EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 49 Sitze

Antisemitismus

Militanz gegen Musik

Es war eine beängstigende Situation: Am 4. Oktober störten etwa sechs rot gekleideten Pro-Palästina-Aktivisten eine vom Jüdischen Nationalfonds (JNF/KKL) mitorganisierte öffentliche Musikveranstaltung in Berlin. Es sang der Chor des israelischen Givatron-Kibbuz. Vor 65 Jahren gegründet, tritt er in Israel meist in vollen Sälen auf. 2010 erhielt er den Israel-Preis.

In Berlin gastierte der Chor in der evangelischen Pauluskirche, eine gemeinsame Veranstaltung von JNF/KKL und Kirchengemeinde. Die überwiegend jungen Teilnehmer der Protestdemonstration – es soll sich um Deutsche, Iraner, Spanier und zwei Israelis gehandelt haben – sprangen während des Konzerts auf, brüllten antiisraelische Slogans, entfalteten Banderolen und warfen Flugblätter in den Saal. Sie trugen
T-Shirts mit der Aufschrift »Viva Palästina«.

Internet Wie man einem von den Organisatoren ins Internet gestellten Video entnehmen kann, reagierten die sichtlich geschockten Zuschauer erstaunlich zurückhaltend. Polizei war die ganze Zeit nicht zu sehen. Erst nach zehn Minuten gelang es einigen Ordnern, die Störer hinauszudrängen. Kurz nach ihrer Aktion stellten sich die Angreifer im Internet als Organisation »Direct Action Berlin« vor. In einem deutsch- und englischsprachigen Pamphlet bezeichnen sie sich als eine linksextreme Gruppierung, die Teil der weltweit tätigen BDS-Boykott-Kampagne gegen Israel sei.

Das Objekt ihres Hasses ist der bereits 1901 gegründete JNF/KKL, die größte Umweltschutzorganisation Israels. Für »Direct Action« ist er jedoch »eine der ältesten und effektivsten Instrumente zionistischer Apartheid und Unterdrückung in Palästina«, wie es in einer Erklärung heißt. Beobachter gehen davon aus, dass dieser Überfall Teil einer koordinierten internationalen Kampagne ist. Nach bisher nur verbalen Angriffen würden nun israelische Vertreter gezielt auch körperlich attackiert.

Protestbrief Hauptangriffspunkt sind in Deutschland tätige israelische Institutionen, besonders JNF/KKL. In den letzten Monaten wurden zahlreiche Kulturveranstaltungen gestört: In Baden-Württemberg überschwemmt die deutsche Ärztin Gabi Weber regelmäßig Bürgermeister mit Protestbriefen, wenn jüdische Gruppierungen eine Kulturveranstaltung planen. Der Bürgermeister von Konstanz gab im Sommer dem Druck nach und sagte den Israel-Tag wieder ab.

Im Mai überfielen fünf Rechtsradikale einen Israel-Infostand in Siegen, mehrere Teilnehmer wurden beleidigt und verletzt. In Bonn war es vor allem die ehemalige Lehrerin Edith Lutz, die sich gerne als Jüdin vorzustellen pflegt, die in zahlreichen Briefen gegen ein vom JNF/KKL im September geplantes Kunstereignis protestierte.

Berlin

Polizei: Aufrufe zu Gewalt verfangen derzeit nicht

Bundesweite Aufrufe zum Protesttag an Halloween: Nach gewaltsamen Demonstrationen in Frankreich stellt sich die Berliner Polizei auf einen Großeinsatz ein. Hinweise auf Plünderungspläne gibt es nicht

 28.10.2026

Nürnberg

Interaktives NS-Dokumentationszentrum öffnet

Nach fünf Monaten Probebetrieb wird das neu gestaltete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg am kommenden Mittwoch feierlich eröffnet. Im Zentrum des Ausstellungskonzepts stehen Barrierearmut und ein multimediales Angebot

von Julia Riese  28.10.2026

Reaktion

Laschet: Chancen auf politische Versöhnung in Israel gestiegen

Der Ausgang der Wahl in Israel ist unklar - die Auszählung dauert an. Doch CDU-Außenpolitiker Armin Laschet äußert sich in einer ersten Einschätzung zuversichtlich

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump will Ben-Gvir offenbar aus Netanjahus nächster Regierung heraushalten

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse nach der Parlamentswahl könnte der US-Präsident zudem auf eine nationale Einheitsregierung drängen

 28.10.2026

Meinung

Wieder ein »kleiner Geländegewinn«

Die Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hat es erneut geschafft, die Regierungsunfähigkeit ihrer Partei zu demonstrieren

von André Anchuelo  28.10.2026

Magdeburg

CDU-Abgeordnete sollten eidesstattliche Erklärung unterschreiben

Seit der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten steht der Verdacht im Raum, Stimmen könnten aus der CDU gekommen sein. Wie die Fraktion damit umgeht

 28.10.2026

Berlin

Verfassungsschutz warnt vor linksextremen Einflüssen

Für Samstag hat die Initiative Gen Z regelt deutschlandweit zu Protesten für Bildung und soziale Gerechtigkeit aufgerufen. Aus Sorge vor Ausschreitungen beobachten die Behörden die Lage genau

 28.10.2026

Berlin

Antisemitismusbeauftragte: »Jude« darf kein Schimpfwort sein

Katharina von Schnurbein tritt heute die Nachfolge von Felix Klein in der Bundesregierung an. Ihr erklärtes Ziel klingt einfach

 28.10.2026

Belgrad

Serbien: Anschlag auf Polizisten vor israelischer Botschaft

Erneut wird ein Wachbeamter vor der israelischen Botschaft angegriffen. Der Vorfall weckt Erinnerungen - welche Sicherheitsmaßnahmen die Behörden jetzt ergreifen

 28.10.2026