Brandenburg

Netzwerker und Hetzer

Demonstrierte Innigkeit unter Rechtsextremen: Hans-Christoph Berndt und Björn Höcke am Wahlabend Foto: picture alliance/dpa

Brandenburg

Netzwerker und Hetzer

AfD-Landtagsfraktionschef Hans-Christoph Berndt spart in Reden nicht mit drastischen Worten

von Oliver von Riegen  23.09.2024 10:49 Uhr

Brandenburgs AfD-Landtagsfraktionschef Hans-Christoph Berndt hat zwei Gesichter. Wer mit ihm spricht, stößt zunächst auf einen ruhigen, freundlichen Herrn. Wer ihn auf der Bühne hört, erlebt einen Mann mit scharfen Worten, der rechtes Gedankengut gern in Reden kleidet, die mit Zitaten gespickt sind.

Der Laborarzt zählt zu sechs Abgeordneten, die der Landesverfassungsschutz nach bisherigem Stand als rechtsextrem einstuft. Berndt spricht im Wahlkampf zum Beispiel von »unkontrollierter Massenmigrationspolitik«. Den Verfassungsschutz, den er als »Neo-Stasi« bezeichnete, und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk will er in der jetzigen Form abschaffen. Berndt wurde 1956 in Bernau geboren und ist verheiratet.

Seit 2019 sitzt Berndt im Landtag. Er übernahm im Jahr darauf den Fraktionsvorsitz von Andreas Kalbitz. Berndt ist bestens vernetzt. Der Verfassungsschutz Brandenburg schreibt im jüngsten Bericht, er suche vorzugsweise die Nähe zu rechtsextremistischen Akteuren.

»Nicht mehr aufzuhalten«

Im Jahr 2015 gründete Berndt den Verein Zukunft Heimat, den der Verfassungsschutz als rechtsextremistisch bewertet. Der Charité-Aufsichtsrat distanzierte sich 2016 von »fremdenfeindlichen Äußerungen« des damaligen Fakultätspersonalrats Berndt. 

In seinen Landtagsreden spart er nicht mit Attacken gegen die übrigen Parteien. Die Strategie einer Ausgrenzung der AfD hält er für gescheitert. »Wenn wir stärkste Kraft werden und wenn Dietmar Woidke (SPD) weg ist, wie er es angekündigt hat, dann wird eine Bewegung in Gang gesetzt, die nicht mehr aufzuhalten ist«, sagte er Anfang September.

Allerdings kam die SPD auf den ersten Platz, knapp vor der AfD.

Drastische Sprache

Der Spitzenkandidat will nicht nur einen Wahlerfolg, um Brandenburg in Teilen zu verändern. Berndt sieht die AfD auch als Hebel für ein Ende der Ampel-Regierung im Bund. »Wir haben es auch in der Hand, mit diesen Schlägen die Ampel zu zertrümmern«, sagte er bei einer Wahlkampfveranstaltung in Forst.

Der 67-Jährige setzt oft das Thema Migration in den Fokus. »Deutschland ist das Land der Deutschen, Deutschland soll das Land der Deutschen bleiben«, sagte er in Forst. »Deutschland ist das Erbe unserer Jugend - und die soll sich nicht irgendwelchen Beduinen unterwerfen müssen.« Beduinen sind Nomaden der Arabischen Halbinsel.

Nach eigenen Worten war er nicht immer rechts verortet: »Ich bin ja auch ein alter Linker, der sich mit der Zeit wegbewegt hat.« Bei der Runde der Spitzenkandidaten im RBB-Fernsehen wurde Berndt gefragt, was Nächstenliebe für ihn als Katholik bedeute. Er blieb bei seiner Linie: »Sich um die Angehörigen des eigenen Volkes zu kümmern.« 

Brüssel

900 Millionen Euro Herzenswärme

Knapp eine Milliarde Euro soll für den Wiederaufbau in den Gazastreifen gehen. Dass die Mittel am Ende tatsächlich nur in die zivile Infrastruktur fließen, ist zweifelhaft

von Michael Thaidigsmann  13.07.2026

Studie

Judenhass ist »alltagsprägend« - auch in Baden-Württemberg

Antisemitische Vorfälle in Baden-Württemberg wurden 2025 erstmals systematisch ausgewertet. 335 wurden registriert. Es gab sie im Alltag von Jüdinnen und Juden wie in Sozialen Medien - und sogar im Bildungssektor

von Norbert Demuth  13.07.2026

Berlin

Studentenparlament der Humboldt-Universität fordert akademischen Boykott Israels

In einem Antrag wird die Uni aufgefordert, bestehende Kooperationen mit israelischen Universitäten und Forschungseinrichtungen zu beenden

 13.07.2026

Interview

»Würde mit Davidstern-Kette nicht in bestimmte Stadtviertel«

Die Bundesfamilienministerin (CDU) über Einsparungen in ihrem Ressort, das Programm »Demokratie leben« und ihre persönliche Betroffenheit vom wachsenden Antisemitismus in Deutschland

von Alexander Riedel, Birgit Wilke  13.07.2026

Essay

Wann endet ein Flüchtlingsstatus?

Der Flüchtlingsstatus ist kein Dauerzustand. Wer über Asyl spricht, muss auch über die Bedingungen sprechen, unter denen Schutz wieder entfallen sollte

von Steven Guttmann  13.07.2026

Berlin

Sicherheitspolitiker warnen vor iranischen Anschlägen in Deutschland

Eine iranische Tageszeitung ruft einer Online-Grafik zu Vergeltung gegen westliche Politiker auf. Unter den gezeigten Köpfen ist auch Kanzler Merz. Mehrere Politiker reagieren besorgt

 13.07.2026

Brüssel

Konferenz in Brüssel bringt fast 900 Millionen Euro für Gaza

Die humanitäre Lage im Gazastreifen ist katastrophal. Kann eine Gebergruppe helfen?

 13.07.2026

London

Großbritannien plant härteres Vorgehen gegen Revolutionsgarden

Mit einem neuen Sicherheitsgesetz will London härter gegen von feindlichen Staaten gelenkte Gruppen vorgehen. Auch lebenslange Haftstrafen sind möglich

 13.07.2026

Bericht

Zahl antisemitischer Straftaten in NRW steigt deutlich an

In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der antisemitischen Straftaten 2025 auf einen Höchststand gestiegen. So verzeichnete die Statistik zu politisch motivierter Kriminalität 786 Straftaten, die offenbar aus Hass gegen Juden verübt wurden

 13.07.2026