Israelfeindliche Aktivisten haben eine neue, deutlich größere Flottille mit Ziel Gaza angekündigt. Nach Angaben der Organisatoren sollen im März rund 100 Schiffe von Häfen in Italien, Spanien und Tunesien aus in See stechen. Beteiligt seien mehrere Tausend Personen, darunter medizinische Fachkräfte sowie Ingenieure und sogenannte »Ermittler zu Kriegsverbrechen«. Zusätzlich ist ein begleitender Landkonvoi geplant. Auch israelische Medien berichteten.
Hinter der Aktion steht erneut das Netzwerk »Global Sumud Flotilla«, das bereits im vergangenen Jahr eine größere Seefahrt organisiert hatte. Damals stoppte die israelische Marine die Flottille, an der rund 40 Boote beteiligt waren. Etwa 450 Aktivisten, darunter auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, wurden vorübergehend festgesetzt und anschließend ausgewiesen.
Die neue Initiative wurde bei einer Pressekonferenz in Johannesburg vorgestellt, unter anderem von Mandla Mandela, einem Enkel des früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela. Er erklärte, Ziel sei es, Israel international zu isolieren.
Zivile Präsenz
»Wir haben uns in der Global Sumud Flotte zusammengeschlossen, weil wir erkennen, dass wir als globale Gemeinschaft den Apartheidstaat Israel isolieren, ihn zum Einsturz bringen und in die Knie zwingen können – so wie wir es in Südafrika getan haben«, sagte Mandela. Zugleich rief er Aktivisten weltweit zur Teilnahme auf: »Die Registrierung für Mission 2026 ist jetzt geöffnet.«
Sowohl der Apartheid- als auch der Völkermord-Vorwurf gegen Israel sind unter israelfeindlichen Aktivisten populär. Dies war bereits vor den Massakern der Hamas vom 7. Oktober 2023 der Fall.
Nach Darstellung der Organisatoren soll die neue Flottilla nicht nur Hilfsgüter transportieren, sondern auch eine dauerhafte zivile Präsenz im Gazastreifen aufbauen. Vorgesehen seien Einsätze von Ärzten, Lehrern, Technikern und unbewaffneten Freiwilligen, die gemeinsam mit Palästinensern beim Wiederaufbau von Gesundheitswesen und Infrastruktur helfen sollten.
Chancen gering
Kritiker weisen darauf hin, dass Israel den Gazastreifen bereits mit umfangreichen Hilfslieferungen versorgt. Nach Angaben der israelischen Armee passieren wöchentlich mehrere Tausend Lastwagen mit Lebensmitteln und Treibstoff die Grenzübergänge. Während des von der Hamas begonnenen Krieges sorgte Israel für die Einfuhr von über zwei Millionen Tonnen an Hilfsgütern für die Zivilbevölkerung Gazas.
Ob die neue Flottille ihr Ziel tatsächlich erreichen kann, gilt als fraglich. Auch die Organisatoren räumen ein, dass die Chancen gering sind. »Vielleicht erreichen wir Gaza nicht physisch, aber wir erreichen die Menschen in Gaza«, sagte Aktivistin Susan Abdallah. Die ägyptischen Behörden dürften zudem versuchen, einen angekündigten Landkonvoi bereits im Sinai zu stoppen.
Welche prominenten Aktivisten sich beteiligen werden, ist bislang offen. Greta Thunberg hat sich noch nicht dazu geäußert, ob sie erneut an Bord gehen will. Ihre letzte Fottilla im Oktober hatte nach israelischen Angaben kaum Hilfsgüter an Bord. Den Vorwurf einer Finanzierung durch die Hamas wiesen die Organisatoren damals zurück. im