Berlin

Nach israelfeindlichem Protest an Uni: Ausweisung von vier Studenten angeordnet

Das Landesamt für Einwanderung in Berlin Foto: picture alliance/dpa

Vier ausländische Studenten sollen aus der Bundesrepublik ausgewiesen werden. Es handelt sich einem Bericht der »Financial Times« zufolge um Cooper Longbottom aus den USA, Roberta Murray und Shane O’Brien aus Irland sowie Kasia Wlaszczyk aus Polen. Der Grund: Sie sollen am 17. Oktober 2024, gut ein Jahr nach den Massakern der Hamas in Israel, an der Besetzung eines Gebäudes der Freien Universität (FU) Berlin beteiligt gewesen sein.

Bei dieser israelfeindlichen Demonstration kam es zu Sachbeschädigungen und anderen Straftaten. Nach Polizeiangaben handelte es sich um eine Gruppe von 15 bis 20 Demonstranten, die unter anderem Terrorsymbole der Hamas an Wände schmierten. Die mit Äxten bewaffneten Personen hätten das Gebäude »fluchtartig« verlassen, als Beamte eingetroffen seien. Die FU selbst erklärte damals, die Besetzer seien »äußerst brutal« aufgetreten. Sie hätten Mitarbeiter »körperlich angegriffen und verbal bedroht«.

Nach amerikanischem Muster sollen die vier Studenten, von denen drei EU-Bürger sind, die Bundesrepublik noch in diesem Monat verlassen. Die Berliner Senatsverwaltung für Inneres erklärte gegenüber der Jüdischen Allgemeinen, die Teilnehmer der Besetzung seien »gewaltbereit und vermummt« gewesen. Strafverfahren seien gegen sie anhängig.

Verurteilungen sind keine Voraussetzung

Ob ein Erlass von ausländerrechtlichen Maßnahmen mit dem Ziel der Aufenthaltsbeendigung in Betracht komme, werde generell ausschließlich anhand der Voraussetzungen der entsprechenden gesetzlichen Vorschriften beurteilt, hieß es. »Bei EU-Staatsangehörigen sind die Regelungen zum Verlust des Rechts auf Einreise und Aufenthalt nach §6 Freizügigkeitsgesetz/EU maßgeblich.«

In die Bewertung der einzelnen Fälle werden beim Senat »die von der Person ausgehende Gefahr, die soziale, berufliche und kulturelle Integration sowie der Aufenthaltszweck und dessen Dauer« miteinbezogen. »Sollten strafrechtliche Verurteilungen vorliegen, werden diese in die jeweilige Beurteilung miteinbezogen. Eine Voraussetzung für den Erlass entsprechender Maßnahmen stellen sie jedoch nicht dar«, wurde dieser Publikation mitgeteilt.

Offenbar war die Ausweisung der vier Studenten aus Amerika, Irland und Polen strittig. Der Direktor des Landesamts für Einwanderung, Engelhard Mazanke, der auch Jurist ist, sprach sich laut »The Intercept« dagegen aus. Demnach wurde er von der zuständigen Senatsverwaltung angewiesen, sie dennoch umzusetzen. Gegenüber der Jüdischen Allgemeinen bestätigte Mazanke nur, dass »aufenthaltsbeendende Bescheide« gegen »vier propalästinensische Aktivisten« erlassen wurden.

Lesen Sie auch

»Gefahr für öffentliche Sicherheit«

Laut »Tagesspiegel« haben die Betroffenen beim Verwaltungsgericht Eilanträge und Klagen gegen die Ausweisung eingereicht. Das Blatt zitiert eine Sprecherin des Verwaltungsgerichts, die demnach angab, den vier Studenten sei durch das Landesamt für Einwanderung attestiert worden, sie stellten eine »gegenwärtige Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung« dar.

Zu den ihnen zugerechneten Vergehen gehörten Widerstand gegen Vollzugsbeamte nach Auflösung von Demonstrationen, Beleidigung, besonders schwerer Landfriedensbruch und die Verwendung von Kennzeichen terroristischer Organisationen. Laut Landesamt handelt es sich bei den ausländischen Studenten um »Mitglieder einer gewaltbereiten Gruppe der propalästinensischen Szene.«

Der Anwalt Alexander Gorski, der zwei der Studenten vertritt, widersprach im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen der juristischen Einordnung der Senatsverwaltung für Inneres, wonach Verurteilungen als Voraussetzung für Ausweisungen nicht erforderlich sind. »Aus meiner Sicht stimmt dies bei EU-Bürgern nicht«, erklärte er. Dies ergebe sich aus dem Gesetz und EU-Richtlinien.

»Extrem hohe Schwelle«

»Selbst wenn man der Argumentation des Senats folgen würde, ist eine extrem hohe Schwelle anzulegen. Das ergibt sich aus dem Freizügigkeitsgedanken.« Die vom Senat vorgelegte Begründung werde deshalb »auf keinen Fall« reichen können.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hält die Ausweisungen für »richtig und notwendig«. Gegenüber der »Welt« sagte er, die Haltung des Berliner Senats sei eindeutig: »Wer das Existenzrecht Israels infrage stellt oder antisemitische Gewalt verherrlicht, überschreitet eine rote Linie«.

Zumindest nach derzeitigem Stand müssen die vier Studenten die Bundesrepublik bis zum 21. April verlassen.

Dublin

Irland beschließt Einfuhrstopp für Waren aus israelischen Siedlungen

Nach acht Jahren Debatte hat das irische Unterhaus ein Importverbot für Produkte gebilligt, die in israelischen Siedlungen im Westjordanland hergestellt werden

 09.07.2026

Genf

Bericht: UNESCO ehrte tote Terroristen als »Journalisten« – und korrigierte sich nie

Die UN-Unterorganisation soll die Fakten nie richtiggestellt haben, obwohl die Hamas und die Gruppe Islamic Dschihad selbst deren Zugehörigkeit zu ihren Strukturen bestätigt hätten

 09.07.2026

Nahost

USA weiten Angriffe auf Iran aus

US-Präsident Trump: »Das ist eigentlich kein Krieg.« Es gehe vielmehr um die »Entnuklearisierung des Iran«

 09.07.2026

Prozess

Mutmaßlicher Block-Entführer wollte wie James Bond sein

Er war Model und Fitnesstrainer, da erhielt er ein Angebot, von dem er sich geehrt fühlte: Er solle zwei Kinder der Familie Block retten, berichtet ein Zeuge. Seine Geschichte klingt wie ein Thriller

von Stephanie Lettgen  08.07.2026

Tel Aviv/Neapel

Israelische Touristin storniert Hotel in Italien nach BDS-Nachricht

Das Hotel Decumani Hotel De Charme verschickt E-Mails, in der es heißt, es unterstütze die Kampagne ›No Room for Genocide‹ der antisemitischen BDS-Kampagne

 08.07.2026

Krieg

Trump kündigt weitere Angriffe auf Iran an

In der Nacht zum Mittwoch hat das US-Militär Ziele im Iran bombardiert. Nach Aussage von US-Präsident Trump könnten weitere Angriffe folgen

 08.07.2026

Einspruch

Die Hitze spüren

Mascha Malburg empfindet die jüngsten Temperaturrekorde als Mahnung, die Schöpfung zu bewahren

von Mascha Malburg  08.07.2026

Meinung

Das Wiener Lueger-Denkmal muss weg!

Die Performance des jüdischen Künstlers Alon Ishay hat eine neue Debatte über den Umgang der österreichischen Hauptstadt mit ihrer antisemitischen Geschichte angestoßen

von Tobias Kühn  08.07.2026

Nahost

Bericht: Neue Angriffe im Süden des Libanon

Laut libanesischen Medien flog Israels Luftwaffe erneut Angriffe auf Ziele im Süden des Landes. Nach einem Schusswechsel dort meldet die israelische Armee den Tod eines Hisbollah-Terroristen

 08.07.2026