Die USA denken offenbar über eine grundlegende Neuordnung ihrer militärischen Präsenz im Nahen Osten nach. Das Pentagon in Arlington (Virginia) untersucht laut »The Washington Post«, wie umfangreich die amerikanischen Streitkräfte nach dem Ende des Iran-Krieges noch am Persischen Golf stationiert sein sollen. Hintergrund sind massive Schäden an US-Stützpunkten durch iranische Raketen- und Drohnenangriffe.
Nach Angaben mehrerer mit den Überlegungen vertrauter Personen handelt es sich bislang nicht um eine formelle Überprüfung der amerikanischen Militärstrategie in der Region. Vielmehr analysiert das Pentagon verschiedene Möglichkeiten, um eine spätere Entscheidung über die Zukunft der beschädigten Einrichtungen vorzubereiten.
Im Mittelpunkt steht die Frage, ob ein Teil der bislang am Golf stationierten Soldaten abgezogen und weiter westlich positioniert werden könnte. Die Zerstörungen der vergangenen Monate bieten dem US-Verteidigungsministerium dabei die Möglichkeit, die bisherige Stationierungsstrategie grundlegend zu überdenken, anstatt die betroffenen Basen einfach im bisherigen Umfang wieder aufzubauen.
Keine formelle Untersuchung
Die Prüfung wird vom politischen Planungsstab des Pentagons vorangetrieben. Auch der Generalstab und das für den Nahen Osten zuständige US Central Command befassen sich mit möglichen Veränderungen. Ein hochrangiger Pentagon-Mitarbeiter betonte allerdings dem Bericht zufolge, Verteidigungsminister Pete Hegseth habe noch keine formelle Untersuchung der amerikanischen Truppenpräsenz angeordnet. Es gehe zunächst um eine vorsichtige Planung. »Entscheidungen werden in einigen dieser Fragen getroffen werden müssen«, sagte der Beamte.
Das US Central Command unterhält normalerweise rund 40.000 Soldaten an fast 20 Standorten zwischen Jordanien und Oman. Seit Beginn des Iran-Krieges wurden zusätzlich zahlreiche Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und Luftabwehrsysteme in die Region verlegt. Nach Angaben des Pentagons führten die US-Streitkräfte inzwischen mehr als 13.000 Angriffe gegen iranische Ziele durch.
Besonders stark konzentriert sich die amerikanische Militärinfrastruktur am Persischen Golf. In Bahrain befindet sich das Hauptquartier der 5. US-Flotte, während Kuwait sowie weitere Golfstaaten wichtige Einrichtungen für US-Heer und Luftwaffe beherbergen.
Umstellung könnte Jahre dauern
Ein dauerhafter Rückzug wäre deshalb auch für die arabischen Verbündeten Washingtons von erheblicher Bedeutung. Viele Golfstaaten verlassen sich seit Jahrzehnten auf den militärischen Schutz der USA. Sollten weniger amerikanische Soldaten vor Ort bleiben, müssten die betroffenen Staaten ihre eigenen Fähigkeiten deutlich ausbauen oder sich stärker auf andere Partner stützen. Eine solche Umstellung könnte allerdings Jahre dauern.
Innerhalb der Regierung von Präsident Donald Trump könnte die Debatte zugleich einen grundsätzlichen Konflikt verschärfen. Auf der einen Seite stehen Befürworter einer starken militärischen Präsenz und weiterer Interventionen. Andere Kräfte wollen die weltweiten Verpflichtungen des Pentagons reduzieren und die US-Streitkräfte stärker auf den Schutz des eigenen Landes sowie die Abschreckung anderer Großmächte wie China konzentrieren.
Auch eine Verlagerung amerikanischer Truppen weg vom Golf wird offenbar diskutiert. Als mögliche Standorte gelten unter anderem Jordanien, Israel oder die saudische Küste am Roten Meer. Ein solcher Schritt könnte US-Einheiten aus der unmittelbaren Reichweite bestimmter iranischer Raketen und Drohnen bringen. im