Justiz

Nazi-Jäger: »Bewährungsstrafe sehr, sehr enttäuschend«

Efraim Zuroff Foto: Marco Limberg

Der Nazi-Jäger Efraim Zuroff hat die Verurteilung eines ehemaligen SS-Wachmanns im Konzentrationslager Stutthof am Donnerstag grundsätzlich begrüßt. Die zweijährige Jugendstrafe auf Bewährung bezeichnete er jedoch als »sehr, sehr enttäuschend«.

Die Hamburger Jugendstrafkammer hatte den 93 Jahre alten Angeklagten der Beihilfe zum Mord in 5232 Fällen und der Beihilfe zu einem versuchten Mord schuldig gesprochen.

Seit dem Urteil gegen den KZ-Aufseher John Demjanjuk 2011 besteht die Justiz nicht mehr auf dem oft unmöglichen Nachweis individueller Schuld.

Die Bewährungsstrafe nannte der Leiter des Wiesenthal-Zentrums »ein Syndrom deplatzierter Sympathie«. Nicht der SS-Mann, sondern die Holocaust-Opfer verdienten Sympathie. Die Tatsache, dass er damals erst 17 Jahre alt war, »bedeutet nicht, dass er nicht wusste, was in dem Lager passiert«. Zuroff wörtlich: »Er wird den ganzen Weg nach Hause lachen, sein Leben fortsetzen. Die Überlebenden bleiben mit ihren Albträumen zurück.«

Das 1977 gegründete Wiesenthal-Zentrum ist mit der weltweiten Suche nach untergetauchten Nazi-Verbrechern und Kollaborateuren bekannt geworden. Seit Umsetzung einer neuen juristischen Praxis vor rund einem Jahrzehnt habe es fünf solcher Prozesse gegeben, sagte Zuroff. »Nicht einer der bei diesen Prozessen verurteilten Personen hat nach der Verurteilung auch nur einen Tag im Gefängnis gesessen«, bemängelte er.

Zuroff betonte, ein hohes Alter der Täter sei kein Grund, auf eine Strafverfolgung zu verzichten.

Seit dem Urteil gegen den KZ-Aufseher John Demjanjuk 2011 besteht die Justiz nicht mehr auf dem oft unmöglichen Nachweis individueller Schuld. Heutzutage wird auch die allgemeine Dienstausübung in einem Lager, in dem erkennbar systematische Massenmorde stattfanden, juristisch geahndet.

Zuroff betonte, ein hohes Alter der Täter sei kein Grund, auf eine Strafverfolgung zu verzichten. »Die vergangene Zeit verringert nicht die Schuld«, sagte er. »Sie verdienen kein Mitgefühl, weil sie selbst absolut kein Mitgefühl mit den Opfern hatten.«

Prozesse gegen NS-Verbrecher seien weiterhin wichtig im Kampf gegen Holocaust-Leugnung. »Es ist wichtig, dass diese Prozesse weitergehen, aber wenn es kein Element der Bestrafung gibt, dann ist etwas sehr Grundsätzliches falsch.« dpa

Berlin

Söder warnt SPD und Grüne vor Koalition mit Linkspartei

Nach der Wahl in Berlin mit dem Sieg der Linkspartei ist noch immer unklar, wer künftig regieren wird. Der CSU-Chef hat eine klare Erwartung für den Umgang mit dem Wahlsieger

 25.09.2026

Kassel/Heidenau

Stadt stoppt Stolpersteine – Künstler: War zu erwarten

Der Stadtrat von Heidenau bei Dresden lässt keine neuen Stolpersteine im Straßenraum zu. Der Initiator der Gedenksteine, Gunter Demnig, warnt vor Unsichtbarkeit der NS-Opfer und will weitermachen

 25.09.2026

Berlin

Schuster: Seit Hamas-Angriff kaum Kontakte zu muslimischen Verbänden

Er hat muslimische Freunde. Doch offizielle Beziehungen zwischen der jüdischen Gemeinde und muslimischen Verbänden gibt es kaum noch. Der Zentralratspräsident kritisiert dies und hofft auf Besserung

 25.09.2026

USA

Rennpferd muss wegen Hitler-Bezug umbenannt werden

Der Jockey Club erhält eine formale Beschwerde, woraufhin der Name des Tieres verboten wird. Wie hieß das Pferd? Und wie heißt es jetzt?

 25.09.2026

New York

Susan Sarandon bei Demo gegen Israel festgenommen

Zwei Proteste gegen Israel fanden während der Rede von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor der UNO statt. Bei einer davon wurde zum Mord an ihm aufgerufen

 25.09.2026

New York

Netanjahu vor der UNO: »Israel hat keinen anderen Weg als zu gewinnen«

Der israelische Ministerpräsident spricht über Iran, Katar, die Türkei. Er konfrontiert Kritiker seines Landes, inklusive Bürgermeister Zohran Mamdani

 25.09.2026

Berlin

Berliner Linken-Chefin: »sehr überrascht« über Kritik

Seit der Berlin-Wahl am Sonntag wird bundesweit heftig über Antisemitismus bei der Linkspartei diskutiert. Sieht die Landesvorsitzende Kerstin Wolter ein strukturelles Problem in ihrer Partei?

 25.09.2026

Nach der Wahl

Berliner SPD will mit Linken und CDU sondieren

Die Sozialdemokraten wollen mit dem Wahlsieger Linke und der CDU über eine mögliche Regierungsbildung sprechen. Parteichef Krach nennt eine »rote Linie«

 25.09.2026

New York

Berichte: Iran legt Sieben-Tage-Plan zur Beendigung des Kriegs vor

Die USA und der Iran verhandeln mit Hilfe von Vermittlern über die Zukunft der Straße von Hormus. Nun will die iranische Seite einen Vorschlag ins Spiel gebracht haben

 25.09.2026