Düsseldorf

NRW wird Antisemitismus-Beauftragten berufen

Mit Ausnahme der AfD haben alle Fraktionen im nordrhein-westfälischen Landtag die Berufung eines Antisemitismusbeauftragten beschlossen. Foto: dpa

Es ist genau sechs Monate her, dass in Berlin Israelflaggen verbrannt wurden und in Mülheim die jüdische Gemeinde aus Angst vor antisemitischen Anfeindungen ihr Chanukkafest abgesagt hat. Damals hatte der Landtag von Nordrhein-Westfalen schnell reagiert und ein Zeichen gegen jede Form von Judenhass gesetzt.

Fraktionsübergreifend waren sich alle Parteien einig, dass Gesellschaft, Politik und Justiz entschieden einschreiten müssen, wenn Juden beschimpft, bedroht oder attackiert werden. Ganz gleich, ob der Hass von rechts, links oder von arabischen Einwanderern ausgehe.

Strategien Nun haben mit Ausnahme der AfD alle Fraktionen im nordrhein-westfälischen Landtag beschlossen, unter anderem mit einem Beauftragten gegen Antisemitismus vorzugehen. Einen entsprechenden Antrag brachten CDU, SPD, FDP und Grüne in den Düsseldorfer Landtag ein. Demnach soll der Antisemitismusbeauftragte dem Parlament einmal im Jahr einen Bericht vorlegen und konkrete Strategien gegen Judenhass erarbeiten.

Der Antisemitismusbeauftragte soll zudem ein Netzwerk aufbauen und die Präventionsarbeit an Schulen vorantreiben. Denn gerade unter Jugendlichen würden sich die Fälle antisemitischen Mobbings häufen, heißt es in dem Antrag. Zu seinen Aufgaben soll ebenfalls gehören, als Ansprechpartner für die Opfer antisemitischer Straftaten zur Verfügung zu stehen.

In dem Antrag rufen die vier Fraktionen dazu auf, den Antisemitismus entschlossen zu bekämpfen, weil er ein Angriff auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung und die offene Gesellschaft sei. »Jeder einzelne Akt von Antisemitismus in unserem Land ist einer zu viel und muss Konsequenzen haben«, heißt es in dem Papier.

Statistik In Nordrhein-Westfalen wurden in den vergangenen beiden Jahren 537 antisemitische Straftaten registriert. Davon sind laut NRW-Innenministerium 510 Delikte rechtsextremistisch motiviert gewesen. 2017 waren es 240 antisemitische Straftaten, im Jahr davor 297.

Zumeist habe es sich um Volksverhetzung, die Verbreitung von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen oder eine Störung des öffentlichen Friedens gehandelt, so das Innenministerium. In drei Fällen sei es zu körperlichen Übergriffen gekommen.

In den vergangenen drei Jahren wurden insgesamt 61 antisemitische Übergriffe an nordrhein-westfälischen Schulen registriert. 47 dieser Straftaten sind laut Bildungsministerium rechtsmotivierter Gewalt zuzuordnen. Bei zehn dieser antisemitischen Übergriffe gehe es mutmaßlich um islamistisch motivierte Gewalttaten durch Ausländer.

Bundesländer Auf Bundesebene gibt es seit dem 1. Mai mit Felix Klein einen Antisemitismusbeauftragten. Seit Mitte Mai 2018 ist Dieter Burgard Antisemitismusbeauftragter der rheinland-pfälzischen Landesregierung.

Baden-Württemberg hat seit März 2018 einen Antisemitismusbeauftragten: den evangelischen Religionswissenschaftler Michael Blume. Bayern hat seit Mitte Mai erstmals einen Beauftragten für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus: den früheren Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). epd/ja

Debatte um Erklärung

Hickhack bei Rot-Grün-Rot: Das steht in den Antisemitismus-Papieren

Die Berliner Regierungsbildung stockt, nachdem die Linke im Abgeordnetenhaus ein eigenes Papier zum Kampf gegen Antisemitismus gebilligt hat. Wo sich die zwei Erklärungen unterscheiden

 14.10.2026

Umfrage

66 Prozent der Unionswähler für Prüfung von AfD-Verbot

Eine Campact-Umfrage zeigt, dass die Wähler der Unionsparteien mehrheitlich für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens sind. Auch eine Koalition mit der AfD wird von Anhängern der Mitte-Parteien deutlich abgelehnt

 14.10.2026

Sachsen-Anhalt

Eine Woche voller Eklats

Nach der Wahl des Landtagspräsidiums bröckelt die »Brandmauer« in der CDU weiter. Das Gedenken in Halle bot einen Vorgeschmack auf ein Land unter AfD-Regierung

von André Anchuelo  14.10.2026

Ministerpräsident Sven Schulze (CDU)

Landtag von Sachsen-Anhalt

Ministerpräsidenten-Wahl: CDU will im dritten Wahlgang im Plenarsaal sein

Bei der Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt will die CDU den Plenarsaal zunächst verlassen. Für einen möglichen dritten Wahlgang kündigt Fraktionschef Sven Schulze ein anderes Vorgehen an. AfD und BSW beschließen derweil einen Antrag zur Ukraine

 14.10.2026

Berlin

»Eine gute Wahl«: Bundesregierung ernennt von Schnurbein zur Beauftragten für jüdisches Leben

Die 52-jährige EU-Beamtin ist am Mittwoch offiziell zur Nachfolgerin von Felix Klein bestellt worden. Aus den jüdischen Verbänden und Gemeinden kamen unisono positive Reaktionen

von Michael Thaidigsmann  14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Banaszak: Emdes Fraktions-Aus war Grundlage für Sondierungen

Die Grünen-Landesvorsitzende Stahr betont hingegen, dass ihre Partei weiter »am Tisch sitzt« und auf eine Erklärung der Linken wartet

 14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Schwerdtner bedauert Gesprächspause in Berlin

Die Gespräche über eine rot-grün-rote Regierung in Berlin liegen auf Eis. Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner hält die Erklärung ihrer Fraktion zu Antisemitismus dennoch für ausreichend

 14.10.2026

Berlin

Julia Klöckner: AfD-Verbotsverfahren nicht »aus dem Bauch heraus starten«

Die CDU-Bundestagspräsidentin warnt davor, die Rechtsaußen-Partei zum »Märtyrer« zu machen

 14.10.2026

Unterbrochene Sondierungen

Berliner CDU an Grüne und SPD: »Hand ist ausgestreckt«

Die Regierungsbildung zwischen Linken, Grünen und SPD in Berlin stockt. Nach der überraschenden Unterbrechung der Sondierungen meldet sich ein Wahlverlierer zu Wort

 14.10.2026