Prag

Merkel: »Israel besteht nicht nur aus Ministerpräsident Netanjahu«

Altkanzlerin Angela Merkel, hier auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag im Mai Foto: picture alliance/dpa

Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich bei einer Veranstaltung in Prag äußerst kritisch zu Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und dem Krieg in Gaza geäußert. »Wie er diesen Krieg führt – auch mit welcher Erbarmungslosigkeit gegen die Zivilbevölkerung im Gazastreifen – teile ich nicht«, sagte Merkel laut »Welt«. Sie selbst sei »auf der Seite gerade all derer, die gegen Netanjahu auch in Israel, bis hin zu hohen Militärs, protestieren«. Merkel: »Israel besteht nicht nur aus Ministerpräsident Netanjahu.«

Während des Live-Interviews vor Publikum in der tschechischen Hauptstadt macht die Altbundeskanzlerin aber auch klar, dass sie trotz ihrer Kritik die Solidarität mit dem jüdischen Staat nicht grundsätzlich in Zweifel zieht. »Das kann mich aber nicht dazu bringen, dass ich sage, nun werde ich aber Israel in seinem Kampf um seine Existenz nicht mehr unterstützen«, sagte Merkel. »Die Antwort kann nicht sein, weil ich mit der Politik von Netanjahu nicht einverstanden bin, stelle ich meine Unterstützung für den Staat Israel und damit auch für die vielen, die selbst kritisch zu Netanjahu sind, infrage.«

Lesen Sie auch

Laut »Welt« erinnerte Merkel zudem daran, dass es die Hamas gewesen ist, die den Krieg mit Israel am 7. Oktober 2023 begonnen hat. Die Terrororganisation wolle den jüdischen Staat vernichten und nutze palästinensische Zivilisten als lebende Schutzschilde, so Merkel. Zudem gäbe es eine Unwucht in der Debatte: Im Jemen hungerten derzeit viele Millionen Menschen, die keine Lobby für ihre Interessen hätten. »Wenn es dann um Israel geht, dann wird Israel sehr an den Pranger gestellt«, so die Altbundeskanzlerin.

Merkel prägte den Begriff der »Staatsräson«

Angela Merkel war von 2005 bis 2021 die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. 2008 prägte sie in einer Rede vor dem israelischen Parlament in Jerusalem die Idee, dass Israelis Sicherheit Teil der deutschen Staatsräson sei. Seitdem wird der Begriff der »Staatsräson« als prägend für das deutsch-israelische Verhältnis immer wieder kontrovers diskutiert. ja

Brüssel

900 Millionen Euro Herzenswärme

Knapp eine Milliarde Euro soll für den Wiederaufbau in den Gazastreifen gehen. Dass die Mittel am Ende tatsächlich nur in die zivile Infrastruktur fließen, ist zweifelhaft

von Michael Thaidigsmann  13.07.2026

Studie

Judenhass ist »alltagsprägend« - auch in Baden-Württemberg

Antisemitische Vorfälle in Baden-Württemberg wurden 2025 erstmals systematisch ausgewertet. 335 wurden registriert. Es gab sie im Alltag von Jüdinnen und Juden wie in Sozialen Medien - und sogar im Bildungssektor

von Norbert Demuth  13.07.2026

Berlin

Studentenparlament der Humboldt-Universität fordert akademischen Boykott Israels

In einem Antrag wird die Uni aufgefordert, bestehende Kooperationen mit israelischen Universitäten und Forschungseinrichtungen zu beenden

 13.07.2026

Interview

»Würde mit Davidstern-Kette nicht in bestimmte Stadtviertel«

Die Bundesfamilienministerin (CDU) über Einsparungen in ihrem Ressort, das Programm »Demokratie leben« und ihre persönliche Betroffenheit vom wachsenden Antisemitismus in Deutschland

von Alexander Riedel, Birgit Wilke  13.07.2026

Essay

Wann endet ein Flüchtlingsstatus?

Der Flüchtlingsstatus ist kein Dauerzustand. Wer über Asyl spricht, muss auch über die Bedingungen sprechen, unter denen Schutz wieder entfallen sollte

von Steven Guttmann  13.07.2026

Berlin

Sicherheitspolitiker warnen vor iranischen Anschlägen in Deutschland

Eine iranische Tageszeitung ruft einer Online-Grafik zu Vergeltung gegen westliche Politiker auf. Unter den gezeigten Köpfen ist auch Kanzler Merz. Mehrere Politiker reagieren besorgt

 13.07.2026

Brüssel

Konferenz in Brüssel bringt fast 900 Millionen Euro für Gaza

Die humanitäre Lage im Gazastreifen ist katastrophal. Kann eine Gebergruppe helfen?

 13.07.2026

London

Großbritannien plant härteres Vorgehen gegen Revolutionsgarden

Mit einem neuen Sicherheitsgesetz will London härter gegen von feindlichen Staaten gelenkte Gruppen vorgehen. Auch lebenslange Haftstrafen sind möglich

 13.07.2026

Bericht

Zahl antisemitischer Straftaten in NRW steigt deutlich an

In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der antisemitischen Straftaten 2025 auf einen Höchststand gestiegen. So verzeichnete die Statistik zu politisch motivierter Kriminalität 786 Straftaten, die offenbar aus Hass gegen Juden verübt wurden

 13.07.2026