Islamismus

München: Interkonfessionelles Friedensgebet mit Islamisten fällt aus

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) Foto: Michael Nagy/Presse- und Informationsamt Muenchen

Nach Kritik der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) wurde das für Montagabend in München geplante interkonfessionelle Friedensgebet unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) abgesagt.

Verfassungsschützern zufolge hat der Veranstalter des Gebets, der »Muslimrat München«, Islamisten in den eigenen Reihen, die den Staat Israel vernichten wollen. Nachdem die DIG darauf hingewiesen hatte, sagte ein Rabbiner die Teilnahme ab.

»Das bedauere ich, habe aber auch Verständnis dafür. Die Zeit ist derzeit offenbar nicht reif, um in und für München ein gemeinsames Friedensgebet zu ermöglichen«, teilte Reiter am Montag in einer Stellungnahme mit.

Brisant: Der Oberbürgermeister geht in seiner Mitteilung mit keinem Wort auf die Kritik am »Muslimrat München« ein. Stattdessen nennt er den Rückzug des Rabbiners als einzigen Grund für die Absage.

DIG-Präsident Volker Beck hat dafür kein Verständnis. »Die Äußerungen von Oberbürgermeister Reiter zur Absage irritieren uns. Gestern hatte sich als erstes ein Kirchenvertreter bei uns gemeldet und mitgeteilt, dass man dort über eine Absage nachdenkt. Nun spricht Herr Reiter davon, dass der Rückzug eines jüdischen Vertreters Grund für die Absage sei. Damit schiebt er die Verantwortung auf die jüdische Gemeinde ab. Das halte ich für unverantwortlich, zumal in der aktuelle Situation.«

Beck sieht die Verantwortung bei der Stadt München. »Sie hat versäumt, für das Friedensgebet glaubwürdige muslimische Akteure auszuwählen. Für Jüdinnen und Juden war das Format eine Zumutung.«

»Muslimrat«-Mitglieder werden vom Verfassungsschutz beobachtet

Der Münchner Stadtverwaltung zufolge gehört die »Deutsche Muslimische Gesellschaft« (DMG) zum »Muslimrat«. Die DMG wird vom bayerischen Verfassungsschutz den Muslimbrüdern zugeordnet, eine verfassungsfeindliche, islamistische Organisation, die ein weltweites Kalifat errichten will.

Dem Verfassungsschutzbericht zufolge gehört auch das »Islamische Zentrum München« in den Dunstkreis der Muslimbrüder. Deren Mitglieder verehren Yusuf al-Qaradawi, einen Vordenker der Muslimbrüder. Al-Qaradawi hetzte in seinen auf »Al Jazeera« ausgestrahlten Predigten immer wieder gegen Juden und den Staat Israel.

Muslimbrüder wollen Israel vernichten

»Während der Geschichte hat Allah das jüdische Volk wegen seiner Verkommenheit gestraft«, wird eine seiner Predigten in einem Bericht des Bundesamts für Verfassungsschutz zitiert. Und weiter: »Die letzte Strafe wurde von Hitler vollzogen. Durch all die Dinge – sogar, wenn sie diese Angelegenheit übertrieben haben –, gelang es ihm, sie auf ihren Platz zu verweisen. Das war ihre göttliche Bestrafung. So Gott will, wird das nächste Mal diese durch die Hand der Gläubigen erfolgen.«

Doch die DMG ist nicht das einzige Mitglied des »Muslimrates München«, das vor Antisemitismus und Islamismus trieft. Auch die DITIB ist dort vertreten. Die Organisation wird von der türkischen Religionsbehörde Diyanet kontrolliert.

Deren Chef, Ali Erbas, behauptete erst vor Kurzem bei einer Konferenz, an der auch die Taliban teilnahmen , dass das »zionistische Israel« einen »Völkermord« in Gaza begehe, der auf einem »schmutzigen und perversen Glauben« beruhe.

Diplomatie

Malaysias Premier verteidigt Drohung, alle Israelis abzuschieben

Mehrere US-Abgeordnete haben Außenminister Marco Rubio aufgefordert, Malaysia wegen der jüngsten Äußerungen von Regierungschef Anwar Ibrahim Fördermittel zu streichen

 23.07.2026

Naher Osten

Trump: Atom-Deal nur bei saudischer Anerkennung Israels

Washington und Riad stehen kurz vor einem Atomabkommen zur zivilen Nutzung der Kernenergie. Doch jetzt hat Donald Trump eine neue Bedingung gestellt

 23.07.2026

Würzburg

Schuster kommt zur Kundgebung gegen antisemitische Angriffe

Organisiert wird die Demonstration von der DIG Würzburg, dessen Mitglied das 65-jährige Opfer der jüngsten Attacke in Höchberg ist

 23.07.2026

Handelspolitik

Belgien und Niederlande verbieten Einfuhren aus Siedlungen

Die Regierungen in Brüssel und Den Haag haben ihre Ankündigung wahrgemacht, die Einfuhr von Waren aus den seit 1967 von Israel besetzen Gebieten zu untersagen, sofern sie von Israelis produziert werden

 23.07.2026

Genf/Berlin

Streit zwischen Rosa Luxemburg Stiftung und UN Watch

Die der Partei »Die Linke« nahestehende Stiftung wirft der Genfer NGO vor, in Berlin »die wildesten Verleumdungen gegen die UNRWA« verbreitet zu haben. UN Watch kontert mit Video-Beleg

von Imanuel Marcus  23.07.2026

Essay

Gedenken ohne Juden

Die Erinnerungskultur macht den Holocaust zunehmend zu einer allgemeinen Mahnung gegen Intoleranz und verliert dabei die jüdischen Opfer aus dem Blick

von Gunda Trepp  23.07.2026

Interview

»Es geht um das aktuelle jüdische Leben in unserem Land«

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) über ein neues Kompetenznetzwerk zu jüdischer Gegenwartsforschung, eine Förderrichtlinie und den Einsatz gegen Israel-Boykott

von Leon Stork, Ayala Goldmann  23.07.2026

Washington D.C./Riad

»Schreckliche Idee«: Kritik an US-Atomdeal mit Saudi-Arabien

Während des Iran-Kriegs, der sich auch um das iranische Atomprogramm dreht, verkünden die USA eine Einigung mit Saudi-Arabien. Experten fürchten ein atomares Wettrüsten in einer instabilen Region

von Johannes Sadek, Franziska Spiecker, Jörg Vogelsänger  23.07.2026

Nahost

USA setzen über Iran B-1-Bomber ein

Im Visier standen Einrichtungen der iranischen Marine, Lager für Raketen und Drohnen, Küstenüberwachungssysteme sowie Luftverteidigungsanlagen

 23.07.2026