München

Mit Bildung gegen Judenhass

Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle Foto: Christian Rudnik

Mit Bildung und Wissenschaft soll in Bayern gezielt gegen Antisemitismus angegangen werden. Das kündigte der Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle (CSU) am Donnerstag in München an. Bei einem Online-Pressegespräch stellte er eine neue Publikation mit dem Titel »Wissen gegen Judenhass« vor. Diese enthält ein Konzept zur strategischen Prävention gegen Antisemitismus in Bildung und Wissenschaft, Ehrenamt und Öffentlichem Dienst.

In der Bildungsarbeit seien Alleinkämpfer wenig erfolgreich, sagte Spaenle. Er setze deshalb auf eine enge Zusammenarbeit mit Trägern der schulischen und außerschulischen Bildung, auch mit dem Wertebündnis Bayern und der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. »Wir müssen eine umfassende präventive Arbeit gegen den Antisemitismus leisten, müssen unsere bisherigen Anstrengungen verstärken und sie strategisch konzentrieren.« Das Jubiläumsjahr »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« fördere derzeit das Interesse am Thema.

schulen Dem »leider unausrottbaren« Antisemitismus könne nur mit Wissen begegnet werden, erklärte Spaenle. Aufgerufen seien dabei vor allem die Schulen, die mit Angeboten wie Werkwochen oder Geschichtswettbewerben für das Thema sensibilisieren sollten. Auch in der Forschung sei noch »Luft nach oben«. Deshalb freue es ihn sehr, so der Beauftragte, dass die Akademie der Wissenschaften in Bayern ad hoc eine Arbeitsgemeinschaft für »Jüdisches Leben in Bayern« unter der Leitung des Münchner jüdischen Kulturhistorikers Michael Brenner ins Leben gerufen habe.

In Sportvereinen und im Bereich des Ehrenamts etwa bei Gewerkschaften und Kirchen müsse noch gezielter über das Judentum informiert werden, so der Antisemitismusbeauftragte. Gleiches gelte für die Träger von Erwachsenenbildung. Spaenle verwies darauf, dass gerade in Pandemiezeiten der Antisemitismus wieder gewachsen sei. Bei den »Querdenkern« und unter Verschwörungstheoretikern sei anfangs für die Situation ein »Chip«, dann ein »Unternehmer aus den USA« und zuletzt wieder »das Weltjudentum« verantwortlich gemacht worden.

Auch das Tragen von sogenannten Judensternen, wie es bei Gegnern der Corona-Maßnahmen bei Demonstrationen vorgekommen sei, prangerte Spaenle an. »Wer dieses Zeichen verwendet, beleidigt die Opfer.« kna

Berlin

Streit um Antisemitismus: SPD und Grüne unterbrechen Sondierungsgespräche

Die Linke will eine rot-grün-rote Koalition in der Hauptstadt schmieden. Doch Grüne und SPD setzen erstmal ein Stoppschild. Auslöser ist der Umgang der Linken mit dem Thema Antisemitismus

 13.10.2026

Kontinuität

Bundesratsinitiative für EU-Forschungskooperation mit Israel

Drei Bundesländer wollen die weitere Beteiligung Israels am EU-Forschungsrahmenprogramm sicherstellen. Dazu wird jetzt eine Bundesratsinitiative auf den Weg gebracht

 13.10.2026

Kommentar

Der geplatzte Testballon von Halle

Die AfD wird weiterhin versuchen, sich als ganz normale Partei zu inszenieren, wenn es um jüdisches Leben geht. Ein Angriffsziel bleibt es trotzdem. Deswegen müssen wir achtsamer werden, wenn die Angriffe subtiler werden

von Igor Matviyets  13.10.2026

Sachsen-Anhalt

CDU-Fraktion will bei Ministerpräsidenten-Wahl den Saal verlassen

Kamen Stimmen für die Wahl des AfD-Landtagspräsidenten aus den Reihen der CDU? Für die nächste wichtige Wahl im Dezember will die Fraktion vorbauen und nimmt einen ungewöhnlichen Weg

 13.10.2026

120. Geburtstag

Philosoph Bormuth: Die Gedanken von Hannah Arendt geben Orientierung

Das Werk der Philosophin Hannah Arendt bietet nach Ansicht des Oldenburger Wissenschaftlers Matthias Bormuth Orientierung in polarisierten Zeiten. Ihr Plädoyer für eigenes Denken und streitbaren Austausch sei heute hochaktuell

 13.10.2026

New York

Die US-Linke ist besessen von Palästina – nun frisst die Revolution ihre eigenen Kinder

Zohran Mamdanis Aufstieg hat in der Demokratischen Partei einen Linksruck ausgelöst. Längst ist der Bürgermeister der US-Metropole mit seiner zweifelhaften Anti-Israel-Rhetorik zur Ikone der Palästina-Bewegung in Amerika geworden. Nun wird er Teilen des eigenen Lagers zu weich

von Jan Klauth  13.10.2026

Glosse

Wir stehen zum Existenzrecht Pakistans!

Absurder als im rot-rot-grünen Berlin wird’s nicht mehr

von Philip Fabian  13.10.2026

Replik

Einspruch, euer Ehren!

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ging in diesem Jahr an Philippe Sands. Ausgerechnet ein Mann, dessen Autorität auf juristischer Präzision und universellen Maßstäben gründet, nimmt es mit dem Völkerrecht erstaunlich ungenau

von Leeor Engländer  13.10.2026

9. November

Bautzen erinnert an Novemberpogrome 1938

Der Bautzener Kornmarkt war Schauplatz der Novemberpogrome von 1938. Eine temporäre Installation soll am authentischen Ort an NS-Opfer erinnern

 13.10.2026