Antisemitismus

Null-Toleranz-Politik gefordert

Hielt die Rede zur Eröffnung der Konferenz in Berlin: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier Foto: dpa

Zur Antisemitismus-Konferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) haben sich am Mittwoch und Donnerstag in Berlin Vertreter der 57 Mitgliedsstaaten, Antirassismus-Initiativen, jüdische Gemeinden und andere Nichtregierungsorganisationen getroffen. Sie berieten darüber, was seit 2004 im Kampf gegen Judenfeindschaft erreicht worden ist.

Vor zehn Jahren war am selben Ort die sogenannte Berliner Erklärung gegen Antisemitismus von der OSZE verabschiedet worden. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete das Papier als einen Meilenstein auf internationaler Ebene.

standards Es gehe um Null-Toleranz-Politik, aktive Bekämpfung von Rassismus und Antisemitismus durch die Mittel des Rechtsstaates, um Aufklärungsprogramme, interkulturelle Lernprojekte und vorbeugende Jugendarbeit. Zu diesen Standards hätten sich die 57 Mitgliedsstaaten der OSZE weltweit verpflichtet.

Steinmeier gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass das jüdische Leben in Deutschland wieder auflebe, was sich in der Gründung jüdischer Kindergärten, im Aufbau neuer Synagogen wie auch in der Rabbinerausbildung zeige.

Alle Redner waren sich darin einig, dass Rassismus und Antisemitismus ein Problem der Gesamtgesellschaft sei, da es um Schutz von Demokratie und Menschenrechte für alle gehe. Auch in den USA seien antisemitische Schmierereien und Beschimpfungen an der Tagesordnung, berichtete Samantha Power, Leiterin der US-Delegation und ständige Vertreterin der USA bei den Vereinten Nationen. Allerdings wüssten viele Juden gar nicht, dass es bereits entsprechende Gesetze gebe, die es ermöglichen, beispielsweise gegen Hassreden juristisch vorzugehen. Hier bestünde immer noch erheblicher Aufklärungsbedarf, sagte Botschafterin Power.

berichte Allerdings würden nicht alle Staaten bei der Bekämpfung von Antisemitismus entsprechendes Engagement an den Tag legen, bemängelte Michael Georg Link, Direktor des Büros für demokratische Institutionen und Menschenrechte der OSZE in Warschau. Lediglich zehn von 57 Mitgliedsstaaten würden regelmäßig Berichte über antisemitische Vorfälle erstellen.

Auch in der Strafverfolgung gebe es noch erhebliche Lücken, wandte der slowakische Außenminister Miroslav Lajcák ein. Denn gerade Hassreden und antijüdische Propaganda im Internet seien strafrechtlich kaum zu ahnden. Es fehle der Aufbau internationaler Datenbanken zu Hassdelikten gegen Juden.

bedrohung Der Anstieg des Antisemitismus sei eine konkrete Bedrohung für die Menschen, sagte Israels stellvertretender Außenminister Tzachi Hanegbi. Er trete vor allem da auf, wo Menschen noch nie Kontakt zu Juden gehabt hätten. Das löse in Israel gemischte Gefühle aus, denn Juden könnten sich in Europa alles andere als sicher fühlen. Die neueren Anschläge wie etwa der auf das Jüdische Museum in Brüssel seien dafür ein trauriger Beweis. Der Antisemitismus verstecke sich meist hinter Israelkritik, sagte der Kadima-Politiker.

Der SPD-Politiker und ehemalige Vorsitzende des OSZE-Ausschusses für humanitäre Angelegenheiten und Menschenrechte, Gert Weisskirchen, beklagte, dass eine ganze Reihe von Unterzeichnerstaaten seit der Berliner Erklärung gegen Antisemitismus von 2004 nichts getan hätten. Judenhass zerstöre Institutionen von innen. Beim Kampf gegen Antisemitismus gehe es um nichts weniger als um den Schutz der Demokratie und der europäischen Zivilisation, mahnte Weisskirchen.

Debatte

Danger Dan und Igor Levit: So reagiert »Die Anstalt« in ihrer Sendung auf die Absage des ZDF

In seiner Jubiläumssendung geht es ausführlich auf den Streit ein

 19.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Herkunft und Sympathien der Spielerikone kursieren, erzählen die Söhne eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine andere, besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  19.07.2026 Aktualisiert

NRW

Minister sieht bei Danger Dan-Song Nähe zu Extremisten

Der Rapper Danger Dan darf einen neuen Song nicht in der Satiresendung »Die Anstalt« präsentieren. Nun meldet sich der NRW-Medienminister zu Wort, der auch im ZDF-Fernsehrat sitzt

 18.07.2026

Kommentar

Absage an Danger Dan und Igor Levit: Das ZDF hat absolut richtig gehandelt

Nicht alles, was nicht justiziabel ist, muss auch gesendet werden. Schon gar nicht unverhohlene Aufrufe zur linksextremen Gewalt und Verherrlichung der »Hammerbande«-Terroristen

von Philipp Peyman Engel  18.07.2026 Aktualisiert

Kommentar

Warum ich mit der SPD fertig bin

Eine späte Einsicht ist besser als gar keine, oder?

von Imanuel Marcus  18.07.2026

Rechtsterrorismus

NSU-Unterstützerin Susann E. zu zwei Jahren Haft verurteilt

Im Prozess gegen Susann E. in Dresden ist das Urteil gesprochen. Weil sie der NSU-Terroristin Beate Zschäpe mit ihrem Ausweis und ihrer Krankenkassenkarte aushalf, wurde sie verurteilt. In Haft muss sich nicht.

 17.07.2026

Frankfurt am Main

»Widerstand ist Völkerrecht«-Demo darf stattfinden

Laut Staatsanwaltschaft liegt trotz des Demo-Mottos »Palästina darf sich wehren, auch mit Steinen und mit Gewehren« keine Volksverhetzung vor

 17.07.2026

Mainz

»Mutlos«: »Anstalt« reagiert auf Ausladung von Danger Dan

Die Macher der Satiresendung kritisieren die Entscheidung des ZDF deutlich. Auch der Musiker selbst meldet sich nochmal zu Wort - es geht auch um das Thema Gewalt

 17.07.2026

Berlin

SPD-Arbeitskreis fordert Ende deutscher Blockade gegen EU-Kurs zu Israel

»Es ist nicht glaubwürdig, wenn deutsche Waffen dazu dienen, die humanitäre Katastrophe zu verlängern«, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner

 17.07.2026