konkrete Täter spekuliere ich nicht. Aber das Symbol spricht eine eindeutige Sprache. Das rote Hamas-Dreieck ist ein international bekanntes Zeichen jihadistischer Gewalt und antisemitischer Hetze. Wer so etwas benutzt, will einschüchtern und Terror verherrlichen. Das ist kein Protest – das ist eine Drohung.

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Wurden Sie in den letzten Monaten vermehrt bedroht?
Ja, die Anfeindungen haben deutlich zugenommen, vor allem seit dem 7. Oktober. Was mich besonders beunruhigt: Antisemitismus wird offener, aggressiver und enthemmter. Umso wichtiger ist, dass Brandenburg hier klare Kante zeigt. Die Landesregierung tut das – mit Haltung, mit Prävention und mit einem klaren Bekenntnis zum Schutz jüdischen Lebens.

Auch innerhalb Ihrer Partei, der Linken, gibt es immer wieder Diskussionen zum Thema Nahost. Haben Sie das Gefühl, Ihre Partei tut genug, um Sie und andere Engagierte zu schützen?
Antisemitismus darf niemals relativiert werden – egal von wem. Ich erwarte von allen demokratischen Parteien, auch von meiner eigenen, klare und unmissverständliche Positionen. Brandenburg zeigt auf Landesebene, dass politische Klarheit möglich ist. Diese Klarheit wünsche ich mir überall dort, wo sie noch fehlt.

Was erwarten Sie jetzt konkret von der Politik, den Sicherheitsbehörden und der Zivilgesellschaft in Brandenburg?
Ich erwarte, dass der eingeschlagene Weg konsequent weitergegangen wird: starke Sicherheitsbehörden, konsequente Strafverfolgung und eine Politik, die Antisemitismus klar benennt. Brandenburg ist hier auf einem guten Weg. Jetzt kommt es darauf an, dass auch die Zivilgesellschaft Haltung zeigt und nicht schweigt, wenn Jüdinnen und Juden angegriffen werden.

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Was gibt Ihnen die Kraft, Ihre Arbeit trotz dieser persönlichen Bedrohung fortzusetzen?
Mich trägt das Wissen, dass diese Arbeit notwendig ist – gerade jetzt. Und mich stärkt, dass die Landesregierung, viele Institutionen und große Teile der Gesellschaft klar an der Seite jüdischen Lebens stehen. Meine Botschaft an Jüdinnen und Juden in Brandenburg ist eindeutig: Dieser Staat schützt euch. Und ich werde meine Aufgabe mit voller Entschlossenheit weiterführen. Einschüchterung wird keinen Erfolg haben.

Die Fragen stellten Mascha Malburg und Philipp Peyman Engel.

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