Europäische Union

Neue Iran-Sanktionen beschlossen - aber keine Terrorlistung der Revolutionsgarde

Rund 6000 Menschen gingen bei nasskaltem Wetter am Montag in Brüssel auf die Straße, um ein entschlosseneres Handeln der Europäischen Union gegen das Regime im Iran einzufordern. Im Ratsgebäude tagten zeitgleich die Außenminister der 27-EU-Staaten. Sie beschlossen am Nachmittag, 32 weitere hochrangige Regimevertreter, darunter die Minister für Bildung und für Kultur, sowie zwei iranische Einrichtungen auf die EU-Sanktionsliste zu setzen.

Doch die Hauptforderung der Demonstranten, die Aufnahme der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) in die Liste der terroristischen Vereinigungen, wurde wieder nicht erfüllt. Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen des Ministertreffens gab es sowohl rechtliche als auch politische Bedenken gegen die Maßnahme. Einem zunächst nicht veröffentlichten Gutachten des juristischen Dienstes des Rates zufolge müssen der Einstufung Entscheidungen der Justizbehörden eines EU-Mitgliedsstaates zugrunde liegen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

WIDERSTAND Diese Frage war bislang jedoch umstritten. Hinzu kommt Widerstand aus einigen Hauptstädten: So soll sich unter anderem die französische Regierung bislang querstellen, wie die Jüdische Allgemeine erfuhr. Auch der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell, der für die EU auch die Gespräche über das Nuklearabkommen JCPOA managt, scheint bislang nicht von der Maßnahme überzeugt zu sein.

Diplomaten in Brüssel fürchten, dass der Gesprächsfaden zu Teheran abreißen könnte, sollte die Revolutionsgarde auf die EU-Terrorliste kommen. Es wäre das erste Mal, dass eine staatliche Armeeeinheit als terroristische Vereinigung einstuft würde. Noch am Wochenende hatte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell mit dem iranischen Außenminister Amirabdollahian telefoniert.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hatte die Maßnahme Ende Oktober 2022 ins Spiel gebracht, zuletzt aber ebenfalls rechtliche Bedenken geäußert. Dennoch hat der Rat im Zusammenhang mit den Menschenrechtsverletzungen im Iran ein Zeichen gesetzt und zum fünften Mal in Folge Sanktionen gegen das Regime in Teheran beschlossen.

ANREICHERUNG Zu den nun mit einem Einreiseverbot und dem Einfrieren ihrer Guthaben in der EU belegten Personen gehören Irans Kulturminister Mohammad Mehdi, Bildungsminister Yousef Nouri sowie mehrere Parlamentarier. Auch die Strafverfolgungsbehörde des Irans sowie Mitglieder der Polizei und der Justizverwaltung wurden auf die Sanktionsliste der EU genommen, die mittlerweile 196 Personen und 33 Einrichtungen umfasst.

Am Sonntag berichtete die Nachrichtenagentur »Bloomberg« unter Berufung auf Diplomatenkreise, dass Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien jüngst im Iran auf einen Reinheitsgrad von 84 Prozent angereichertes Uran entdeckt hätten. Dies wäre nur knapp unter der Schwelle des für den Bau einer Atombombe erforderlichen Wertes von 90 Prozent. Der Fund unterstreiche das Risiko, dass die nuklearen Aktivitäten des Irans bald eine weitere Krise auslösen könnten, so »Bloomberg«. Für die friedliche Nutzung der Kernenergie reichen Reinheitsgrade von unter fünf Prozent aus.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Auch in Israel wächst die Sorge über die iranischen Aktivitäten. Am Sonntag beschuldigte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Teheran, einen israelischen Öltanker im Persischen Golf angegriffen zu haben. Der unter liberianischer Flagge fahrende Tanker »Campo Square« wurde am 10. Februar im Arabischen Meer, rund 550 Kilometer vor den Küsten Indiens und Omans von einem Objekt aus der Luft getroffen und leicht beschädigt. Die Besatzung kam offenbar nicht zu Schaden. Der Iran habe »die internationale Freiheit der Schifffahrt« angegriffen, so Netanjahu.

Diplomatie

Großes Zögern

Das iranische Regime unterdrückt die Proteste im eigenen Land brutal. Doch Brüssel und Berlin erhöhen den Druck nur langsam

von Michael Thaidigsmann  21.01.2026

Meinung

Jugendwerk endlich gründen

Seit vielen Jahren wird immer wieder betont, wie wichtig die Institutionalisierung des deutsch-israelischen Jugendaustauschs wäre. Höchste Zeit, die Idee in die Tat umzusetzen

von Joshua Schultheis  21.01.2026

Meinung

Liebe Iraner, wir fühlen mit euch!

Als Israelin wünscht sich unsere Autorin nichts mehr, als dass das brutale Regime in Teheran bald fällt. Ein offener Brief an die mutigen Menschen im Iran

von Sabine Brandes  21.01.2026

Berlin

Ahmed Abed: Nominierung der Linken sorgt für scharfe Kritik

Beim Neuköllner Kreisverband der Linkspartei sei Antisemitismus kein Randphänomen mehr, sagt Remko Leemhuis, der Direktor des AJC Berlin

von Imanuel Marcus  21.01.2026

Auszeichnung

Großer Kunstpreis Berlin geht 2026 an Meredith Monk

Die sechs Sektionen der Akademie der Künste wechseln sich bei der Vergabe des Großen Kunstpreises Berlin ab. In diesem Jahr ist die Sparte Musik dran. Sie ehrt eine US-amerikanische Sängerin und Komponistin

 21.01.2026

Berlin

Taglit für alle

Junge Führungskräfte sollen Israel entdecken – unabhängig von Religion und Herkunft. Der frühere israelische Staatspräsident Reuven Rivlin wirbt in Berlin für das Projekt »The Way Shalom«

 21.01.2026

Nairobi

Wadephul betont zu Trumps »Friedensrat« Bedeutung der UN

Die Welt schaut auf Davos und neue Pläne von US-Präsident Trump zur Konfliktlösung. Der deutsche Außenminister äußert sich weit entfernt in Kenia - und sieht Fragen offen

 21.01.2026

Judenhass

Bayern plant Exmatrikulation von Störern an Unis

Wer dauerhaft den Hochschulbetrieb in Bayern stört, soll künftig leichter herausgeworfen werden dürfen

 21.01.2026

Berlin

Wegner empfängt Kulturdelegation aus Tel Aviv

Im Zentrum des Treffens standen laut Staatskanzlei die weitere Vertiefung der kulturellen Beziehungen

 21.01.2026